Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt katholische Christen überall dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben.

Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.

Kartenausschnitt Europa
Suche starten
14.07.2014

Christentum – eine Stadtreligion?

Interdisziplinäres Seminar der PTH Münster ermöglicht praxisnahe Theologie

Die Teilnehmer des Seminars. Fotos: U. Engel
Die Teilnehmer des Seminars. Foto: U. Engel

Derzeit lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in der Stadt. Die Zentren der Postmoderne sind dabei längst nicht mehr die idyllischen europäischen Städte mit historischen Stadtkernen, sondern die immer schneller wachsenden Megastädte oder sogar „global cities“. Diesen „Zeichen der Zeit“ muss sich die Theologie zuwenden, wenn sie den Menschen unserer Zeit die Zuwendung Gottes in Jesus Christus glaubhaft verkündigen will.

Im Sommersemester 2014 bot die Philosophisch-Theologische Hochschule Münster (PTH) darum ein Seminar zum Thema „Christentum in der Stadt“ an. Ein Team von Dozenten, bestehend aus Prof. Thomas Eggensperger OP (Sozialethik), Prof. Ulrich Engel OP (Philosophisch-theologische Grenzfragen) und Prof. Gerhard Hotze (Neutestamentliche Exegese), ermöglichte eine interdisziplinäre Arbeitsweise. Dank der freundlichen Unterstützung des Bonifatiuswerkes konnte das Seminar mit einer Exkursion nach Berlin verbunden werden, sodass die Teilnehmer sich dem Christentum in der Stadt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch annäherten.

Seminarplan

Früher war alles besser?

Das Seminar begann zunächst mit einem Rückblick in die biblische Zeit. Wie sich herausstellte, war das städtische Leben auch damals schon geprägt von dem, was wir heute mit Schlagworten wie Pluralisierung und Mobilität bezeichnen. So hatte beispielsweise der Apostel Paulus damit zu kämpfen, die noch junge christliche Gemeinde in Korinth angesichts der vielen auf sie einwirkenden heidnischen Kulte und der zahlreichen herumreisenden Wanderprediger vor Spaltungen zu bewahren und davor, sich wieder an die ethischen Maßstäbe der Mehrheitsbevölkerung anzupassen. Auch in Rom und Jerusalem waren die Gemeinden alles andere als einheitlich. Die Christen kamen aus unterschiedlichsten sozialen und religiösen Gruppierungen, was immer wieder zu Spannungen führte, sowohl innerhalb der Gemeinden als auch mit der römischen Regierung.

Ein Blick in die Geschichte des Hochmittelalters zeigte, dass die kirchliche Verkündigung auf die neuartige Situation in den schnell wachsenden Städten zu reagieren wusste. Insbesondere den Franziskanern und Dominikanern gelang es, einerseits die Treue zur kirchlichen Lehre zu bewahren, andererseits aber diese Lehre durch ein einfaches Leben glaubhaft zu bezeugen und sie auf hohem intellektuellem Niveau argumentativ zu verkünden.

Säkularisierung?

Im Seminar diskutiert wurde die Frage, wie die Entstehung der Neuzeit und die mit ihr einhergehende Verstädterung aus theologischer Perspektive zu bewerten seien. Hat die Neuzeit das Christentum beerbt und säkularisiert und ist daher mitsamt ihrer Entwicklungen als illegitim zu verwerfen? Oder ist die Säkularisierung eine notwendige Entwicklung der Kirchengeschichte und die Stadt somit ein Sinnbild für eine umfassende menschliche, sozusagen „katholische“ Gemeinschaft? Aber gibt es überhaupt so eine eindeutige lineare Entwicklung, wie sie die Säkularisierungstheorie beschreibt?

Leben in einer modernen Stadt

Egal, was man von der Stadt hält – sie ist eine Tatsache. Ein soziologischer Blick auf das Leben der Menschen in einer Großstadt zeigt: Bei aller Anonymität und Individualisierung bilden die Menschen in ihr temporäre Gemeinschaften, die ihnen Beziehung, aber auch Unabhängigkeit ermöglichen. Auch der Philosoph Michel de Certeau SJ analysierte die Praktiken von Stadtbewohnern und stellte fest: Sie lassen sich nicht durch politische oder ökonomische Stadtplanung funktionalisieren, sondern suchen wie Fußgänger ihre eigenen Wege, die sie zu einem Heimatort führen, den ihnen keine irdische Stadt bieten kann.

Im Seminar wurden viele Texte gereicht,...
Im Seminar wurden viele Texte gereicht.
... die von den Teilnehmern bearbeitet wurden.
... die von den Teilnehmern bearbeitet wurden.

Lernen am Beispiel

Dass auch die Kirche in einer säkularen Stadt neue Wege der Verkündigung finden kann, veranschaulichte schon der Tagungsort des Seminars in Berlin-Marzahn auf sehr überzeugende Weise. An diesem sozialen Brennpunkt kümmert sich das Don-Bosco-Haus um Jugendliche und junge Erwachsene, denen die Kirche zwar völlig fremd ist, die aber hier oft zum ersten Mal die Erfahrung machen, dass sie etwas wert sind und eigene Begabungen haben. Offenheit für die Stadtbewohner, die den Schritt in die Kirche nicht wagen, weil auch ihre Freunde und Bekannten glauben, Kirche wäre „von gestern“, bewiesen die Kneipe „Kreuzberger Himmel“ und das „Berlinprojekt“ der evangelischen Kirche. Hinzu kam noch ein Besuch der Dominikanerkommunität des Instituts M.-Dominique Chenu, das am Prenzlauer Berg angesiedelt ist und diesen Ort bewusst gewählt hatte.

Überzeugend an diesen christlichen Orten in einer säkularen Stadt war für die Seminarteilnehmer vor allem die Spannung zwischen der festen Verwurzelung in der Tradition und der Offenheit für neue Wege der Verkündigung, um den Bedürfnissen und Situationen der Menschen gerecht zu werden.

(Raphael Maercker)

Schenken und Helfen

Machen Sie Ihren Lieben eine Freude. Zum Beispiel mit der Weihnachtskarte "Mehr Licht"

Zum Shop

Aktuelle Publikationen

Im Mittelpunkt des neuen Bonifatiusblattes steht die bundesweite Diaspora-Aktion 2018.

Die aktuelle Ausgabe der Kinderzeitschrift "boni kids" steht im Zeichen der Familie. Mehr Infos

Und das neue Heft der Schriftenreihe "Lebendiges Zeugnis" (03/2018) widmet sich dem Thema "Exerzitien".

Das Titelbild des neuen Bonifatiusblattes

Bonifatiusblatt

Cover boni kids

boni kids

zur aktuellen Ausgabe von 'Lebendiges Zeugnis'

Lebendiges Zeugnis

Bankverbindungen


für Spenden:
BIC GENODEM1BKC
IBAN DE46472603070010000100


für Rechnungen (BoniService GmbH):
BIC GENODEM1BKC
IBAN DE24472603070010003600

© Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken | Impressum | Sitemap