MSGR. AUSTEN: "ER WEISS, WAS SOLIDARITÄT UNTER CHRISTEN BEDEUTET"

Hildesheimer Bischof Wilmer neu an der Spitze der Bischofskonferenz

Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Bischof Heiner Wilmer (links) und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen auf dem Katholikentag 2022 in Stuttgart. (Foto: Simon Helmers)
Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz Bischof Heiner Wilmer (links) und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen auf dem Katholikentag 2022 in Stuttgart. (Foto: Simon Helmers)

24.02.2026

Ein Ordensmann aus dem Emsland übernimmt den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz. Bischof Wilmer gilt als Brückenbauer zwischen Reformern und Konservativen - mit internationaler Erfahrung.

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden. Die katholischen Bischöfe bestimmten den 64-Jährigen am Dienstag bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zum Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.

Für  viele Katholiken in der Diaspora ist das eine erfreuliche Nachricht. “Wir freuen uns für Bischof Heiner Wilmer, gratulieren ihm herzlich und wünschen ihm Gottes Segen für diesen verantwortungsvollen und herausfordernden Dienst”, sagt Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen. “Ich kenne Bischof Heiner bereits seit vielen Jahren. Er hat sich stets eingesetzt für unsere Glaubensbrüder und -schwestern, die in einer Minderheitensituation in den Umbrüchen dieser Zeit ihr Christsein leben. Er weiß, was Solidarität unter Christen bedeutet. Gerade die Unterstützung für Diaspora-Gemeinden in Ostdeutschland ist in dieser Zeit absolut notwendig. Als Ordensmann weiß Heiner Wilmer sehr gut, wie wichtig es auch in der Kirche ist, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, und er hat dabei auch die Weltkirche gut im Blick.” Das Bistum Hildesheim gehört mit einem Katholikenanteil von knapp zehn Prozent zu den vom Bonifatiuswerk geförderten Diaspora-Regionen. Bischof Heiner Wilmer ist selbst in der Diaspora aufgewachsen.  “Wir freuen uns, neben der bisherigen guten Partnerschaft, auf die künftige konstruktive Zusammenarbeit mit ihm als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz”, so Monsignore Austen. 

Auch Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller begrüßt die Entscheidung: “Bischof Heiner Wilmer ist eine hervorragende Wahl für dieses Amt. Er ist sehr gut vernetzt, und er ist ein Brückenbauer. Genau das braucht die katholische Kirche jetzt. Dabei ist er sehr nah bei den Menschen und begegnet ihnen auf Augenhöhe. Er wird das Prinzip der Synodalität seines Vorgängers, das auch Papst Leo XIV. als essenziell ansieht, fortsetzen. Insofern ist seine Wahl zugleich ein Signal der Kontinuität sowie des Aufbruchs.”
 

Über den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz

Wilmer steht seit 2018 an der Spitze des Bistums Hildesheim. Der Ordensmann aus dem Emsland gilt zwischen Konservativen und Reformern als Vermittler, der auf Beteiligung und Dialog setzt.

Mit 19 Jahren trat Wilmer in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte.

Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

In seinem ersten Statement als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat Heiner Wilmer die Bedeutung der Kirche für die Gesellschaft betont. "Die katholische Kirche ist attraktiv", sagte der Bischof von Hildesheim am Dienstag vor Journalisten in Würzburg nach seiner Wahl. Die Kirche sei für viele Menschen ein wichtiger Anker und mit ihrem sozialen Engagement eine Säule in der Gesellschaft. Die katholische Soziallehre bezeichnete Wilmer als eine "prophetische Stimme für alle Menschen". Diese gelte es, stärker werden zu lassen.

Die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach, betonte Wilmer. Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche." Gemeinden, Verbände, Caritas, Schulen und Familien trügen den Glauben. Dieser sei eine Quelle von Kraft und Weite, verbinde Generationen und öffne Räume der Hoffnung. Dies lebten Katholiken in ökumenischer Verbundenheit mit ihren evangelischen und orthodoxen Geschwistern sowie mit allen Juden und Muslimen.
 

Kirche als Botschafterin des Friedens

Die Kirche wolle Botschafterin des Friedens sein, betonte Wilmer. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der Welt, aber auch der Stimmung in der Gesellschaft. Die christliche Hoffnung sei größer als ein naiver Optimismus, sagte der neue Vorsitzende. Die Kraft des Evangeliums sei es, aus einer Haltung der Demut stark zu sein.

(kna/thi)