ERSTMALS EIN TRAPPIST UND NORWEGER

Bischof Erik Varden leitet Fastenexerzitien unter Papst Leo XIV.

In der Paulinischen Kapelle im Apostolischen Palast finden die diesjährigen Fastenexerzitien unter Leitung von Bischof Erik Varden statt. (Foto: Vatican Media)
In der Paulinischen Kapelle im Apostolischen Palast finden die diesjährigen Fastenexerzitien unter Leitung von Bischof Erik Varden statt. (Foto: Vatican Media)

23.02.2026

Am Sonntagabend begannen im Vatikan die diesjährigen Fastenexerzitien für die römische Kurie. Diese Einkehrtage, die es seit 1929 im Vatikan gibt, finden in der Paulinischen Kapelle des Apostolischen Palasts statt. Unter den Fresken Michelangelos, die die Kreuzigung des Petrus und die Bekehrung des Paulus darstellen, versammelten sich Papst Leo XIV. und die Spitzenverantwortlichen der römischen Kurie zum gemeinsamen Gebet und zu den ersten geistlichen Meditationen.
 

Bischof aus der Diaspora im Zentrum der Weltkirche

Die diesjährigen Exerzitien sind besonders: Papst Leo XIV. hat mit Bischof Erik Varden nicht nur den ersten Trappisten, sondern auch den ersten Norweger und den ersten ehemaligen Lutheraner für die Leitung der Exerzitien ausgewählt. Der 51-jährige Norweger stammt aus dem Bistum Oslo, das seit mehr als 50 Jahren zum Fördergebiet des Bonifatiuswerkes gehört, dem er eng verbunden ist. Varden trat 1993 zur katholischen Kirche über und wurde 2002 in den Trappistenorden aufgenommen. Nach einer Zeit als Abt in der englischen Abtei Mount St. Bernard wurde er 2019 von Papst Franziskus zum Bischof von Trondheim ernannt. Er ist seit 2024 zudem Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz.

Varden widmet seine Fastenpredigten dem Thema "Erleuchtet von einer verborgenen Herrlichkeit" und wird dabei insbesondere das Denken des heiligen Bernard von Clairvaux einfließen lassen. Bei der ersten Meditation am Sonntagabend sprach er über den christlichen Frieden, der "nicht das Versprechen eines leichten Lebens" sei, sondern "die Voraussetzung für eine verwandelte Gesellschaft". Frieden sei eine Herausforderung, die "gerechte und mutige Selbstopfer erfordert", so der Bischof.

Fastenzeit: Wesentliches erkennen und üben

Die Fastenzeit, so Varden weiter, konfrontiere uns mit dem Wesentlichen: "Sie versetzt uns in einen materiellen und symbolischen Raum, der vom Überflüssigen befreit ist. Die Dinge, die uns ablenken, auch die guten, werden vorübergehend beiseitegelegt". Sie ist die Zeit eines authentischen geistlichen Kampfes, in dem die Kirche „die Aufforderung, Laster und schädliche Leidenschaften zu bekämpfen, nicht abschwächt: Ihre Sprache ist 'Ja, ja' ‚Nein, nein', nicht 'jetzt dies', 'jetzt das'".

Die Fastenexerzitien, die in ihrer heutigen Form Papst Paul VI. (1963-78) eingeführt hat, dauern bis zum 27. Februar und finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Weil die Paulinische Kapelle, die in unmittelbarer Nähe der Sixtinischen Kapelle liegt, relativ klein ist, wurde der Kreis der Teilnehmenden auf die Führungspersönlichkeiten der einzelnen vatikanischen Behörden sowie die in der Ewigen Stadt ansässigen Kardinäle beschränkt. 

(Vatican News/KNA/thmei)