BONIFATIUSWERK-GENERALSEKRETÄR GRATULIERT UND BETONT ENGE VERBUNDENHEIT MIT DIÖZESE

Heiner Wilmer wird Bischof von Münster

Der neue Bischof von Münster, Bischof Heiner Wilmer (links) und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen auf dem Katholikentag 2022 in Stuttgart. (Foto: Simon Helmers)
Der neue Bischof von Münster, Bischof Heiner Wilmer (links) und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen auf dem Katholikentag 2022 in Stuttgart. (Foto: Simon Helmers)

26.03.2026

Nach gut einem Jahr Sedisvakanz hat das Bistum Münster einen neuen Bischof: Heiner Wilmer (64), Bischof von Hildesheim. Der im Februar zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählte Wilmer folgt damit auf den emeritierten Bischof Felix Genn (76), der im März 2025 altersbedingt zurückgetreten war. Papst Leo XIV. ernannte Bischof Wilmer am Donnerstag zum Bischof des mitgliederstärksten katholischen Bistums in Deutschland. 

Geboren wurde Wilmer am 9. April 1961 im Emsland, also in Münsters Nachbarbistum Osnabrück. Er wuchs auf einem Bauernhof auf und spricht neben mehreren Fremdsprachen auch Plattdeutsch. Mit 19 Jahren trat er in den Orden der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) ein. Der promovierte Theologe arbeitete zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx, leitete später das ordenseigene Gymnasium in Handrup (Emsland) und wurde 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz. 2015 wählten ihn seine Mitbrüder zum Generaloberen des Ordens mit Sitz in Rom. In dieser Funktion trug er weltweite Verantwortung. Aus dieser Zeit stammen seine guten Kontakte in den Vatikan – und seine Erfahrung, dass Reformen in einer Weltkirche nur Schritt für Schritt gelingen können. 2018 ernannte Papst Franziskus ihn zum Bischof von Hildesheim. Die norddeutsche Diaspora-Diözese mit großen Entfernungen, sinkenden Mitgliederzahlen und knappen Finanzen stellte ihn vor schwierige Aufgaben. Wilmer setzte einen Sparkurs fort und stieß eine umfassende Immobilienreform an. Gleichzeitig suchte er neue Formen kirchlicher Präsenz – etwa auf Pilgerwegen mit Jugendlichen.

Den Ton für seine neue Aufgabe in Münster setzt Bischof Wilmer mit einem Bibelvers: "Brannte nicht unser Herz, als wir unterwegs waren?", sagt er am Donnerstag im voll besetzten Sankt-Paulus-Dom in Münster und greift damit eine Stelle aus dem Lukasevangelium auf. Darin deutet sich bereits sein Verständnis von Kirche an: zuhören, mitgehen und Orientierung geben.

Bonifatiuswerk gratuliert

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen, der zugleich Geschäftsführer des Diaspora-Kommissariates der deutschen Bischöfe ist, gratuliert dem designierten Bischof: "Ich freue mich über die Ernennung von Bischof Heiner zum Bischof von Münster. Vor ihm stehen zwei anspruchsvolle neue Aufgaben und große Herausforderungen, auch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Wir kennen uns bereits seit vielen Jahren. Er ist in einer Diaspora-Umgebung aufgewachsen und kennt sowohl das Bonifatiuswerk als auch das Diaspora-Kommissariat sehr gut. Dem Bistum Münster sind wir als Bonifatiuswerk in zweifacher Hinsicht eng verbunden: Zum einen über die Förderung zahlreicher Projekte in der Diaspora im Offizialatsbezirk Oldenburg, zum anderen über wichtige Projekte in der Diaspora in Nordeuropa, die das Bistum Münster unterstützt. Daher bauen wir weiterhin auf eine kontinuierliche, vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit für unsere Glaubensschwestern und -brüder, die in einer Minderheitensituation in den Umbrüchen dieser Zeit ihr Christsein leben", sagt Monsignore Austen. Manfred Müller, Präsident des Bonifatiuswerkes, ergänzt: "Im Namen des Bonifatiuswerkes gratulieren wir dem neuen Bischof von Münster und wünschen ihm Gottes Segen für seinen verantwortungsvollen Dienst. Mit Heiner Wilmer wurde nicht nur ein sehr guter Nachfolger für Bischof em. Dr. Felix Genn gefunden, sondern auch ein gut vernetzter Brückenbauer, der nah bei den Menschen ist.“

Reformen wagen und Grenzen achten

Am Anfang seiner gut 15-minütigen Ansprache wirkt der neu ernannte Bischof zunächst einen Moment lang unsicher. Erst als mehrfach Applaus aufbrandet, findet er sichtbar zu größerer Sicherheit. Wilmer gilt einerseits als Befürworter von Reformen in der Kirche. Beim nationalen Reformprozess Synodaler Weg votierte er in allen namentlichen Abstimmungen mit Ja – etwa zur Öffnung des Diakonats für Frauen, zur Prüfung einer Lockerung des Zölibats und zu Segensfeiern für homosexuelle Paare. Andererseits setzt er sich stark für eine Rückbesinnung auf biblische Werte und für das Thema Evangelisierung ein, das vor allem konservativen Bischöfen wichtig ist. Reformen müssten sich im Rahmen des Kirchenrechts bewegen und in Einheit mit der Weltkirche erfolgen, betonte Wilmer nach seiner Wahl zum Bischofskonferenz-Vorsitzenden. Viele sehen ihn daher als Vermittler zwischen konservativen und reformorientierten Bischöfen.

Als er über seinen Abschied aus Hildesheim spricht, wirkt er sichtlich bewegt und den Tränen nahe. "Heute ist für mich auch ein Tag mit einer gewissen inneren Schwere: Hildesheim liegt mir am Herzen", sagt er. Und dann ist da noch diese gewisse Selbstironie, die sich bei Wilmer immer wieder zeigt. Seine "erste intellektuelle Kaderschmiede" sei der katholische Kindergarten im emsländischen Hopsten gewesen. "Ich sollte damals Hochdeutsch lernen." Später habe er auch im Akkordeonorchester in Hopsten gespielt. “Ich muss gestehen: Einige Noten kann ich zwar noch lesen, aber die Bässe kriege ich nicht mehr hin.” Es sind solche Erinnerungen, die den neuen Bischof von Münster bodenständig wirken lassen - und vielleicht erklären, warum er auf Nähe, Zuhören und gemeinsames Unterwegssein setzt.

Im Bistum Münster steht Wilmer künftig an der Spitze von rund 1,59 Millionen Katholiken. Im Bistum Hildesheim leben knapp 500.000 Menschen, die der katholischen Kirche angehören. Münster ist das mitgliederstärkste deutsche Bistum vor Köln (1,58 Mio.), Rottenburg-Stuttgart (1,53 Mio.), Freiburg (1,51 Mio.) und München-Freising (1,38 Mio.). Wann Wilmer sein neues Amt antritt, ist noch unklar. Üblicherweise dauert es nur wenige Monate von der Ernennung bis zur Amtsergreifung. Bis dahin bleibt Wilmer Bischof von Hildesheim. Nach seinem Wechsel beginnt im Bistum Hildesheim die Zeit der "Sedisvakanz". Bis der wieder besetzt ist, könnte es ein gutes Jahr dauern.

                                                                                                                                                                                                         (bam/kna)