1.200 JAHRE HEILIGER ANSGAR: BONIFATIUSWERK-GENERALSEKRETÄR MSGR. AUSTEN SICHERT GRÖNLÄNDERN SOLIDARITÄT ZU
26.01.2026
Während die Welt nach wie vor besorgt auf Grönland und Dänemark blickt, hat das Bistum Kopenhagen an diesem Wochenende einen Mann gefeiert, der für das Gegenteil von Machtinteressen und Spaltung steht: den heiligen Ansgar. Vor genau 1.200 Jahren machte sich der Mönch vom Kloster Corvey nahe Paderborn nach Skandinavien auf den Weg zu seiner ersten Missionsreise. Ansgar – der “Apostel des Nordens” – gilt als einer der ersten Europäer: ein einfacher Diener Gottes, dessen Vision größer war als regionale und nationale Horizonte. Als großer Förderer des Bistums Kopenhagen und der katholischen Kirche in Nordeuropa war auch das Bonifatiuswerk und dessen Generalsekretär Monsignore Georg Austen zu diesem besonderen Jahrestag eingeladen. Auch wenn der Name von US-Präsident Donald Trump in offiziellen Reden nicht explizit fiel, sorgten die Spannungen rund um Grönland für reichlich Gesprächsstoff.
Ansgar zu Ehren nahm Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als Sondergesandter des Papstes an den Feierlichkeiten teil – gemeinsam mit dem Kopenhagener Bischof Czesław Kozon, dem Apostolischen Nuntius in den Ländern Skandinaviens, Erzbischof Julio Murat, sowie weiteren Bischöfen aus Deutschland und Nordeuropa. Bei einem ökumenischen Gottesdienst am Samstag in der evangelischen-lutherischen Frauenkirche und dem Festgottesdienst am Sonntag in der katholischen Domkirche St. Ansgar würdigten Vertreter der katholischen Kirche und evangelisch-lutherischen Kirche Ansgar als einen „Grenzgänger des Glaubens“. Er sei Brückenbauer zwischen Nord und Süd sowie Wegbereiter europäischer Verbundenheit. Monsignore Georg Austen: “Es war sehr eindrucksvoll zu erleben, wie der heilige Ansgar bis heute für gelebte ökumenische Beziehungen steht.”
Der Bonifatiuswerk-Generalsekretär dankte dem Sondergesandten des Papstes, Kardinalstaatssekretär Parolin, dafür, dass er durch seine Anwesenheit den Katholiken in den Diaspora-Regionen in Dänemark und in Nordeuropa seine Solidarität bekundete. „Das ist als sehr wertschätzend aufgenommen worden“, sagte Monsignore Georg Austen, der auch die besten Wünsche des Paderborner Erzbischofes Dr. Udo Markus Bentz als Protektor des Bonifatiuswerkes überbrachte.
Der Generalsekretär betonte in seinem persönlichen Grußwort die Gemeinsamkeiten des heiligen Ansgars und des heiligen Bonifatius, Namenspatron des Bonifatiuswerkes, und lud zu einem Gedankenspiel ein: Betrachte man die Lebenswege Ansgars und des heiligen Bonifatius auf der europäischen Landkarte, entstehe “ein großes Kreuz mitten in Europa”. Bonifatius, der “Apostel der Deutschen”, wirkte von Westen nach Osten. Ansgar brach vor 1.200 Jahren vom Kloster Corvey in Westfalen auf – Richtung Dänemark und Schweden. Monsignore Austen: “Es mag Zufall sein, dass die Lebenswege der beiden Missionare das Zeichen der Christen bilden.” Es sei jedoch historisch betrachtet gewiss kein Zufall, dass sich ihre Pfade kreuzen und weite Teile Europas verbinden. Die ehemalige Benediktinerabtei Corvey nahe Höxter – heute UNESCO-Weltkulturerbe – gilt als eines der bedeutendsten geistlichen Zentren des frühen Mittelalters. 2024 war es Austragungsort der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Nordeuropahilfe des Bonifatiuswerkes. Seit 1974 unterstützt das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität die Länder der Nordischen Bischofskonferenz. In den vergangenen zehn Jahren stellte es dort mehr als 14 Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Ergänzt wird diese Hilfe durch das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe, das im selben Zeitraum mehr als 43 Millionen Euro für Nordeuropa zur Verfügung stellte – getragen durch die Solidarität der Priester in Deutschland.
Bei aller feierlichen Stimmung waren auch in Kopenhagen die Forderungen von US-Präsident Donald Trump, Grönland solle Teil der USA werden, ein Thema. “Das Bonifatiuswerk steht solidarisch an der Seite der Menschen in Grönland. Der Konflikt legt zwar derzeit so etwas wie eine Atempause ein. Aber die Verunsicherung der Menschen in Grönland und Dänemark ist weiterhin groß.” In einer Zeit globaler Unsicherheiten brauche es daher mehr denn je “verlässliche Beziehungen und den Zusammenhalt über staatliche Grenzen hinweg”. Dafür habe sich das Bonifatiuswerk als internationales Hilfswerk von jeher in Nordeuropa eingesetzt. “Und das tun wir auch jetzt”, sagte der Generalsekretär.
Politische und wirtschaftliche Interessen dürften nicht über das Selbstbestimmungsrecht von Staaten oder Völkern gestellt werden. Monsignore Austen mahnte, dass durch die übergriffigen Forderungen der US-Regierung die nach dem Zweiten Weltkrieg vereinbarte Weltordnung ins Wanken gerate. “Als Weltkirche erinnern wir daran, dass echter Friede nicht durch Machtansprüche entsteht, sondern durch Dialog, gegenseitigen Respekt und das Gebet für- und miteinander. Unser Auftrag bleibt es, im Verbund mit allen Menschen, die sich für den Frieden auf Erden einsetzen, für eine Welt einzutreten, in der Gerechtigkeit und Menschenwürde herrschen”, betonte Monsignore Austen.
Zu den katholischen Glaubensgeschwistern in der grönländischen Diaspora unterhält das Bonifatiuswerk seit vielen Jahren eine besondere Beziehung. So hat das Spendenhilfswerk für den Glauben gemeinsam mit dem Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe die Sanierung des Christus-König-Gemeindezentrums und der Kirche mit insgesamt 500.000 Euro gefördert. “Christus König” in Nuuk, Hauptstadt Grönlands, ist die einzige katholische Gemeinde auf der größten Insel der Welt und dem Bistum Kopenhagen zugeordnet. Mit der Investition wurde die pastorale Arbeit in der grönländischen Diaspora entscheidend gestärkt. Etwa 500 Katholiken leben in Grönland. Ihr Anteil an der Bevölkerung (ca. 57.000) liegt somit bei unter einem Prozent.
(sah)