"MARIA, MUTTER DES ERLÖSERS"

Karmel-Kloster in Lettland eingeweiht

Karmelitinnen in Ikskile mit erzbischof Stankevics. (Foto: Thomas Rünker, Bistum Essen)
Karmelitinnen in Ikskile mit erzbischof Stankevics. (Foto: Thomas Rünker, Bistum Essen)

20.08.2018

Mit einem feierlichen Gottesdienst haben am Samstag der Erzbischof von Riga, Zbigņevs Stankevičs, und der Essener Weihbischof Ludger Schepers nahe der lettischen Hauptstadt das von Essen aus gegründete Karmel-Kloster „Maria, Mutter des Erlösers“ eingeweiht. Nach einer Messe und einem Fest mit Gemeindemitgliedern, Angehörigen und Freunden segnete Stankevičs gemeinsam mit dem Essener Diakon Herwarth Schweres die Räume des Klosters und schloss anschließend das Gitter, das in der Klosterkirche Nonnen und Gläubige voneinander trennt. Damit ist die sogenannte Klausur des Klosters geschlossen. Karmelitinnen leben sehr zurückgezogen, im Mittelpunkt ihres Alltags steht das Gebet. Ihren Karmel verlassen sie nur in wenigen Ausnahmefällen und empfangen auch Besucher nur zu begrenzten Zeiten in einem vergitterten Sprechzimmer.

Auch erster lettischer Bischof kam 1184 aus Deutschland

2002 war die Essener Schwester Elia Nehen (74) ins Baltikum geschickt worden, um dort auf die Bitte lettischer Katholiken hin das erste kontemplative Kloster Lettlands zu gründen. Für Erzbischof Stankevičs ist das neue Kloster damit nicht nur ein wichtiger geistlicher Ort in Lettland, sondern auch ein „neuer Abschnitt in den Beziehungen zwischen Deutschland und Lettland“, sagte er am Rande der Eröffnung: „1184 kam mit Bischof Meinard der erste christliche Missionar aus Deutschland nach Lettland – und mehr als 800 Jahre später kommt aus Deutschland nun die erste kontemplative Schwester zu uns und gründet hier ein Kloster“, freute sich der Erzbischof. Das Kloster im Rigaer Vorort Ikšķile liegt nur wenige hundert Meter entfernt von der Stelle, an der Bischof Meinhard im 12. Jahrhundert die erste Kirche im heutigen Lettland gebaut hat.

     

Impressionen der Einweihung

     

Die Ausdauer und das Organisationstalent von Schwester Elia und die finanzielle Unterstützung aus Deutschland haben die Klostergründung in Lettland möglich gemacht. Neben dem Bonifatiuswerk und Renovabis haben viele Privatpersonen, vor allem Freunde und Angehörige des Essener Karmels, das Projekt in Ikšķile unterstützt. „Mit ihrem Leben zeigen die Schwestern, dass nicht vergängliche Dinge dem Leben einen Sinn geben, sondern die Ausrichtung auf Gott“, hob der Provinzial der Karmelitinnen in Deutschland, Pater Ulrich Dobhan, den Wert der Ordensfrauen für die Gesellschaft hervor. „Gott allein genügt“, sei die zentrale Orientierung ihrer Ordensgründerin, der Heiligen Teresa von Avila, gewesen.

Balance zwischen Kontemplation und Offenheit für den Nächsten

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“, zitierte Weihbischof Ludger Schepers im Gottesdienst ein Psalm-Gebet und verwies auf zahlreiche Hindernisse und Probleme, vor denen insbesondere Schwester Elia in den vergangenen Jahren beim Aufbau des Klosters zu kämpfen hatte. „Aber, liebe Schwestern, Sie können sich sicher sein, dass das Mauern-Überspringen nicht aufhört“, sagte Schepers. Trotz der abgeschlossenen Klausur würden Kontakte nach Außen bestehen bleiben. Auch Erzbischof Stankevičs wünschte sich „eine gute Balance zwischen der Kontemplation und der Offenheit für den Nächsten“.
Wie diese Balance künftig aussieht, werde sich entwickeln, sagte Schwester Elia vor der Schließung der Klausur. Für die genauen Regelngebe es keinen fertigen Plan. Die Schwestern freuten sich jedenfalls sehr, dass nach der langen Aufbau-Zeit nun das richtige Klosterleben beginnen könne.

(tm/tr)