KATHOLISCHE KIRCHE BEGEHT GEDENKTAG DES SELIGEN MÄRTYRERBISCHOFS
23.02.2026
Anlässlich des Gedenktags (22. Februar) des seligen Märtyrerbischofs Eduard Profittlich, der zum ersten Mal von der katholischen Kirche in Estland gefeiert wurde, hat am Wochenende eine internationale Konferenz zu Ehren des deutschen Jesuiten stattgefunden. Der vatikanische Außenminister Erzbischof Paul Richard Gallagher rief dabei in Estlands Hauptstadt Tallinn zu einer neuen Friedensarbeit auf. Der baltische Staat, der an Russland grenzt, gehört seit 1995 zum Fördergebiet des Bonifatiuswerkes.
Die Welt erlebe eine Zeit, in der der Friede “mehr denn je bedroht und verwundet” sei – nicht zuletzt durch den Krieg in der Ukraine und einen “Dritten Weltkrieg in Stücken”, sagte Gallagher. Zugleich könne Gott “Nationen aus der Asche des Hasses wiederaufbauen”, betonte der vatikanische Außenminister laut einem Bericht von Vatican News.
In seiner Ansprache zog der vatikanische Diplomat am Samstag eine Linie zwischen pastoraler Sendung und kirchlicher Diplomatie. Beide hätten eine gemeinsame Wurzel im Einsatz für Wahrheit und Menschenwürde. Profittlich habe mit seinem Entschluss in Estland zu bleiben, “seinen höchsten diplomatischen Akt” gesetzt. Er sei zu einem “Brückenbauer” geworden, der Beziehungen knüpfte und einem kleinen Volk eine moralische Stimme gab. Der deutschstämmige Apostolische Administrator aus dem Bistum Trier war während der sowjetischen Besatzung bewusst in Estland geblieben. Er starb 1942 im Gefängnis von Kirow, bevor sein Todesurteil vollstreckt werden konnte. Für Gallagher verkörpere der im September 2025 seliggesprochene Jesuit eine Verbindung von “Diplomatie und Heiligkeit” sowie den Dienst an der Wahrheit gegen Unterdrückung.
Mit Blick auf die Gegenwart warnte Gallagher vor wachsender Spaltung in Europa. Diplomatie müsse Distanzen überwinden und Räume für Begegnung schaffen. “Wahrer Friede” entstehe durch einen Einsatz, bei dem es weder Sieger noch Verlierer gebe. Auch wenn Frieden heute oft unerreichbar erscheine, dürfe man nicht resignieren: “Was unmöglich wirkt, kann mit Gottes Hilfe Wirklichkeit werden”, sagte der vatikanische Außenminister.
Der selige Eduard Profittlich gilt in Estland als Symbolfigur für Glaubenstreue und Freiheit. Seine Lebensgeschichte sei, so Gallagher, eine Mahnung, dass Wahrheit und Liebe stärker seien als Gewalt und Ideologie. Zum Auftakt der Konferenz hatte am Freitag der päpstliche Nuntius in den baltischen Staaten, Erzbischof Georg Gänswein, gesprochen. Unter den weiteren Rednern der Tagung waren unter anderen Tallinns Bischof Philippe Jean-Charles Jourdan und die estnische Theologin Marge Paas, Postulatorin im Seligsprechungsverfahren für Profittlich. Ihre Personalstelle hatte das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken zwei Jahre lang gefördert.
(bam)