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"Wir sind eine arme Kirche in reichen Ländern. Trotz des Wohlstandes um uns müssen wir in aller Welt betteln gehen, damit unsere Gemeinden und Diözesen wenigstens das bloße Existenzminimum haben." Diese Worte des damaligen Bischofs von Oslo, John W. Gran, klangen sicher Prälat Franz Wüstefeld noch im Ohr, als er im Juni 1974 vor die 53. Generalversammlung trat und den Antrag des Generalvorstandes auf Ausweitung der Hilfen in den Diasporaraum der nordischen Länder begründete. Bischof Gran gab die Sätze bei einem Besuch des damaligen Geschäftsführenden Vizepräsidenten anlässlich seiner Orientierungsfahrt durch die fünf nordische Bistümer Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Trondheim und Oslo dem Besucher aus Paderborn mit auf den Weg.
Vor nunmehr 30 Jahren entschied die Generalversammlung des Bonifatiuswerkes, das oberste Beschlussorgan des Diasporahilfswerkes, die Hilfe auch auf die fünf Länder der Nordischen Bischofskonferenzen auszudehnen. "Es ist nicht nur so, dass es sehr wenige Katholiken dort gibt, sondern es ist auch so, dass die Kirche in Nordeuropa immer noch ihr eigenes Gesicht sucht. Das macht dort die Kirche noch zur ausgeprägteren Diaspora als hier in Deutschland." Der damalige Vorsitzende der Nordischen Bischofskonferenz, Dr. Paul Verschuren, Bischof von Helsinki, beendete mit diesen Worten die Beratungen zur Ausweitung der Hilfen und so wurde der zweite Paragraf der Satzung geändert, der die Aufgabe des Werkes behandelt. Er lautete nach diesem Beschluss: "Der Verein hat die Aufgabe, die Seelsorge an den in der deutschen Diaspora lebenden Katholiken zu fördern. Darüber hinaus soll er nach Vermögen die Seelsorge im Bereich der Nordischen Bischofskonferenz unterstützen."
Eine lange Diskussion findet ein gutes Ende
Motor dieser Entscheidung war der damalige Geschäftsführende Vizepräsident des Werkes, Prälat Franz Wüstefeld. Er begründete den Antrag auf der Generalversammlung und ging dabei auch auf die Geschichte der Diasporahilfe ein. Die nordische Diaspora habe in den 125 Jahren des Bonifatiuswerkes nur sporadisch und in geringen Summen Hilfen erhalten. Gründe waren: "Die Not in der nordischen Diaspora war in früheren Jahrzehnten aus Mangel an kirchlichen Strukturen und wegen der verschwindenden Zahlen der Katholiken nicht so sichtbar, dass Hilfe in größerem Maßstab angesetzt werden konnte." Zudem seien Anforderungen und Bedürfnisse der deutschen Diaspora sehr groß gewesen.
Vorausgegangene Hilfen für die "Nordischen Missionen"
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass erstmals 1867 eine Unterstützung von 66 Talern und 20 Silbergroschen für die Mission Randers in Jütland als "besondere Gabe" im Rechenschaftsbericht ausgewiesen wird. Weitere Hilfen von insgesamt 339 Talern und 45 Silbergroschen gehen 1869 und 1870 an die "Missionsstationen Odense und Randers". 1871 berichtet das Bonifatiusblatt, der Generalvorstand habe auf seiner Sitzung entschieden, dass dem vorliegenden Bittgesuch des Apostolischen Missionars und Pfarrers an der norwegischen St. Olafs-Gemeinde zu Christiania für den Kirchbau in Bergen "mit Rücksicht auf § 1 der Vereinsstatuten nicht entsprochen werden" könne.

Bischof Verschuren vor der Generalversammlung
Generalvorstand und Diasporahilfen für Dänemark
Vor der 7. Generalversammlung 1871 befürwortet der Kölner Erzbischofs, Dr. Paulus Melchers eine schriftliche Eingabe des Apostolischen Präfecten von Dänemark, Hermann Grüder, in der die Versammlung ersucht wird, sich zukünftig auch der dänischen Missionen anzunehmen. Die Vertreter des Bistums Osnabrück - Erzbischof Melchers war bis 1866 Bischof von Osnabrück und gleichzeitig Apostolischer Provikar der Nordischen Missionen Deutschlands und Dänemarks - unterstützen diesen Antrag. Die Mehrheit der Versammlung ist der Meinung, dass solche Hilfe nicht satzungskonform sei. So wird der Vorstand ersucht, "die Sache in weitere Erwägung zu ziehen und ermächtigt, evt. in dieser Beziehung bindende Beschlüsse zu fassen". Anfang des nächsten Jahres beschäftigt sich der Generalvorstand mit dieser Angelegenheit. Er kann sich noch nicht "schlüssig werden, wird aber die Sache fortan in reifliche Überlegung ziehen". Es dauert noch ein weiteres Jahr, als im Januar 1873 der Generalvorstand auf seiner Sitzung "auf besondere Empfehlung des Apostolischen Stuhles" beschließt, "die Thätigkeit des Bonifacius-Vereins auch auf die dänischen Missionen auszudehnen... Unter den fünf dänischen Missionen, mehr sind ihrer vorläufig nicht, soll zunächst Aarhuus berücksichtigt werden". Bald meldet sich der Verein "Katholische Edelleute" und verspricht, den "Unterhalt einer nordischen Mission, Horsens oder Aarhuus", mit jährlich 400 Talern auf fünf Jahre zu unterstützen.
Hilfen für die Dänische Mission
Auf der 8. Generalversammlung 1874 führt der Vorstand aus: "Sehr ansehnliche Geldmittel wird in der nächsten Periode das nunmehr mit dem Arbeitsfelde des Bonifacius-Vereins verbundene Missionsgebiet des hl. Ansgarius, die dänischen Missionen, verlangen. Über ganz Dänemark zerstreut auf 700 geographische Meilen wohnen Katholiken. Und doch gibt es dort nur sechs Missionsstationen mit katholischen Geistlichen, nämlich zwei in Kopenhagen, eine auf Odense (Insel Fünen), eine in Fridericia, eine in Randers und eine in Aarhus." Die Rechenschaftsberichte des Generalvorstandes in den folgenden Jahren weisen jeweils Hilfen um die Tausend Mark auf. 1887 meldet der damalige Apostolische Präfekt, Johannes von Euch, dem Generalvorstand, "dass auch für Dänemark sich ein eigenes Präfektur-Comité", wie sich die diözesanen Bonifatiuswerk in damaliger Zeit nannten, "gebildet" habe. Der Ein- und Ausgabennachweis für 1887 führt bei den Einnahmen einen "Ansgarius-Bonifacius-Verein in Kopenhagen für Dänemark" an, der 110 Kronen und 92 Oere einnehmen konnte, die als 125 Mark verbucht wurden.

Beratungen auf der Generalversammlung
Auslandsdeutsche Katholiken
1920 weist der Jahresbericht wieder umfangreichere Unterstützungen für Dänemark aus, in die auch Einnahmen des Ansgarius-Bonifacius-Vereins und des Luxemburger Comités geflossen sind. Ab 1927 ist in der Rubrik "ausserdeutsche Diözesen" Dänemark sowohl bei den Einnahmen als auch mit Ausgaben bis 1931 vermerkt. Die 27. Generalversammlung diesen Jahres beschließt eine Satzungsänderung, nach der auch "die katholischen deutschen Reichsangehörigen im Ausland in Bezug auf Seelsorge und Schule durch Gebet und Almosen" Hilfe erhalten sollen. Die folgende Generalversammlung 1932 veranlasst die Gründung eines neuen Zweigvereins zur seelsorglichen Betreuung der Auslandsdeutschen unter dem Namen "Bonifatiuswerk für die deutschen Katholiken außerhalb des Deutschen Reiches e.V." mit Sitz in Paderborn. Die mögliche Unterstützung der auslandsdeutschen Katholiken fällt erst 1974 mit der neuen Satzung, die die Hilfen auf Skandinavien ausdehnt, weg. Der entsprechende Zweigverein lebt nach dem Krieg nicht wieder auf und wird bald aufgelöst.
Nordeuropäische Diaspora erneut in den Blick
Auf der 36. Generalversammlung 1950 in Trier stellte der Osnabrücker Bischof, Erzbischof Dr. Wilhelm Berning die Anfrage, ob es auch heute noch die Aufgabe des Bonifatiusvereins sei, für die Diaspora der nordischen Länder zu sorgen. Er führte aus, dass in früheren Jahren Dänemark und Schweden eng mit Deutschland verbunden gewesen seien und dort 6.000 bis 8.000 deutsche Katholiken gelebt hätten. Nun hätte er wissen wollen, ob der Bonifatiusverein gedenke, auch dieses Missionsgebiet zu unterstützen, oder ob das nicht mehr seine Aufgabe sei. Der damalige geschäftsführende Vizepräsident, Prälat Alex Gabriel legte in seiner Antwort dar, dass in der nationalsozialistischen Zeit man eine Beschränkung habe vornehmen müssen. Unterstützungen hätten nur innerhalb des Deutschen Reiches erfolgen dürfen. So habe sich der Bonifatiusverein zurückgezogen, und die Statuten entsprechend geformt. Weiter meinte er, bisher habe kein Anlass bestanden und es seien auch keine Anstöße erfolgt, dieses Statut zu ändern. Er regte an, sich mit dem St. Ansgar-Werk, das sich der Nordischen Missionen angenommen habe, in Verbindung zu treten. 1953 beginnen die Gespräche. An ihnen beteiligen sich auch Erzbischof Joseph Kardinal Frings und sein damaliger Generalvikar Prälat Joseph Teusch. Zwischenzeitlich wird ein Anschluss des Ansgar-Werkes an den damaligen Bonifatiusverein erwogen. Die Gespräche enden um 1955. Es wird verabredet, Vertreter des jeweiligen Hilfswerkes in den Vorstand des anderen zu entsenden, um damit Absprachen und eine enge Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Seit dem Beschluss, die nordischen Diasporakatholiken zu unterstützen, ist nun mit mehr als 100 Millionen Euro den Katholiken in Nordeuropa geholfen worden.
N.F.