BISCHOF VON STOCKHOLM SPRICHT ZUR ÖKUMENE-WOCHE IN STOCKHOLM

Kardinal Arborelius appelliert an Kirchen: Politisch Verantwortung übernehmen

Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, ruft Christen aller Konfessionen dazu auf, sich gemeinsam für den Frieden einzusetzen. Foto: Patrick Kleibold
Kardinal Anders Arborelius, Bischof von Stockholm, ruft Christen aller Konfessionen dazu auf, sich gemeinsam für den Frieden einzusetzen. Foto: Patrick Kleibold

26.08.2025

Mit dem Appell, politisch Verantwortung zu übernehmen, hat sich Kardinal Anders Arborelius zur Ökumene-Woche in Stockholm an die christlichen Kirchen gewandt. Gegenüber "Vatican News" betonte der Bischof von Stockholm, gerade angesichts der Kriege in der Ukraine und im Heiligen Land seien die Kirchen gefordert, Stellung zu beziehen. Gleichzeitig betonte Arborelius die Bedeutung gemeinsamer Gebete. 

Eine Woche lang waren Kirchenführer aus aller Welt in der schwedischen Hauptstadt zusammengekommen, um das 100-Jahr-Jubiläum der Weltkirchenkonferenz von 1925 zu begehen. Am vergangenen Sonntag endete das Treffen.

"Gerade jetzt müssen wir noch mehr für den Frieden arbeiten", sagte Kardinal Arborelius im Vatican-News-Interview. Neben Gebet und Liturgie suche man bewusst den Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. "Wir Christen können zwar nur wenig tun, da die Politiker die Macht haben. Aber wir müssen das Volk Gottes erziehen, damit es Stellung bezieht und gemeinsam für den Frieden wirkt." 

Besonders präsent sei die Situation in der Ukraine. Die Spaltung der orthodoxen Kirche dort reiße eine große Wunde, so Arborelius. "Wir beten intensiv, dass es Wege zur Einheit gibt. Auch die Ukrainer hier in Schweden machen uns die Tragödie bewusst." Gleichwohl gebe es in der christlichen Welt unterschiedliche Akzente: Manche seien radikal pazifistisch, andere betonten das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung. "Das ist schmerzhaft, auch weil es sogar innerhalb einzelner Kirchen zu politischen Spaltungen kommt. Deshalb ist dieses Treffen so wichtig: Wir müssen Wege der Versöhnung finden."

Arborelius zeigte sich dankbar für die Unterstützung durch Papst Leo XIV., der den 22. August zum Tag des Fastens und Gebets für den Frieden ausgerufen hat. "Die Stimme des Papstes ist entscheidend. Er ruft uns auf, die Feinde zu lieben und den Dialog zu suchen." Der Papst hatte sich mit einer Botschaft an die Teilnehmer der Ökumenischen Woche gewandt. Er schrieb: "Wir stehen nun an eurer Seite als Mitjünger Christi und erkennen, dass uns weit mehr verbindet als trennt." Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei der ökumenische Weg fester Bestandteil des katholischen Engagements. Einheit müsse sichtbar werden – durch theologischen Dialog, gemeinsames Gebet und gemeinsames Zeugnis angesichts der Not der Welt.

Die Jubiläumskonferenz erinnert an die Stockholmer Weltkirchenkonferenz von 1925, die als Meilenstein für die moderne ökumenische Bewegung gilt. Heute umfasst das Programm über 70 Seminare, ein Friedensfestival und eine große ökumenische Feier im Stockholmer Dom, an der auch Schwedens Königspaar teilnehmen wird. "Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass Christen verschiedener Konfessionen in Stockholm zusammen beten und arbeiten", resümierte Kardinal Arborelius. “Wir sind schwach, aber gemeinsam können wir ein Klima schaffen, das dem Dialog und der Versöhnung dient.”

Lesen Sie auch das Interview mit Kardinal Arborelius, in dem er sich gegenüber dem “bonifatiusblatt” zur Situation von Migranten in Schweden äußert.

(Vatican News/sah) www.vaticannews.va