TRAUER UM EINEN GROSSEN FREUND DES BONIFATIUSWERKES

Magdeburger Altbischof Leo Nowak verstorben

Die aktuellen theologischen und gesellschaftspolitischen Debatten verfolgte der Magdeburger Altbischof Leo Nowak mit wachem Geist. (Foto: Bistum Magdeburg)
Die aktuellen theologischen und gesellschaftspolitischen Debatten verfolgte der Magdeburger Altbischof Leo Nowak mit wachem Geist. (Foto: Bistum Magdeburg)

12.04.2026

Er war der erste Bischof des nach der Wiedervereinigung wiedererrichteten Bistums Magdeburg. Seit 1990 bis zu seinem Ruhestand 2004 leitete Altbischof Leo Nowak das Bistum. Am Sonntag ist der volksnahe und humorvolle Seelsorger im Alter von 97 Jahren verstorben, wie das Bistum mitteilte. 

Er hielt sich bis ins hohe Alter fit – mit Spaziergängen und der Lektüre theologischer Fachzeitschriften wie der Herder Korrespondenz. Ein Herzensthema von ihm war, wie man Hoffnung schenken kann. "Die Gesellschaft verändert sich, und wir sind als Kirche Teil davon. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, sonst sind wir draußen und verlieren den Draht zu den Menschen", sagte Nowak 2024. Die aktuellen theologischen und gesellschaftspolitischen Debatten verfolgte er mit wachem Geist – und suchte das Gespräch: "Am liebsten mit Menschen, die sagen, sie haben mit Kirche und Glauben nix am Hut." Die Frage nach der Hoffnung, wie man sie stärken und weitergeben kann, war ihm besonders wichtig. "Ich erlebe es immer wieder, dass man darüber auch gut ins Gespräch mit Nichtgläubigen kommt. Meines Erachtens steckt Hoffnung oder die Sehnsucht nach Hoffnung in jedem Menschen. Und wenn wir den Hoffnungsfunken – gerade auch in unsicheren Zeiten – stärken können, dann haben wir als Kirche, haben wir als Christen den Menschen schon einen großen Dienst erwiesen."


Bonifatiuswerk-Generalsekretär würdigt Nowak als "prägende Persönlichkeit"

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen würdigte Nowak als einen Bischof der vermittelnden, ruhigen und authentischen Worte: "Mit dem Tod von Altbischof Leo Nowak verliert die Kirche in Ostdeutschland eine prägende Persönlichkeit der Umbruchszeit. Leo Nowak hat das Bistum Magdeburg mit großer Besonnenheit und innerer Klarheit durch die Herausforderungen der Wendezeit geführt und die Kirche in der Diaspora nachhaltig geprägt. In der Begegnung habe ich ihn als einen Bischof der leisen Töne erlebt – zugewandt, aufmerksam und getragen von einem tiefen Glauben. Sein Wirken war darauf ausgerichtet, unter oft schwierigen Bedingungen den Dienst der Kirche nahe bei den Menschen zu halten. Dafür sind wir ihm, auch in der Arbeit unseres Hilfswerkes, zu großem Dank verpflichtet. Er hat die Arbeit des Bonifatiuswerkes wertgeschätzt und wir haben mit ihm vertrauensvoll zusammengearbeitet. Möge Gott das Gute, das er im Dienst des Evangeliums getan hat, in der Ewigkeit vergelten."

Der Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige sagte am Sonntag: „Bischof Leo hat die ureigene Aufgabe der Kirche – Seelsorge, Gottvertrauen und Menschenfreundlichkeit – aus tiefstem Herzen authentisch gelebt. Er hatte immer ein offenes Ohr und interessierte sich für jede und jeden einzelnen Menschen, egal, ob Christ oder nicht. Wir werden ihn sehr vermissen.“ Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, würdigte Bischof em. Leo Nowak für seinen Einsatz für die Menschen. "Leo Nowak ist Zeit seines Lebens Seelsorger geblieben und war für die Menschen da – jene, die der Kirche nahestanden, und auch solche, die auf der Suche waren", schrieb Wilmer in einem Kondolenzschreiben. 
1929 in Magdeburg geboren

Nowak kam am 17. März 1929 in Magdeburg zur Welt und wurde dort 1956 zum Priester geweiht. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1990 zum Bischof "in" Magdeburg; das sogenannte Bischöfliche Amt Magdeburg gehörte damals zum Erzbistum Paderborn. Mit der Errichtung des Bistums Magdeburg 1994 wurde Nowak Bischof von Magdeburg. Als ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof "in" Magdeburg ernannte, war in der damals noch existierenden DDR der gesellschaftliche und politische Wandel in vollem Gange. Die Kirche stand vor der Herausforderung, ihren Standort neu zu bestimmen. Nowak schien dafür genau der richtige Mann zu sein. In der Abschlussbeurteilung schrieb der Regens des Erfurter Priesterseminars: “Nowak ist begabt, fleißig, geistig interessiert, dazu von einer großen Ruhe und Überlegenheit. Seine humorvolle, sichere Art half über viele Schwierigkeiten hinweg. Er ist zugleich praktisch begabt, musikalisch, kann Singekreise leiten, sodass er verspricht, auf vielerlei Posten voll seinen Mann zu stehen.”

Bischof mit Blick auf Nicht-Christen

Während seiner Zeit als Bischof war es Nowak stets wichtig, in seinem Bistum mit einem Katholikenanteil von drei Prozent auch die Nicht-Christen zu erreichen, etwa im Bereich der Werteerziehung. So gründete er in seiner Amtszeit drei Gymnasien und vier Grundschulen, deren Plätze auch bei Konfessionslosen sehr begehrt sind. Von 1991 bis 1996 leitete er die Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Als die katholische Kirche aus dem System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung im Jahr 1999 ausstieg, trieb Nowak die Sorge um die werdenden Eltern um und er gründete die Stiftung "Netzwerk Leben". Sie unterstützt bis heute in Notfällen mit schneller, unbürokratischer Hilfe, etwa durch Rechtsberatung oder finanzielle Beihilfen. Auch damit erreicht das Bistum viele Nicht-Christen. Eine weitere Initiative von ihm war die Wiederbesiedlung des mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters Helfta. Nachdenklich und ohne Aufdringlichkeit hielt es stets die Perspektive ins Jenseits offen: “Ich lebe von der Hoffnung, aber nicht vom Wissen, wie es nach dem Tod sein wird. Ich lebe von der Hoffnung, dass es gut sein wird und dass es gut gehen wird.”

(kna/Bistum Magdeburg/BAM)