BISCHOF VON OSLO ÜBER DIE LAGE DER KATHOLISCHEN MINDERHEIT IN NORWEGEN

Fredrik Hansen: Bunte Kirche ist eine Chance

Fredrik Hansen, neuer Bischof von Oslo, sieht großes Potenzial darin, dass Menschen unterschiedlicher Nationen in der katholischen Kirche in Norwegen eine gemeinsame Heimat haben. Foto: katolsk.no/Tor Stenersen
Fredrik Hansen, neuer Bischof von Oslo, sieht großes Potenzial darin, dass Menschen unterschiedlicher Nationen in der katholischen Kirche in Norwegen eine gemeinsame Heimat haben. Foto: katolsk.no/Tor Stenersen

28.08.2025

Der neue Bischof von Oslo, Fredrik Hansen, blickt optimistisch auf die Situation der katholischen Kirche in Norwegen. Gegenüber Kathpress sagte er, seine Diözese zeichne sich durch eine "große Vielfalt an Nationalitäten und Traditionen aus". Darin liege auch eine große Chance für die Kirche, so Hansen, der einen starken Bezug zum Bonifatiuswerk hat. Im Juni besuchte der Bischof das Hilfswerk anlässlich des diesjährigen Bonifatiustages und nahm an der Bilanz-Pressekonferenz teil. 

4,2 Millionen Einwohner gibt es in der Diözese Oslo. Rund 160.000 Menschen sind als Katholikinnen und Katholiken offiziell registriert. "Wir kennen sie und wissen, in welcher Gemeinde sie leben", so Hansen. Das sei für die Seelsorge sehr hilfreich, so der Bischof. Für viele nicht-norwegische Katholiken sei das System der aktiven Registrierung aber ungewohnt und sie würden dies unterlassen. So schätze man die Gesamtzahl auf 250.000. Hansen: "Wir sind eine Diözese mit vielen Nationalitäten und ethnischen Gruppen. Die Polen und Litauer sind nach den in Norwegen Geborenen die beiden größten Gruppen, wobei auch die Vietnamesen und Philippiner in vielen unserer Gemeinden sehr aktiv und lebendig sind." Sonntags werde in der St.-Olav-Kathedrale in Oslo die Messe in mehr als zehn Sprachen gefeiert. Für den Bischof ist dies ein großes Potenzial, "denn die verschiedenen Gruppen können sich gegenseitig viel geben und voneinander lernen". Es ermögliche auch, "eine Diözese aufzubauen, die die universelle Kirche widerspiegelt". Gleichzeitig stelle es für die Gemeinden klarerweise auch eine große Herausforderung dar, Gläubige vieler Sprachen, darunter auch einige Neuankömmlinge, zusammenzubringen.

Christliche Basis und säkulare Entwicklung

Auch auf das Thema Ökumene ging der Bischof in dem Interview ein. Die Beziehungen der katholischen Kirche zu anderen Kirchen und Religionen zeichneten sich durch Offenheit und Dialog aus. Die katholische Kirche pflege sowohl bilaterale Beziehungen zu anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften als auch zu den beiden großen nationalen Dialoggremien, dem Norwegischen Kirchenrat und dem Rat für Glaubensgemeinschaften. "Obwohl nach wie vor große theologische Meinungsverschiedenheiten bestehen und einige davon offenbar zunehmen, funktioniert die Zusammenarbeit gut, insbesondere bei Fragen, die alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Norwegen betreffen", so der Bischof wörtlich.

Von der lutherischen zur katholischen Kirche

Hansen wurde Mitte Juli als neuer Bischof von Oslo in sein Amt eingeführt. Er folgte auf Bischof Markus Eidsvig. Eidsvig - ein gebürtiger Norweger, der seit 1995 dem Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg angehört - leitete die Diözese im hohen Norden seit 2005, musste sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aber zurücklegen. Schon im November 2024 hatte Papst Franziskus den Professor und früheren Vatikandiplomaten Hansen zum Koadjutorbischof ernannt. Die Bischofsweihe erfolgte im Januar 2025 durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen und der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz nahmen an den Feierlichkeiten teil. 

Frederik Hansen kam 1979 in Norwegen als Sohn protestantischer Eltern zur Welt. Mit 20 Jahren konvertierte er zur katholischen Kirche. Nach dem Philosophie- und Theologie-Studium in London wurde er 2007 von Bischof Eidsvig in Oslo zum Priester geweiht. Nach einem Jahr in der Pfarrseelsorge war er bis 2011 Sekretär des Bischofs sowie Vizerektor des Priesterseminars. Außerdem war Hansen von 2009 bis 2011 Sekretär des Rates der norwegischen Bischöfe. 2013 promovierte er in Rom in Kirchenrecht und trat im selben Jahr in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Anschließend war Hansen in Honduras, dann dreieinhalb Jahre als Vatikanvertreter bei den internationalen Organisationen in Wien tätig sowie von 2019 bis 2022 als Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UN-Organisationen in New York. Seit 2022 ist Hansen Professor am St. Mary's Seminary and University in Baltimore.

sah/www.kathpress.at