PRESSEMITTEILUNG VOM 06.05.2020:

Sehnsuchtsort Schule

Bonifatiuswerk-Praktikantin aus Vogtsburg im Kaiserstuhl über ihre Corona-Erfahrungen in Estland

„Allein der Gedanke, dass ich vielleicht nie wieder die Schule in einem Zustand voller Leben, blühender Fantasie, jungen Enthusiasmus‘ und purer Pubertät erleben darf, bedrückt mich derzeit am meisten“, sagt Alexandra Herger wehmütig über ihr derzeitiges Praktikum, das sie mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in der estnischen Großstadt Tartu absolviert. In Zeiten von Corona hat sich der Praktikumsalltag der Studentin, die gebürtig aus der Erzdiözese Freiburg kommt, verändert. Normalerweise unterstützt sie das katholische Bildungszentrum in Tartu. Doch seit Mitte März ist die Bildungseinrichtung geschlossen, zu der neben einem Kindergarten, einer Grundschule und einer Gesamtschule auch ein Sportzentrum und ein Kulturhaus für diverse AGs und Sprachkurse gehören.

Seitdem steht digitales Lernen auf dem Stundenplan. In ihrem Zimmer im Studentenwohnheim, ganz in der Nähe der Schule, produziert Alexandra Herger jetzt verschiedene Lernvideos für ihre Schüler und spricht beispielsweise Gedichte für den Deutschunterricht ein. Eine Online-Plattform, auf der Lehrer, Schüler und Eltern miteinander vernetzt sind, erleichtert das digitale Lehren und Lernen in Zeiten von Corona. Auch wenn das Bildungszentrum über gute digitale Möglichkeiten verfüge, fehle den Schülern auf Dauer der direkte Kontakt untereinander und auch zum Lehrpersonal. „Die Kinder wollen wieder ins Klassenzimmer. Schule heißt nicht, nur trockenen Stoff auswendig zu lernen. Schule heißt zu interagieren, seiner Sitznachbarin zu helfen, wenn sie nicht weiter weiß. Schule bedeutet auch, seine Freunde fast jeden Tag zu sehen und sich über andere Themen auszutauschen, die über die Regel, wie ich im Deutschen das Perfekt bilde, hinausgehen“, erklärt die Praktikantin.

Neben der Vorbereitung für den digitalen Unterricht nutzt Alexandra Herger jetzt die Zeit, um ihr Estnisch zu verbessern und sich näher mit der estnischen Geschichte auseinanderzusetzen.

Dass sich in Tartu selbst alle gut auf die Situation eingelassen hätten und die von der Stadt vorgegebenen Abstands- und Hygieneregeln einhielten, könne die Studentin bestätigen. „Das spüre ich, wenn ich zum Arzt gehe oder in den Supermarkt. Ich habe immer das Gefühl, ich kann mich darauf verlassen, dass alles Beste getan wird, um der Bevölkerung den höchsten Schutz zu bieten.“ Werbeplakate für neue Haarpflegeprodukte wurden beispielsweise durch Richtlinien zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ersetzt. „So kann man dem Imperativ 'Geh nach Hause!' oder 'Bleib zu Hause!' beim Durchqueren der Stadt nicht entkommen.“ Gesundheit gehe vor Kommerz, verdeutlicht die Studentin, die nicht daran gedacht habe, ihr Praktikum vorzeitig zu beenden. „Ich finde, dass ich meine Zeit hier viel besser nutzen kann als in Deutschland derzeit.“

„Wir sind dankbar, dass viele unserer Praktikanten in dieser herausfordernden Zeit sich für ihren Einsatz in den jeweiligen Einrichtungen in Nordeuropa und dem Baltikum entschieden haben. Alle Praktikanten haben zu Anfang der Corona-Pandemie vom Bonifatiuswerk die Möglichkeit bekommen, ihr Praktikum frühzeitig zu beenden. Dieses Engagement von den jungen Menschen nun zu sehen, freut uns umso mehr und zeigt, wie gelebte Solidarität über den Tellerrand hinaus aussehen kann. Ebenso dankbar sind wir für die Begleitung der Praktikanten vor Ort“, erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

Das "Praktikum im Norden"

Das "Praktikum im Norden" ermöglicht jährlich rund 20 jungen Menschen einen Aufenthalt in Nordeuropa und dem Baltikum, um ihnen unmittelbare Einblicke in das kirchliche Leben in der Diaspora zu bieten. Es ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk und dem Newman Institut im schwedischen Uppsala. Finanzielle Unterstützung erhält es vom Erzbistum Paderborn.


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BILDMATERIAL ZUR PRESSEMITTEILUNG

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Für den digitalen Unterricht spricht Alexandra Herger ein Gedicht ein Foto: Alexandra Herger589,84 KBDownload
"Bleib auf Abstand", "Geh nach Hause" - Warnschilder in Tartu erinnern die Menschen an die Corona-Maßnahmen Foto: Alexandra Herger1,32 MBDownload
Leere Fußgängerzone von Tartu Foto: Alexandra Herger798,30 KBDownload
Leere Straße vor der Universität in Tartu Foto: Alexandra Herger815,17 KBDownload

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