UMBAU DER KLOSTERKIRCHE KERBSCHER BERG SCHREITET VORAN

In neuem Licht

Geschädigte Putzflächen, statische Probleme im Bereich der Empore sowie Schäden am Fußboden und an der Fassade machen eine grundlegende Innensanierung erforderlich. (Foto: Pia Schröter)
Geschädigte Putzflächen, statische Probleme im Bereich der Empore sowie Schäden am Fußboden und an der Fassade machen eine grundlegende Innensanierung erforderlich. (Foto: Pia Schröter)

30.03.2026

Noch stehen Leitern im Kirchraum, Kabel hängen von der Decke und der neue Boden wird gerade verlegt. Baustellenstaub schwebt in der Luft. Doch wer derzeit die ehemalige Franziskanerkirche “Kerbscher Berg” bei Dingelstädt betritt, merkt sofort: Hier verändert sich etwas. Wer den Raum noch aus früheren Zeiten kennt, erlebt einen überraschenden Unterschied. Die Kirche, die einst dunkel und kühl wirkte, erscheint jetzt hell, offen und freundlich. Licht fällt durch neue Öffnungen, der Raum wirkt größer, weiter – fast wie verwandelt.

Schritt für Schritt entsteht dort eine Familienkirche, ein Ort zum Entdecken, zum Innehalten und für Begegnungen. Das Bonifatiuswerk hat die Maßnahme bereits mit 205.000 Euro gefördert. Im Dezember vergangenen Jahres wurden weitere Fördermittel in Höhe von 117.500 Euro für den Umbau der an das Familienzentrum “Kerbscher Berg“ angeschlossenen Klosterkirche bewilligt, da die Baukosten in die Höhe geschossen sind. Weitere 75.000 Euro hat die Bischof-Konrad-Martin-Stiftung beigesteuert, die zu den Stiftungen des Bonifatiuswerkes gehört. Jährlich nutzen mehr als 12.000 Menschen die Angebote des Familienzentrums.
 

Kirche neu denken

Die Umgestaltung ist Teil eines größeren Nachdenkens über die Zukunft kirchlicher Räume. “Wir sind in einer Umbruchphase”, sagt Cornelia Schimek, Bauverantwortliche des Bistums Erfurt im Eichsfeld. “Wir haben viele Kirchen – und wir müssen überlegen, wie wir sie so gestalten, dass sie auch in Zukunft genutzt werden.” Die Klosterkirche auf dem Kerbschen Berg bietet dafür besondere Voraussetzungen. Direkt nebenan liegt das lebendige Familienzentrum. Die Kirche soll künftig enger mit diesem Ort verbunden sein. Die Idee: Ein Kirchraum, der nicht nur für Gottesdienste genutzt wird, sondern auch für Gruppen, Veranstaltungen und Begegnungen.

Am Anfang des Projekts standen Workshops mit Kindern, Familien und Jugendlichen. Sie wurden gefragt: Wie soll Kirche heute sein? Die Antworten waren überraschend vielfältig. “Die Kinder haben gesagt: Es soll ein Ort der Ruhe sein, ein Ort, an dem man etwas entdecken kann”, erzählt Schimek. “Ein Platz, an dem man vielleicht auch etwas zurücklassen kann – eine Bitte oder einen Wunsch.” Auch Wasser spielte in vielen Ideen eine Rolle – ebenso wie der Wunsch nach einem Raum, der Tradition und moderne Gestaltung verbindet.

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Ein Raum zum Entdecken

Das Künstler-Ehepaar Lutzenberger aus dem Allgäu entwickelte aus diesen Ideen ein Gesamtkonzept für den Kirchenraum. Zunächst wurde die Kirche weitgehend leergeräumt, um Platz für eine neue Gestaltung zu schaffen. Künftig wird es verschiedene Stationen zum Entdecken und Mitmachen geben. Eine Marienkapelle bleibt erhalten und wird neu gestaltet. Sie soll in einem tiefen Blau gehalten sein – ein ruhiger Ort für Gebet und Kerzen. Im Eingangsbereich wird ein besonderer Taufstein stehen: ein großer Findling aus den Alpen, der halbiert und bearbeitet wurde. In einer kleinen Vertiefung kann Wasser stehen – ein starkes Symbol für Taufe und Leben.

Auch das Thema Natur spielt in der Gestaltung eine wichtige Rolle. Das passt zur Geschichte des Ortes, denn die Kirche gehört zu einem ehemaligen Franziskanerkloster. “Franziskus hat uns vorgelebt, wie eng Glaube und Natur verbunden sein können”, erläutert Cornelia Schimek. “Diese Verbindung soll auch in der Kirche spürbar werden.”
 

Heller, offener – und besser zu hören

Der Raum selbst verändert sich sichtbar. Die neue Ausmalung lässt die Kirche deutlich heller wirken. Holzverkleidungen bringen Wärme in den Raum und verbessern gleichzeitig die Akustik. Das ist wichtig – denn früher war die Kirche akustisch schwierig. Der Schall brauchte bis zu acht Sekunden vom Altar in die hinteren Kirchenbänke. “Ich habe einmal selbst einen Gottesdienst dort besucht“, erinnert sich Schimek. „Nach wenigen Sekunden hat man kaum noch etwas verstanden.” Deshalb spielen Schallschutz und Raumakustik in der neuen Gestaltung eine wichtige Rolle. Große, runde Elemente an der Decke und Holzflächen an den Wänden sollen künftig dafür sorgen, dass Worte und Musik besser hörbar sind.

Vom Kirchraum in den Klostergarten

Eine besonders schöne Veränderung zeigt sich am hinteren Ende der Kirche. Dort wurden neue Türen eingebaut. Sie öffnen den Raum zum ehemaligen Klostergarten. Hier soll künftig eine Terrasse entstehen – ein Ort, an dem Menschen auch draußen zusammenkommen können. Wenn der Garten im Frühjahr und Sommer blüht, wird sich der Blick von der Kirche direkt ins Grün öffnen. “Dieser Ort ist wirklich etwas Besonderes”, sagt Schimek. “Das wollen wir stärker erlebbar machen.”

Der Kirchraum soll künftig flexibel genutzt werden können. Mobile Elemente ermöglichen es, Bereiche für kleine Andachten, Gruppenarbeit oder Veranstaltungen abzutrennen. Dabei bleibt die Würde des Raums erhalten. “Einen Raum leer zu lassen, ist leicht“, sagt Schimek. „Aber ihn so zu gestalten, dass er vielseitig genutzt werden kann und trotzdem seine Würde behält – das ist die eigentliche Herausforderung.”
 

Ein Ort für die Zukunft

Die Planungen für das Projekt haben mehrere Jahre gedauert. Immer wieder wurden Ideen angepasst und weiterentwickelt. Für Schimek ist das selbstverständlich. “Man trägt Verantwortung für einen Raum, den Generationen vor uns gebaut haben”, sagt sie. “Wir wollen das Alte würdigen – und gleichzeitig etwas schaffen, das auch in 20 oder 50 Jahren noch funktioniert.” Wenn alles nach Plan läuft, soll die neue Familienkirche Ende August dieses Jahres feierlich eingeweiht werden. Dann wird aus der Baustelle endgültig ein Ort, der Menschen einlädt – zum Beten, zum Begegnen und zum Entdecken.

(Bistum Erfurt / BAM)