JERICHO-EXERZITIEN IN LETTLAND
12.02.26
Sechs Tage Stille, Gebet und echte Begegnung: Auch in diesem Jahr hat die Gemeinschaft Chemin Neuf junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren zu den Jericho-Exerzitien eingeladen. Unter dem Leitwort „Geh in die Tiefe“ (Lk 5,4) kamen 24 Teilnehmende aus ganz Lettland und verschiedenen christlichen Konfessionen im Haus der Gemeinschaft Chemin Neuf im westlettischen Liepaja zusammen, um bewusst Abstand vom Alltag zu nehmen – und sich neu auf Gott und das eigene Leben auszurichten.
Die geistlichen Tage orientierten sich an den Exerzitien des heiligen Ignatius von Loyola. Die Vormittage waren geprägt von Stille, persönlichen Gebetszeiten und Impulsen zu Themen wie Gottes Liebe und Barmherzigkeit, das Wirken des Heiligen Geistes und die Nachfolge Jesu.
Für viele war die ungewohnte Stille zunächst eine Herausforderung. Doch gerade darin lag für zahlreiche Teilnehmende ein besonderer Schatz. Madara berichtet: „Vor den Exerzitien hatte ich Angst vor der Stille, die mich dort erwarten würde, da ich sie lange Zeit nicht erlebt hatte. Doch diese Stille war nicht nur eine Unterbrechung der Kommunikation, sondern auch ein Sich Zurückziehen von alltäglichen Bedürfnissen, die einen großen Teil meines Denkens einnehmen. Ich konnte mich ganz auf meine gemeinsame Zeit mit Gott konzentrieren."
Tägliche persönliche Gespräche mit geistlichen Begleiterinnen und Begleitern halfen dabei, eigene Fragen, Zweifel und Erfahrungen im Licht des Glaubens zu reflektieren und einzuordnen.
Am Nachmittag öffnete sich Raum für kreative und sportliche Workshops: Notizbücher gestalten, T-Shirts bedrucken, Bogenschießen oder gemeinsame Wanderungen sorgten für Ausgleich und stärkten die Gemeinschaft. Viele nahmen nicht nur selbst gestaltete Erinnerungsstücke, sondern auch neue Freundschaften mit nach Hause. Kristaps hat es so erlebt: „Ich mochte die kreativen Workshops sehr und habe jeden Tag ungeduldig auf den nächsten gewartet, denn in letzter Zeit habe ich festgestellt, dass ich es wirklich genieße, kreative Dinge zu tun und etwas zu gestalten.“
Die Abende standen im Zeichen gemeinsamer Gebetszeiten und bewegender Glaubenszeugnisse. Ein besonderer Höhepunkt war der Versöhnungsabend mit Kreuzweg, bei dem die jungen Erwachsenen Gott persönlich noch näher kommen konnten. Elisabeth war tief beeindruckt: „Der Kern aller gewonnenen Erkenntnisse ist eine längst bekannte, aber oft vergessene Wahrheit – ich bin Gottes geliebtes Kind.“
Die Exerzitien wirken über die sechs gemeinsamen Tage hinaus. Viele Teilnehmende berichten nach ihrer Rückkehr von mehr innerem Frieden, größerer Dankbarkeit und neuer Kraft im Glauben. Einige stellen fest, dass sie sich besser konzentrieren können, andere gehen gelassener mit Herausforderungen im Alltag um. Das Bewusstsein, von Gott begleitet zu sein, ist für viele gewachsen.
Mit 7.600 Euro aus seinem Jugendarbeit-Etat hat das Bonifatiuswerk die Einkehrwochen gefördert. Die Gemeinschaft Chemin Neuf dankt herzlich für die finanzielle Unterstützung, durch die die Jericho-Exerzitien ermöglicht wurden, sowie den zahlreichen Helferinnen und Helfern vor Ort. Ein besonderer Dank gilt Bischof Viktors Stulpins, Pastorin Gunta Grīna-Sologuba und Pastor Pāvils Bobinskis für ihre geistliche Begleitung.
(dün)