Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt katholische Christen überall dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben.

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10.12.2013

Dresdener Studentengemeinde zu Sozial- und Begegnungsprojekt in Ungarn

Beim Gottesdienst in der alten Kirchenruine des Prämonstratenserklosters.
Beim Gottesdienst in der alten Kirchenruine des Prämonstratenserklosters

Zu einer internationalen Jugendbegegnung in den ungarischen Städten Zsámbék und Pákozd hat sich katholische Studentengemeinde "Thomas von Aquin" in diesem Jahr aufgemacht. Unterstützt von der Kinderhilfe des Bonifatiuswerkes, die das Projekt mir einer Fördersumme von 1.000 Euro bezuschusste, war die 17-köpfige Gruppe vom 31. August bis zum 13. September 2013 vor Ort.

Von den Erfahrungen, die die Studierenden im Rahmen der als Sozial- und Begegnungsprojekt angelegten Fahrt gemacht haben, und den Schwerpunkten, die sich in der Arbeit vor Ort entwickelten, berichtet nachfolgend Studentenpfarrer P. Michael Beschorner SJ:

 

1. Arbeitseinsatz in Zsámbék

Der wichtigste Teil der Fahrt war der aktive Arbeitseinsatz der gesamten Gruppe in Zsámbék. Unsere Haltung war es, dass wir unsere Zeit und Energie dort zur Verfügung stellen, wo sie direkte Hilfe und auch einigen Nutzen verspricht. Wir waren zu Gast bei den Prämonstratenserinnen direkt in Zsámbék unweit von Budapest. Sie haben dort mehrere Schulen aufgebaut, bieten Lehrausbildungen für meist bedürftige junge Menschen an, die anderweitig keine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt hätten. So können dort Maurer/innen, Tischler/innen, Schlosser/innen, Köche/innen, Kellner/innen und Näher/innen ausgebildet werden. Dazu kommen Behindertenwerkstätten und die Versorgung der Romabevölkerung, die weit unter der Armutsgrenze leben. In einem so komplexen Gebilde, dass von Spenden und Hilfen aller Art abhängig ist, war unser Hilfsangebot sehr willkommen.

Zur Verbesserung der Versorgung der Armen planten die Prämonstratenserinnen schon seit Längerem die Anlage einer neuen Obstplantage. Die dafür vorgesehene Fläche ist ein verlassener alter Friedhof, auf dem vor etwa 100 Jahren die letzte Beerdigung stattfand. Niemand wusste im Vorhinein, was sich in diesem „Dschungel“ verbarg. Es war ein undurchdringliches Dickicht von Sträuchern und Bäumen. So wurde die Rodung dieser Fläche unser Auftrag.

Der Vorteil war, dass wir als ganze Gruppe geschlossen die ganze Zeit an einem Projekt arbeiten konnten. Das gewonnene Holz konnte entsprechend zerkleinert und gebündelt als Brennholz eingelagert werden. Das spart viel Geld für die Gemeinschaft, denn Brennmaterial ist recht teuer in Ungarn und müsste sonst extra für die Armen gekauft werden.

Beim Roden des Dickichts
Beim Roden des Dickichts
Beim Bündeln des Brennholzes …
Beim Bündeln des Brennholzes …
… und nach dem Einlagern für den Winter
… und nach dem Einlagern für den Winter

Die Arbeit wurde sehr intensiv und es zeichnete sich bald ab, dass die gesamte Fläche zu beräumen nicht zu schaffen war. Die Menschen in Zsámbék zeigten sich beeindruckt, was eine Gruppe junger motivierter Studenten in so kurzer zeit leisten kann. Einige Studierende haben geäußert, dass Sie noch einige Tage länger hätten arbeiten wollen, so viel Freude hat diese Art der Arbeit bereitet.

 

2. Die Gruppe der Studierenden

Im Laufe der Anmeldungen und des sich Findens der Studierendengruppe zeigte sich, dass bereits frühzeitig ein hohes Interesse von Studenten der KSG-Dresden selbst an diesem Projekt aufkam. Das ist sehr positiv, denn seit einiger zeit wollen wir das soziale Profil der KSG stärken und das Interesse der Studierenden an einem solchen Projekt ist sehr wichtig, damit entsprechende Aktivitäten dann auch in Dresden fruchten.

Die Gruppe wurde bereichert von zwei Ungarn aus Budapest, die vor Ort zu uns stießen und einem evangelischen Studenten, der in Dresden studiert. Die Verständigung in Deutsch war die gesamte Zeit über auch in den Projekten gegeben. Der Austausch zwischen den Kulturen und Mentalitäten der verschiedenen Länder und Regionen war sehr fruchtbar für alle Beteiligten. Die katholische und evangelische Gruppe war sehr motiviert und engagiert, sich in Ungarn einzusetzen.

Hilfreich war dafür auch die intensive Vorbereitung der Fahrt durch das Organisations-Team, bei der deutlich wurde, dass es um die Begegnung und Arbeit auf Augenhöhe mit den Menschen dort geht und wir unsere Zeit und Energie zur Verfügung stellen, wo sie nach Meinung der Menschen vor Ort benötigt wird und nicht – wie es häufig bei Hilfsprojekten der Fall ist – wir hier in Deutschland entscheiden, wo wir meinen, was den Menschen im fremden Land gut tut. Das hatte eine sehr positive Motivation zu Folge und einen gruppenstärkenden Effekt. Sehr hilfreich und von der Gruppe gewünscht war auch der geistliche Austausch in Form einer Tagesstruktur, die wir uns gegeben haben. So wurde jeder Tag während wir in Zsámbék waren mit einem geistlichen Impuls zum Morgen begonnen und mit einem ignatianischen Tagesrückblick und Austausch am Ende des Tages abgeschlossen.

Die Gruppe bei der Arbeit
Die Gruppe bei der Arbeit
Gruppenbild in Zsámbek
Gruppenbild in Zsámbek

Zum anderen konnten wir eine Sonntagsmesse in der Prämontratenserkirche mit der Gemeinde feiern und haben zum Abschluss der Arbeitswoche mit allen Beteiligten eine intensive Gruppenmesse in der alten Klosterkirchenruine – dem Wahrzeichen Zsámbéks - als Danksagung feiern dürfen. Bei der Auswertung äußerten einige Studierende, dass sie durch diese Form der körperlichen Arbeit überraschenderweise eine tiefe Befriedigung und Erfüllung erfahren haben. Für junge Menschen, die nach dem Abitur sofort zu studieren anfangen, eine beachtliche Erfahrung.

Eine weitere sehr intensive geistliche Erfahrung war eine Eucharistiefeier im Freien als Gruppenmesse am Ende der Fahrt mit Austausch und Reflexion zu den Erfahrungen der zwei Wochen.

 

3. Begegnungen und Studentenaustausch in Budapest im Jesuitenzentrum

Ein sehr wichtiger weiterer Abschnitt der Fahrt sollte Begegnungen und Austausch mit Studierenden in Budapest werden, der vom 7.-10.09.13 stattfand. In dieser Zeit haben die Studierenden bei Gastfamilien gewohnt, was einen sehr interkulturellen Austausch und intensive Begegnungen förderte. Themen der Tage waren Gruppentreffen mit Studenten des Jesuitenzentrums, einem internationalen Internat mit geistlichem und gesellschaftlichem Begleitprogramm, bei denen wir uns gegenseitig kennen gelernt haben, die jeweilige Studentengemeinden vorgestellt und über politische und gesellschaftliche fragen diskutiert haben. Dabei wurde vor allem die europäische Dimension unseres Austausches sichtbar.

Andere Themen dieser Tage waren der gemeinsam gestaltete Studentengottesdienst am Sonntagabend in der Jesuitenkirche, eine Stadtführung, Besuch von historisch wichtigen Orten wie z.B. das „House of terror“ oder die Felsenklinik auf der Budaer Seite und gemeinsame und individuelle Ausflüge durch die Hauptstadt Ungarns.

 

4. Ausflug nach Pakozd am See

Im Anschluss an die beiden recht unterschiedlichen Blöcke der Fahrt mit Arbeitseinsatz und intensiver Begegnung in Budapest, hatten wir noch gut zwei Tage, um an einem weiteren Ort die Gruppenerfahrungen zu vertiefen und zu reflektieren. In einem alten, nicht mehr besetztem Pfarrhaus wohnend, konnten wir die Zeit mit Wandern, Feiern und Ruhen verbringen. Wichtig waren in diesen Tagen der Gruppenaustausch, die Gebetsimpulse am Morgen und Abend und die abschließende Eucharistiefeier im Freien, die die ganze Zeit als dankbare Erfahrung abrundete. Am 13. September sind wir dankbar, sehr erfüllt und in den Herzen reich beschenkt wieder nach Dresden gefahren sind.

Am 29. Oktober 2013 fand in den Räumen der KSG-Dresden ein abschließendes Nachtreffen der Fahrt statt, bei dem deutlich wurde, welche intensive Erfahrung diese zwei Wochen für die Studierenden war. Im Austausch kam heraus, dass es eben nicht touristische Erinnerungen waren, die getragen haben, sondern die intensive Arbeit an einem konkreten Projekt, zahlreichen Begegnungen mit den Menschen vor Ort und das intensive positive Erleben der Gruppe. Es sind Pläne entstanden, welches Projekt von uns weiter gefördert werden soll, wie wir das internationale Austauschprojekt in der KSG gut präsentieren und wohin eine ähnliche Fahrt im kommenden Jahr gehen soll.

 

5. Haben wir das gesteckte Ziel der Fahrt erreicht?

Wie oben schon angedeutet, ist unsere KSG eine sehr lebendige und große Gemeinde. Die Studierenden haben ganz unterschiedliche und auch ganz ähnliche Interessen und im KSG-Alltag gibt es vielfältige Veranstaltungen und Angebote. Bei genauerem Hinsehen ist diese Fahrt ein weiterer Baustein geworden, das soziale Engagement der KSG-Dresden zu intensivieren. Junge Leute, die sich im Rahmen einer christlichen Gruppe gern sozial engagieren wollen, haben aber noch viel Raum, weitere Möglichkeiten zu entwickeln. Lediglich die Beteiligung am „Nachtcafé für Obdachlose“ in den Wintermonaten und das „Sprachtreff für internationale Studierende“ in den Räumen der ESG sind hier nennenswert.

Ziel des Projektes in Ungarn, nämlich die eigenen Horizonte über die konkrete Arbeit, die nicht ein idealisiertes Hilfsprojekt ist, Kontakte mit jungen Menschen, Mitarbeiter/innen und einer anderen Kultur ist sehr gut erreicht worden. Auch das Erfahren einer ganz anderen Kirchlichkeit und Religiosität war Teil des Projektes und hat zu Reflexion und Diskussionen angeregt.

Schon wie im vergangenen Jahr, so ist auch jetzt dieses Projekt eine deutliche Erweiterung des kirchlichen Lebens in der KSG und setzt Motivation und Kräfte für weiteres frei. Da die Gruppe aus Studierenden der KSG-Dresden bestand, wurde die Reflexion der eigenen Studentengemeinde über Prioritäten und Akzentsetzung von Aktivitäten sehr gefördert.

Dieses Projekt war nur durch die Unterstützung des Bonifatiuswerkes und der „Stiftung Ignatianische Pädagogik“ möglich, da dadurch die Kosten dieser Fahrt auf studentisch niedrigem Niveau gehalten werden konnte. Die Fahrt wäre auch ohne die Nutzung eines Bonibusses kaum möglich gewesen, wofür wir der Gemeinde, die den Bus zur Verfügung gestellt hat und dem Bonifatiuswerk sehr dankbar sind. Herzlichen Dank für die wohlwollende Unterstützung!


P. Michael Beschorner SJ
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