BONIFATIUSPREIS FÜR MISSIONARISCHES HANDELN

Die Preisträger 2010

Der erste Platz: "„Kreuz + Quer – Begegnung mit Gott im Alltag"

Auf dem Territorium des Pastoralverbundes sind über 40 Wegkreuze zu finden. Sie stehen schwerpunktmäßig innerhalb der Orte bzw. an den Ausfallstraßen. Die Kreuze sind größtenteils von einzelnen Bewohnern gestiftet worden und bilden Glaubenszeugnisse vorangegangener Generationen mitten unter den Menschen. Im Alltag sind sie stets zu sehen, aber durch die Gewöhnung an ihren Anblick mit ihrer Botschaft häufig nicht präsent. Sie bilden die mediale Plattform des Projektes.

Inhaltlich knüpft das Projekt an den Diözesantag 2009 des Bistums Fulda zu „Lebensraumorientierter Seelsorge – missionarisch Kirche sein“ an. Grundlegend für eine zukunftsweisende Seelsorge ist Generalvikar Stanke folgend die Gewissheit, dass Gott immer schon bei den Menschen ist. Aufgabe der Christen ist es, diese Entdeckung den Menschen zu erspüren helfen. Die Menschen haben wesentliche Fragen, suchen nach Identität und Bezugspunkten für das Leben und nach tragfähigen, echten Beziehungen, was auch die Shell-Studien Jahr für Jahr bestätigen.

All diese Dinge bezeichnen Elemente, die in die Mitte des Glaubens gehören und auf die Mitte des christlichen Glaubens, Jesus Christus, zustreben. Das Wesen der Kirche und somit jeder Gemeinde ist „die Antwort freier Menschen auf den Ruf Gottes, eine Antwort, die Menschen [...] verbindet und die sie leben, indem sie für die Verkündigung des Evangeliums, für den Dienst an der Nähe zu den Menschen und für die Heiligung des Alltags [...] Verantwortung übernehmen.“ Ausgangs- und Bezugspunkt muss stets der Glaube daran sein, dass die Menschen durch Jesus Christus, durch sein Leben, Sterben und seine alles verändernde Auferstehung erlöst sind. Das gelebte Vertrauen, dass sich das Leben aus und in Christus lohnt, der für die Menschen das „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) will, ist Richtschnur jeglicher Mission.

Die Plakate an den Wegkreuzen nehmen diese Zielsetzung auf. Die Deuteworte orientieren sich an Texten des Evangeliums und somit an Christus. Zusagen Gottes bzw. daraus erwachsende Ansprüche an die Menschen sind formuliert. Sie bieten die Einbeziehung Gottes als reale Dimension des eigenen Lebens an und laden dazu ein, die lebensverändernden Möglichkeiten einer solchen Zusage zu reflektieren. Die dazugehörigen Bibelworte fundieren sie biblisch. Die Veranstaltungen zum Projekt ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung.

Das Projekt folgt den von Dr. H. Müller geforderten Haltungen. Mit den Deuteworten auf den Wegkreuzen wird versucht Menschen zu rufen bei einer Offenheit dafür, ob die Menschen diesem folgen. Die Kreise der Gemeinden und die einzelnen Pfarreien bringen sich hierbei ihren Charismen entsprechend ein. Die Notwendigkeit dieses missionarischen Projektes ergibt sich aus der pastoralen Situation.
 

Die Bibel- und Deuteworte

Die Bibelworte sind den Sonntagsevangelien der Fastenzeit entnommen. Sie nehmen einen Aspekt des biblischen Textes in den Blick. Die Deuteworte beleuchten wiederum eine Botschaft des Bibelwortes. Sie sind als direkte Anrede formuliert, da sie als Zusage bzw. Anfrage allen Menschen gelten und sich die Menschen so auch direkt angesprochen fühlen können.

Das Deutewort ist jeweils größer abgedruckt, um diese Anrede zu stärken. Das Bibelwort fällt auf den zweiten Blick ins Auge und setzt das Deutewort in den biblischen Kontext. So kann es interessiert Gewordene zur Auseinandersetzung mit der Bibelstelle anregen.

  • Gott öffnet dir Perspektiven - „Der Mensch lebt nicht nur von Brot.“ (Lk 4.4)
  • Gott ist dir in Jesus nah - „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ (Lk 9,35)
  • Gott ruft dich zur Umkehr - „Bekehrt euch!“ (Vgl. Lk 13,3)
  • Gott nimmt dich immer wieder an - „Freu dich, mein Sohn, denn dein Bruder war tot und lebt wieder: er war verloren und wurde wieder gefunden.“ (Vgl. Lk 15,32)
  • Gott verzeiht dir - „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie.“ (Joh 8,7)
  • Gott zeigt dir neue Wege auf - „Die Jünger machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte.“ (Lk 19,32) ;

Zunehmend partizipiert die jüngere Generation nicht mehr an gemeindlichen Angeboten, die Kirche mit ihren Glaubensvollzügen wird ihr fremd. Gleichzeitig ist die Suche junger Menschen nach Sinn hoch wie nie. Mit dem Projekt will der Pastoralverbund auf die christliche Verantwortung zur Glaubensweitergabe reagieren und den Menschen den christlichen Lebensweg als gelingenden und sinnstiftenden anbieten.

Die Kirche hat für die Menschen von heute eine Botschaft. Sie muss nur in der Lebenswelt der Menschen als relevant erfahrbar gemacht werden. Hierzu werden die beschilderten Wegkreuze als Medium außerhalb der Kirche benutzt. Um die Nachhaltigkeit zu verbessern, übernehmen die Ausgestaltung der dazugehörigen Angebote Kreise von Ehrenamtlichen. So kann Suchenden die Möglichkeit geboten werden, sich mit Personen der gleichen Zielgruppe auseinanderzusetzen und sich eventuell einem Kreis anzuschließen. Dies ist notwendig, da durch die Wahrnehmung eines Angebotes bei Teilnehmern nur ein Prozess des in den Glauben Wachsens angestoßen werden kann, den es durch Menschen zu begleiten gilt. Bei der überwiegenden Zahl der Veranstaltungen zum Projekt werden bestehende Angebote von Kreisen modifiziert und so in das Projekt integrierbar, ohne eine Mehrarbeit zu erfordern. Hierdurch wird zusätzlich die Vernetzung der einzelnen Kreise durch die Mitarbeit an Teilbereichen eines großen Ganzen gestärkt.
 

Angebote zum Projekt

Die Angebote zum Projekt umfassen alle Altersschichten und sind differenziert von niederschwellig bis anspruchsvoll angesiedelt. Eine größere Zahl von ihnen ist auf der Ebene des Pastoralverbundes angesiedelt, einzelne werden auch innerhalb der Pfarrgemeinden umgesetzt. Den Kern der Angebote umfassen die durch Firmbewerber beschilderten 40 Wegkreuze mit Bibel- und Deuteworten aus den Sonntagsevangelien der Fastenzeit. Sie umfassen:

  1. Fastenpredigten
  2. Bußgottesdienste
  3. Kreuzweg von Frauen für Frauen
  4. Kreuzrallye
  5. Karte für Hauskommunionen und Besuchsdienste
  6. Ökumenischer Kreuzweg der Jugend
  7. Wanderung für junge Paare

Das missionarische Projekt stellt eine Reaktion auf die zunehmende Entchristlichung der Gesellschaft dar und zielt auf die Wiedergewinnung abständiger Christen wie der Evangelisation ab. Es soll Anstoß geben und den Menschen einen ersten Schritt zur Fähigkeit führen, seine individuelle wie gesellschaftliche Wirklichkeit im Horizont des anbrechenden Reiches Gottes zu deuten und zu gestalten. Die Hauptaufgabe der Kirche, das Evangelium Jesu Christi in der Welt präsent werden zu lassen und allen Menschen anzubieten, soll hierbei in einem Zusammenspiel der beiden wichtigen Pole Sammlung und Sendung geschehen.

Die Mission und Evangelisation beansprucht aufgrund der gesellschaftlichen und kulturellen Situation eine grundlegende Aufmerksamkeit. Missionarische Verkündigung an kirchenferne bzw. sich von der Kirche entfernende Menschen muss der dt. Bischofskonferenz folgend eine pastorale Priorität bekommen. Mit dem Projekt wird dieses Ziel bereits durch die Standorte der Kreuze mitten in den Orten verfolgt. Die Deuteworte sind so formuliert, dass kein theologisches Wissen zum Verständnis benötigt wird. Außerdem werden Sehnsüchte breiter Bevölkerungsschichten aufgegriffen und christlich gedeutet. Die Angebote sind nach Zielgruppen breit gefächert und teilweise relativ niederschwellig angelegt, um möglichst viele Menschen erreichen zu können.

Die Ausgestaltung wird zum größten Teil von gemeindlichen Kreisen übernommen, was nicht nur der Sendung zu Gute kommt, sondern auch der Sammlung. Die Kreise und Kirchengemeinden des Pastoralverbundes werden durch die Arbeit an einem gemeinsamen Großprojekt stärker vernetzt, es wird Gemeinschaft erlebt und in der Erfüllung des Sendungsauftrags Christi der Menschen verbindende Kern deutlich. So kommt es zu einem Zusammenspiel beider wichtiger Pole von Sammlung und Sendung.
 

Der äußere Rahmen

  • Das Projekt ist auf die österliche Bußzeit terminiert. Eine zeitliche Befristung ist sinnvoll, um die Wirksamkeit der Beschilderung der Wegkreuze als ungewöhnlich, neu und Interesse weckend zu fördern. In die Theologie der österlichen Bußzeit mit ihrem besonderen Charakter im Jahreskreis passt das Projekt sehr gut. Die Tauferneuerung und Taufvorbereitung bildet einen Schwerpunkt, der bei der Evangelisation ebenso wichtig ist. Suchende Menschen, die auf den Schildern direkt mit Zusagen Gottes konfrontiert und dadurch zum Nachdenken gebracht werden sollen, werden so an Glaubenswahrheiten herangeführt, die in die Feier des Paschamysteriums münden. Die liturgischen Texte entsprechen dieser Theologie.
  • Die Öffentlichkeitsarbeit zum Projekt ist breit anzulegen, da die Zielgruppe neben kirchlich gebundenen Menschen auch fernstehende umfassen soll, die Medien wie Vermeidungen nach den Gottesdiensten oder Pfarrbriefe nicht erreichen. So sind Plakate in Geschäften sowie Vereinen, Veröffentlichungen in den Zeitungen aber auch die neuen Medien wie die Gemeinde-Homepages und Internetkommunikationsplattformen wie „Wer-kennt-wen“, „Facebook“ und „MeinVZ“ zu nutzen. Mit den letztgenannten Werbemöglichkeiten lassen sich verstärkt junge Zielgruppen ansprechen.
  • Die Werbung und die Beschilderung der Wegkreuze müssen visuell miteinander verknüpft sein, um einen Zusammenhang zwischen diesen auf den ersten Blick herstellen zu können. Aus diesem Grund ist ein Logo zu entwickeln, dass stets auf allen Veröffentlichungen zum Projekt zu sehen sein muss.
  • Um nähere Informationen zur Beschilderung herausfinden zu können, sind die Schilder mit Internetadressen, auf denen sich weiterführende Informationen finden, zu versehen.
  • In der dörflichen Struktur des Pastoralverbundes ist jedoch auch die Mund-zu-Mund-Propaganda nicht zu vernachlässigen. Handzettel können diese unterstützen.

Der zweite Platz: "Zeltkirche on Tour"

Die Zeltkirche ist ein jugendpastorales Projekt, das es sich zum Ziel gesetzt hat

... mit Jugendlichen über Lebens- und Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen,

... Glaube und Kirche jugendgemäß erlebbar werden zu lassen,

... Jugendliche in ihrer Identitätsbildung zu begleiten und zu stärken

... Jugendliche in ihrem religiösen Suchen und Fragen zu ermutigen und zu unterstützen, und

... den (Schul-)Alltag zu unterbrechen und neue Perspektiven aufzuzeigen.


Das Angebot der Zeltkirche richtet sich an Jugendliche ab der 7. Klasse. Das Zelt wird montags an einer Schule (möglichst mit Unterstützung der Schülerinnen und Schüler) aufgebaut. Ein liturgischer Startpunkt mit Schule, Kirchengemeinde eröffnet die Zeltkirchenwoche.

Ein ständiges Begleitteam aus Osnabrück (bestehend aus ehrenamtlichen Studierenden und Teamern) kümmert sich in Abstimmung mit einem lokalen Team (bestehend aus Ehrenamtlichen und / oder hauptamtlichen pastoralen Mitarbeitern vor Ort) um die inhaltlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für die Woche.

Die thematische Ausrichtung der Woche wird in Absprache mit den Schulen und dem lokalen Team in groben Zügen festgelegt. Der verbleibende Spielraum wird dann im Gespräch und im konkreten Umgang mit den teilnehmenden jugendlichen ausgefüllt. Möglicherweise ergeben sich während der Woche auch Themen, die bei den jugendlichen gerade besonderen Gesprächsbedarf erzeugen und somit in die Woche einbezogen werden können.

Während der Vormittag (und der frühe Nachmittag) in der Zeltkirche meist den Schülerinnen und Schülern vorbehalten ist, bleiben am Nachmittag auch Raum und Zeit, um Angebote für andere Zielgruppen zu machen. So können z. B. Angebote für die Kinder und jugendlichen aus der Umgebung gemacht werden. Meist besteht auch von Seiten der örtlichen Kirchengemeinde ein Interesse am Kennenlernen der Zeltkirche und möglichen Vernetzungen.

Beendet wird die Zeltkirchenwoche mit einer liturgischen Feier / Gottesdienst, an der die Jugendlichen abschließend nochmals gesammelt teilnehmen. Der gemeinsame Abbau des Zeltes bildet den Schlusspunkt der Woche.
 

Das Programm

Für die Gestaltung der Zeltkirchenwochen gibt es kein feststehendes Programm, das an jeder Schule in ähnlicher Weise umzusetzen ist. Vielmehr wird bei jeder Schule neu geschaut: Welche Fragen und Themen stellen sich? Welche jugendlichen machen mit? Wie kann die Woche unter Rücksicht auf die Zielgruppe, die örtlichen und strukturellen Gegebenheiten für die Teilnehmenden interessant, abwechslungsreich und gewinnbringend gestaltet werden?

Themen wie die Frage nach der (persönlichen) Zukunft oder auch das Stichwort „Klassengemeinschaft“ sind stetig wiederkehrende Optionen. Darüber hinaus gibt es aber immer wieder einen großen Spielraum, um aktuelle Fragen und Probleme der Teilnehmenden aufzugreifen. Die Arbeit mit unterschiedlichsten Medien (Filme, Musik, Zeitungen, etc.) ist ebenso selbstverständlich wie der Einsatz erlebnispädagogischer Akzente.

Darüber hinaus wird nach Wegen und Möglichkeiten gesucht, den christlichen Glauben jugendgemäß und dennoch ernsthaft und in seiner Bedeutung für das alltägliche Leben zur Sprache zu bringen.
 

„Nach einer Woche ist alles vorbei?“

Die Sondersituation, die Unterbrechungen des normalen Schulalltags und das Angebot fremder Gesprächspartner, die nicht in die Schulorganisation eingebunden sind, ermöglichen eine neue Auseinandersetzung mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit existentiellen Lebens- und Glaubensfragen. Gleichzeitig muss man berücksichtigen, dass die Zeltkirche auf eine Woche begrenzt ist. Hier tragen die Mitarbeitenden eine hohe Verantwortung. Sie stehen vor der Aufgabe, Offenheit und Vertrauen in der Woche zu ermöglichen und gleichzeitig das Ende der Woche im Blick zu behalten. Im Idealfall ergeben sich aus der Zeltkirchenwoche weitere Kontakte der Teilnehmenden zu den Verantwortlichen der jugendpastoral vor Ort.

  • Es ist gut über sich, sein Leben, seine Ziele und Ideale nachzudenken.
  • Ich bin mit meinen Fragen, Ängsten, Sorgen nicht allein.
  • Die Botschaft des Evangeliums hat mit meinem Leben etwas zu tun.
  • Die Kirche kann ein Ort sein, an dem jeder als Person ernst genommen und nicht nach seinen Leistungen bewertet wird.
  • Kirche und Mitwirkung dort muss nicht langweilig sein.

Entwickelt und verantwortet wird das Projekt von der liturgischen Kommission des Bistums Osnabrück und dem Diözesan-Jugendamt. Geplant war ein jugendliturgisches Pilotprojekt mit dezentraler Ausrichtung, das von Jugendlichen in den entsprechenden jugendkulturellen Ausdrucksformen mitgestaltet werden sollte.

Die Schule lädt die Kirche ein, mit der Zeltkirche eine Woche bei ihr zu Gast zu sein. Wie keine andere kirchliche Veranstaltung ist die Zeltkirche in die Schule eingebunden. Innerhalb des Schulalltags und in den gewohnten Schulräumen werden Begegnung, Gespräch und Gottesdienst angeboten.

Die Kirche geht vor Ort. Sie lädt nicht in kirchliche Räume ein oder fährt mit den Schülern in kirchliche Tagungshäuser. Neben manchen Begrenzungen liegt hier eine große Chance: Die Gespräche finden nicht in einer Sondersituation statt und können so eine größere Relevanz für das Leben des Einzelnen haben. Nicht selten erzählen Lehrkräfte und Schüler, dass von den Gesprächen am Vormittag Impulse für Gespräche mit Freunden und Familienangehörigen am Nachmittag oder am Abend ausgingen.

Sonderpreis: "Betende Stadt Büren"

Grundlage dieser Aktion, die im Mai vom Liturgieausschuss des Pfarrgemeinderates St. Nikolaus Büren durchgeführt wird, ist das dreimalige Glockenläuten, das zum Gebet des „Engel des Herrn“ jeden Tag einlädt. Die Initiative will die Bürger der Stadt Büren dazu anregen, ihre Anliegen und die Menschen, die ihnen wichtig und wertvoll sind, vor Gott zu stellen und dafür zu danken und zu bitten.

Für jeden Tag des Monats Mai wurde ein Gebetsanliegen als Vorschlag ausgewählt. Sowohl auf Gebetskarten als auch auf dem dazu gefertigten Plakat sind diese Intentionen sowie der „Engel des Herrn“ abgedruckt. Die Karten werden in Schulen ausgegeben und liegen in den Schriftenständen der Kirchen, in den Pfarrbüros, in den Kindergärten, im Bürgerbüro der Stadt und bei den Banken aus.

Sie sollen eine Hilfe bieten, den „Angelus“ (Engel des Herrn) morgens, mittags und abends zum dazu erklingenden Glockengeläut zu beten. Gleichzeitig wissen die aufgeführten Personengruppen: heute beten für mich viele hundert Bürger meiner Stadt. Die so entstehende Gebetsgemeinschaft soll das Miteinander und Füreinander in der Stadt durch den Glauben an Jesus Christus stärken.

"Wir dürfen uns getragen wissen durch das Gebet der anderen und können selber für sie dankend und bittend da sein", so die Organistoren. "Beten meint, das ganze Leben mit all seinen Höhen und Tiefen Gott anvertrauen: ihn zu loben für seine Güte, ihm zu danken für alles, was unser Leben bereichert, und zu bitten in aller Not. Immer haben Menschen die Nähe und Freundschaft Gottes im Gebet gesucht und gefunden und dadurch ihr Leben als sinnvoll und wertvoll erfahren. Möge diese Initiative, die vom Liturgieausschuss des Pfarrgemeinderates St. Nikolaus Büren durchgeführt wird, dazu eine Hilfe sein."

Sonderpreis: "Internetkirche St. Bonifatius / funcity"

Die 1998 gegründete St. Bonifatius-Kirche befindet sich mitten in der virtuellen Stadt funcity, die 1997 ins Internet gestellt worden ist. funcity ist eine säkulare und kommerziell ausgerichtet Internet-Community und in Teilen vergleichbar mit StudiVZ, facebook oder anderen Anbietern.

Nach Eingabe der Internetadresse www.funcity.de erscheint auf der Startseite ein buntes Panorama mit Elementen einer ganz gewöhnlichen Stadt. Es findet sich in funcity alles, was es infrastrukturell in einer normalen Stadt außerhalb des Internets auch gibt.

Mitten zwischen den bunten und stylischen Gebäuden des City-Panoramas findet der User die St. Bonifatius-Kirche. Das romanisch inspirierte Gebäude mit dem grünen Kupferdach scheint dabei so gar nicht in die Welt der „Spaß-Stadt“ zu passen.
 

Der große Zuspruch, der dieser „besonderen“ Kirche entgegengebracht wird, spricht aber eine ernsthafte Sprache. Dazu tragen die vielen verschiedenen Angebote dieser real-virtuellen Kirche bei: Insbesondere das zum 1. Advent 2008 gegründete Kloster an St. Bonifatius hat die Aufmerksamkeit von Interessierten und der Öffentlichkeit zusätzlich befördert.
 

Die Angebote

Das Projekt „Internet-Kirche St. Bonifatius“ besteht aus folgenden Angeboten: Da sein!, Themenchat, E-Mail-Gemeindebrief, Gästebuch, Fürbitt-Brett, E-Mail- oder Chatseelsorge, Gebetsleuchter im Kloster und der Online- Gottesdienst. /p>

So wird durch die Internet- Kirche eine neue Form von Kirche eröffnet, die einem missionarischen Anspruch gerecht zu werden versucht. Diese Form gibt es seit 1998. /p>

Eine erste Besonderheit ist die Dauer des Projekts: Bereits seit April 1998, also fast seit Beginn des Internetbooms, ist die funcity-Kirche im Internet durchgehend präsent. Die Grundsäulen Chat und E-Mail-Seelsorge wurden dabei immer beibehalten. Die funcity- Kirche ist als von großer Beständigkeit geprägt.

Das Team

Eine Besonderheit dieser Art kirchlicher Präsenz ist die große Anzahl von Menschen und kirchlichen Beruf-(ung)-sgruppen, die die Kirche mitgestalten und mit Leben erfüllen. Träger der Internetkirche St. Bonifatius in www.funcity.de sind die Diözesen Hildesheim, Osnabrück und der Offizialatsbezirk Vechta des Bistums Münster. Aus pastoralen Mitarbeitern dieser Diözesen bildet sich das Kirchenteam, das derzeit aus 18 Personen besteht. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zum größten Teil ehrenamtlich engagiert und arbeiten zusätzlich zu ihrem Dienst im Kirchenteam mit. Eine Rechtsform (z. B. e.V. oder vergleichbares) gibt es nicht. So arbeiten pastorale Mitarbeiter aus drei Diözesen, allen Berufsgruppen, evangelisch und katholisch zusammen. Das ist weltweit schon eine Besonderheit.

In der Projektdarstellung heißt es: "Mit der Einrichtung des Klosters an St. Bonifatius konnten wir unser spirituelles Profil weiter schärfen, insbesondere auch deshalb, weil viele der aus 13 unterschiedlichen Ordensgemeinschaften stammenden Ordensfrauen und -priestern selbst im Kontext der Berufungspastoral ihrer Orden oder Diözesen tätig sind. Unseres Wissens gibt es an keiner anderen Stelle eine solche Zusammenarbeit von Ordensgemeinschaften in diesem nicht mehr so neuen Medium Internet. Konkrete Angebote der Ordensleute außerhalb von funcity, die über das Internet-Kloster beworben werden, erweitern das Angebot des Klosters."

Gleichzeitig macht die breite Angebotspalette, die immer wieder neu ergänzt und verändert wird, die Einzigartigkeit dieses Projekt aus. Allein dadurch hebt sich funcity deutlich von anderen Internetseelsorge-Anbietern ab. Dabei reichen viele Angebote weit über die St. Bonifatius-Kirche hinaus (Gemeindebrief, Exerzitien im Alltag, Adventskalender, Osterwege) und sorgen so ebenfalls für eine missionarische Grundausrichtung der gesamten Arbeit in St. Bonifatius in funcity.

Die Tatsache, dass durch die missionarische Tätigkeit in funcity viele Menschen einen neuen bzw. erneuerten Zugang zu Kirche und Glaube gefunden haben und sie so wieder neuen Lebensmut fassen konnten, der ihnen vor dem Hintergrund eines christlichen Menschenbildes vermittelt wurde, spricht ebenfalls für dieses Engagement.
 

Der missionarische Aspekt

Der missionarische Aspekt wird in der funcity-Kirche folgendermaßen deutlich, wie die Initiatoren selbst bekunden: "Zum einen engagieren wir uns mit dem Angebot von St. Bonifatius auf dem Areopag der Moderne, folgen also den Spuren des Völkerapostels Paulus und den vielen auf ihn folgenden Missionaren, so auch dem heiligen Bonifatius, nach. Zum anderen eröffnen wir den Menschen durch die Internetkirche eine neue Form von Kirche, die einem missionarischen Anspruch gerecht zu werden versucht. Weiterhin beschreiten wir auch innerkirchlich neue Wege und eine neue Art von Seelsorge und regen somit binnenkirchlich zum Nachdenken an.

Wir verdeutlichen durch die Arbeit in St. Bonifatius, wie an konkreten Menschen orientierte Seelsorge auch mit wenig finanziellen und personellen Ressourcen gelingen kann, dabei aber gleichzeitig viele Menschen aus den verschiedensten Milieus erreicht, berührt und auf ihrem je eigenen Lebensweg zur Seite steht.

So verdeutlicht die funcity-Kirche, dass es möglich ist ein kirchliches Angebot, das rund um die Uhr verfügbar ist, auch jenseits kirchlicher Strukturen (z.B Territoriale Pfarreienstruktur) und Gewohnheiten (kirchl. Leben findet nur in der offline-Welt statt) anzubieten.

Die Adaption kirchlicher Angebote aus dem Gemeindeleben der sog. „offline-Welt“ an die Welt einer Internet-Community greift den missionarischen Aspekt ebenfalls auf."

Abschlussbericht

Im Jahr 2018 musste die Arbeit an diesem Projekt aus personellen Günden aufgegeben werden, einen lesenswerten Abschlussbericht findet man hier auf der Interseite.