FORTBILDUNG ZU RELIGIÖSEN KINDERWOCHEN IN LEIPZIG

Mut zum Weiterfragen

Die Rolle des Impulsgebers zur RKW-Fortbildung füllte Rainer Oberthür voll aus. Foto: Hartmut Salzmann
Die Rolle des Impulsgebers zur RKW-Fortbildung füllte Rainer Oberthür voll aus. Foto: Hartmut Salzmann

01.03.2026

Gemeinschaft erleben, christliche Inhalte vermitteln und sich auch mit den großen Fragen nach dem Sinn beschäftigen – das sind die wichtigsten Zutaten der Religiösen Kinderwochen (RKW). Hier kommen jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche zusammen, um sich gemeinsam auf eine Entdeckungsreise zu Themen des Glaubens und des Lebens zu begeben. Begleitet werden sie von Hunderten Haupt- und Ehrenamtlichen. Knapp 70 Engagierte, die für die RKW brennen, kamen an diesem Samstag im Gemeindezentrum St. Leipzig zu einer Fortbildung zusammen, die weit mehr war als Frontalunterricht. Sie war geprägt von lebendigem Austausch und intensiver Gemeinschaft. Das Bonifatiuswerk und die Arbeitsgemeinschaft RKW hatten dieses inspirierende Treffen auf die Beine gestellt.

Die „Religiösen Kinderwochen“ haben ihre historischen Wurzeln in der DDR der 1950er-Jahre. Sie entstanden als kirchliche Reaktion auf die atheistisch geprägte Ideologie des sozialistischen Staates. Bis heute sind die RKW daher hauptsächlich in den ostdeutschen Bistümern verortet. 

Die Rolle des Impulsgebers füllte Rainer Oberthür bei der Fortbildung in Leipzig voll aus. Der Theologe ist seit vielen Jahren als Autor und Dozent für Religionspädagogik unterwegs und verfasst Bücher mit persönlichen Antworten auf Kinderfragen zu Gott, Leben und Sinn. Oberthür ermutigte die Teilnehmenden, die Kinder zu kreativen und unkonventionellen Gedanken zu motivieren. Dafür hatte Oberthür eine Art Drei-Punkte-Plan im Gepäck: „Vom Fragen zum Antworten zum Weiterfragen“. Bedeutet: Im ersten Schritt sollen Kinder ermutigt werden, eigene – auch existenzielle – Fragen zum Leben und zum Glauben zu entwickeln – wie etwa: Ist Glauben mehr oder weniger als Wissen? Oder: Bringt die Religion wirklich das Gute in die Welt? Auf solche Fragen, so Oberthürs Plädoyer, darf man Kinder im nächsten Schritt mit anspruchsvollen Antworten konfrontieren. „Denn Fragen rufen nach Antworten“, so der Autor, „und Antworten wecken weitere Fragen.“ Dieses „Weiterfragen“ ist für Oberthür das eigentliche Ziel bei der Begleitung von Kindern in Glaubensfragen. „Wer glaubt, hat nicht weniger, sondern mehr Fragen.“

Nach diesem Vortrag mangelte es nicht an Impulsen für die Kleingruppenarbeit, aus der viele mit Elan und in ihrer Haltung gestärkt zurückkehrten. Einig waren sich die Teilnehmenden darin, den Kindern bei den RKW die Antworten zu Lebens- und Glaubensfragen nicht vorzugeben, sondern den kindlichen Fragen deutlich mehr Raum zu lassen. Dazu gehört auch, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kinder auch solche Fragen formulieren dürfen, auf die Erwachsene keine Antwort haben.

Claudia Bannach, Gemeindereferentin bei der Pfarrei Leutersdorf im Bistum Dresden-Meißen, sagte, sie nehme „ganz viele neue Impulse“ mit – vor allem aber auch viel Motivation für ihre Arbeit in Gemeinde und Schule. Sie spüre wieder Lust, „Kinder ein bisschen zu kitzeln, selbst Fragen nach Gott zu stellen“. Claudia Banner hat vor allem ein Satz von Rainer Oberthür begeistert: „Unsere Spiritualität speist sich aus unserem Suchen und Fragen.“ Sie dankte dem Bonifatiuswerk, dass das Hilfswerk die Kinderwochen unterstützt. „Das setzt Energie für die Ehrenamtlichen und uns Hauptamtliche frei, um ins Wirken zu kommen.“ Selbst für „alte RKW-Hasen“ wie Norbert Feichtinger, langjähriger Gemeindereferent aus dem Bistum Dresden-Meißen, hatte die Fortbildung großen Erkenntnisgewinn. „Ich nehme von dieser Fortbildung mit, wie schwierig und gleichzeitig wichtig es ist, die Frage nach Gott offenzuhalten“, sagte er.

„Sie sind ,burning persons‘. Menschen die für die Sache brennen.“ Monsignore Georg Austen zollte den Teilnehmenden Respekt für ihr Engagement. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes versicherte, dass das Hilfswerk Fortbildungen wie die in Leipzig auch weiter fördern werde: „Religionspädagogische Fortbildungen, Austausch und Begleitung sind wichtige Schlüssel für die Zukunft der Religiösen Kinderwochen. Das hat uns eine wissenschaftlich begleitete Evaluation gezeigt.“ In den RKW sieht Monsignore Austen einen „großen, wichtigen Schatz in der Kinderpastoral in den ostdeutschen Diözesen. Auf der einen Seite ist es Glaubensbildung. Kinder erfahren in der Diaspora aber auch eine konkrete Glaubensgemeinschaft, wo sie Freude und eine einladende Kirche erleben.“ Im laufenden Jahr sind für Religiöse Kinderwochen rund 400.000 Euro im Bonifatiuswerk-Etat verankert.

Ein besonderes Highlight setzte am Nachmittag die Konzertlesung „Was glaubst du? – Lieder und Briefe zwischen Himmel und Erde“, bei dem neben Rainer Oberthür mit dem Würzburger Singer/Songwriter-Duo Carolin No (Carolin und Andreas Obieglo) auftrat. Mit ihren wunderbar poetischen Liedern, virtuos und hochmusikalisch vorgetragen, berührten sie die Besucher der Pfarrkirche St. Georg.

Mit dieser Fortbildung hat das Bonifatiuswerk erneut seine Vision deutlich gemacht: Menschen zu befähigen, Kinder in ihren Fragen ernst zu nehmen, Glaubensinhalte lebendig zu vermitteln und gemeinsam Freude, Tiefgang und Gemeinschaft zu erleben. Die nächste RKW-Fortbildung findet statt am 23. Januar 2027 im Augustinerkloster in Erfurt. Das Thema: „Glaube und Bewegung“.

(sah)

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