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Der Schwede Lars Dahlander konvertierte vor vier Jahren zum katholischen Glauben und möchte nun Priester werden. Der 42-Jährige wohnt im neuen Priesterseminar St. Sigfrid des Bistums Stockholm in Uppsala. Zurzeit absolviert er sein propädeutisches Jahr und hofft, im nächsten Jahr „richtiger“ Seminarist zu werden.
Mit Dahlander sprach Annika Junge.
? Wie sieht Ihr Alltag im Priesterseminar aus?
Dahlander: Morgens um 6:00 Uhr stehe ich auf, dusche, bete den Rosenkranz und trinke Kaffee. Um 7:00 Uhr beten alle Seminaristen gemeinsam die Laudes und frühstücken anschließend. Während des Vormittags habe ich Zeit zum Selbststudium. Von 11:00 bis 12:00 Uhr gehe ich manchmal in das Fitnesscenter. Das Mittagessen kochen und essen wir wiederum gemeinsam. Um 17:30 Uhr beten wir zusammen die Vesper und gehen anschließend zur Messe, entweder hier im Haus oder aber in der Gemeinde St. Lars. Nachmittags finden Vorlesungen statt. Zurzeit besuche ich am Abend einen Philosophiekurs. Um 20:45 beten wir gemeinsam die Komplet. Der Tag endet für mich schließlich um 22:00 Uhr. Ich lese noch ein wenig und schlafe dann spätestens um 23:00 Uhr ein.
? Sie haben früher unter anderem als Bestatter, Hausmeister und Gärtner gearbeitet. Welche Unterschiede stellen Sie fest, wenn Sie ihren Alltag vor dem Leben im Priesterseminar betrachten?
Dahlander: Bevor ich im Seminar gewohnt habe, hatte ich keinen festen Tagesablauf. Ich konnte selbstständig und sehr flexibel arbeiten, mein Alltag war nie von einer bestimmten Routine geprägt. An einem Tag bin ich um fünf Uhr Morgens aufgestanden, an einem anderen habe ich bis zehn Uhr ausgeschlafen.
Die Routine im Seminar ist gut, es ist schon eine Art von Luxus, zu wissen, dass man jeden Morgen um 6:00 Uhr aufsteht. Der Hauptunterschied ist jedoch, dass wir alle Mahlzeiten gemeinsam zu uns nehmen und eben in Gemeinschaft leben. Bisher lebte ich immer allein in meiner eigenen Wohnung und musste nur für mich selbst sorgen. Das Leben in Gemeinschaft hilft, sich selbst und die anderen besser kennen zu lernen.
? Auf welche Art und Weise haben Sie die katholische Kirche kennen gelernt?
Dahlander: Aber ja, die katholische Kirche ist eine ganz neues Welt für mich! Besonders die katholische Kirche in Schweden ist durch ihre Internationalität sehr interessant. Hier in den Gemeinden trifft man auf viele Nationalitäten und Kulturen. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Schweden zu schüchtern sind, um Menschen anderer Nationalitäten wirklich kennen zu lernen. In den Gemeinden haben wir die Chance dazu. Früher war ich Mitglied der protestantischen Kirche. Ich bin getauft worden, zur Konfirmation gegangen und habe mich in der Jugendarbeit engagiert. Als ich 19 war, wollte ich Pastor in dieser Kirche werden. Ich wurde sogar als Seminarist angenommen, musste dann aber zum Wehrdienst. Eigentlich wollte ich mich im darauf folgenden Jahr noch ein Mal bewerben, aber in diesem einen Jahr habe ich meinen Glauben an Gott verloren und mich nicht mehr viel um Religion gekümmert. Während meiner Zeit als Bestatter habe ich Beerdigungen in der katholischen Kirche vorbereitet. Durch diese Arbeit bin ich auf die katholische Kirche aufmerksam geworden. Die Gemeinde in Götheburg bot Kurse über die Kirche und den Glauben an. Unter anderem lernte ich durch diesen Kurs, den Glauben wieder wert zu schätzen, in der Kirche selbst habe ich eine Kostbarkeit gefunden. Dort habe ich meine zweite Chance - nach fast 20 Jahren Abstinenz – erhalten.
? Fühlen Sie sich von Zeit zu Zeit von der Größe der Kirche überfordert?
Dahlander: Ja, manchmal ist das so. Vielleicht bin ich ein wenig unfair, da ich in den letzten 20 Jahren nicht am Leben in der schwedischen Kirche teilgenommen habe. Aber mir kommt oftmals der Eindruck, dass Katholiken offener und gelassener mit ihrem Glauben umgehen. Ich kann einfach her kommen und ich selbst sein. Ein Teil einer großen Kirche, wie der katholischen Kirche zu sein, ist fantastisch! Ich entdecke jeden Tag neues. Ich vermute, ich werde für den Rest meines Lebens lernen.
? Wie haben Sie Ihre Gottesbeziehung und ihre Berufung (wieder-)entdeckt?
Dahlander: Auch wenn ich 20 Jahre lang nicht wirklich über Gott nachgedacht habe, gab es in mir immer eine Sehnsucht nach Gott. Zum Beispiel habe ich immer noch gebetet, wenn Dinge schief liefen. Als ich zur katholischen Kirche kam, habe ich mich gleich zu Hause gefühlt. Hier brauchte ich nicht der perfekte Mensch sein, ich konnte einfach ich selbst sein. Als ich zu diesem Kurs gegangen bin, standen einige rauchende Leute vor der Kirche. Dieses Bild erleichterte mich zugleich, denn ich wusste, ich muss hier nicht perfekt sein!
? Wann wussten Sie, dass sie Priester werden wollen? War es ein konkreter Moment oder ein längerer Prozess?
Dahlander: Es war eher ein Moment. Wie ich schon sagte, wollte ich Pastor der schwedischen Kirche werden. Als ich in das Priesterseminar hier in Uppsala einzog, hatte ich keinen einzigen Zweifel. Früher dachte ich, ich würde ein normaler Katholik werden: Regelmäßiges Gebet, Besuch der Messfeier und die Beichte. Eines Tages predigte ein Priester über das allgemeine Priestertum, und mir war so, als ob Gott zu mir sprechen würde. Ich fragte mich, ob Gott mich vielleicht zum Priester berufen hat. Zwar dachte ich nicht weiter ernsthaft darüber nach, dennoch ließ mich der Gedanke nicht gänzlich los. In Stockholm fanden einige Veranstaltungen zum Thema Berufung statt, in diesem Kontext lernte ich Msgr. Göran Degen, Regens des Priesterseminars, kennen. Ich verstand, dass es Gottes Wille für mich ist, Priester zu werden. Und es ist auch mein Wille. Für eine endgültige Entscheidung ist es jedoch noch etwas früh, ich bin ja sozusagen immer noch ein sehr junges Mitglied in der Kirche.
? Schweden ist ein sehr säkularisiertes Land. Ich vermute, es ist nicht Teil der Tagesordnung, dass sich jemand dazu entschließt Priester zu werden. Wie haben Ihre Familie und Freunde auf ihre Entscheidung reagiert?
Dahlander: Die Reaktionen waren sehr gemischt. Einige dachten, ich hätte einfach eine ‚Midlife-Crisis’. Andere haben es als ziemlich cool empfunden und mir viel Glück gewünscht. Hier in Schweden ist es sehr ungewöhnlich sich für einen längeren Zeitraum zu etwas zu verpflichten und sich festzulegen. Die Menschen sind sehr misstrauisch gegenüber der katholischen Kirche. Katholik zu werden ist das eine, aber Priester zu werden ist schon fast Rebellion. Meine Mutter ist ein wenig besorgt, man könnte mich hier einer Gehirnwäsche unterziehen. Mein Vater vermisst unsere gemeinsamen Ausflüge zum Wandern und Fischen. Er ist zwar nicht am Glauben interessiert, aber er war zur Einweihung des Priesterseminars hier. Die meisten betrachten meine Entscheidung nicht als positiv. Andere sind interessiert an einer Person, die alles aufgibt, um ihrem Herzen zu folgen.
? Haben Sie ein Vorbild oder einen Lieblingsheiligen?
Dahlander: Die heilige Elin von Skövde inspiriert mich. Sie lebte zur Zeit des Mittelalters und kommt aus der gleichen Stadt wie ich. Ich bitte die aus Schweden stammenden Heiligen, mit mir im Gebet zu sein. Da sie auch aus Schweden kommen, können Sie mich gut in meiner Situation verstehen. Es gibt da den heiligen Brynolf von Skara, die heilige Birgitta von Vadstena, die heilige Katharina von Vadstena und die heilige Ingrid von Skänninge. Ich hoffe, sie werden mir helfen, ein guter Priester zu sein. Außerdem bitte ich Petrus, auf mich zu achten. Maria, die Mutter Gottes ist mir auch wichtig.
? Was bringt Sie dazu, jeden Tag erneut „Ja“ zu Gott tu sagen?
Dahlander: Es ist die Gnade Jesu Christi, die er mir jeden Tag erneut schenkt. Christus ist jemand, der mich liebt. Und das bedeutet mir sehr viel. Er hat sehr viel für mich getan, daher möchte ich auch etwas für ihn tun. Gottes Liebe ist fantastisch! Gott liebt mich weiterhin, obwohl ich ihn vor 20 Jahren aufgegeben habe. Ein franziskanisches Gebet passt hier zu sehr gut, in diesem Gebet bittet der Beter darum, ein Licht in der Finsternis zu werden. Es wäre wundervoll, als Licht in der Finsternis zu leben. Wenn es Gottes Plan ist, mich zu einem solchen Licht zu formen, ist er herzlich willkommen, dies zu tun.