INITIATIVE GEGEN HASS UND HETZE
11.05.2026
Die katholische Kirche hat eine Kampagne zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September gestartet. Die Initiative "Bewusst wählen", die vom Bonifatiuswerk finanziell unterstützt wird, ruft Wählerinnen und Wähler auf, sich mit den Parteiprogrammen auseinanderzusetzen, nicht aus dem Bauch heraus zu wählen und nicht destruktiver, populistischer Stimmungsmache zu folgen.
"Wir wollen Orientierung geben – nicht parteipolitisch, sondern wertebasiert", sagte der Magdeburger Bischof Gerhard Feige bei der Vorstellung der Initiative. Wählen sei mehr als eine politische Entscheidung. Bewusst wählen heiße, menschlich und verantwortungsbewusst zu wählen. Das sei der Leitgedanke der Kampagne.
Bischof Feige erklärte, es sei Aufgabe der Kirche, sich für Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Solidarität einzusetzen. "Besonders herausgefordert sind wir dann, wenn Hass und Hetze sowie populistische oder extremistische Positionen zunehmend salonfähig werden." Dies beobachte er immer stärker. Zugleich betonte er: "Wir arbeiten uns hier nicht an einer Partei ab." Sondern es gehe darum, den Zusammenhalt der Gesellschaft wieder zu stärken, der durch geschürtes Misstrauen gezielt untergraben werde. Mit der Initiative will die Kirche Polarisierung, Extremismus, Angst und Gleichgültigkeit nicht das letzte Wort überlassen, sondern durch sichtbare Zeichen, Dialogformate und Bildungsangebote Räume für Begegnung, Reflexion und verantwortliche Gewissensbildung schaffen.
In Sachsen-Anhalt liegt die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD laut der neuen Wahlumfrage von Infratest Dimap im Auftrag des MDR, der "Mitteldeutschen Zeitung" und der "Volksstimme" aktuell bei 41 Prozent. Die CDU kommt auf 26 Prozent, die Linke auf 12 Prozent und die SPD auf 7 Prozent. Die anderen Parteien liegen unter fünf Prozent.
Im Zuge der Initiative sind eine Plakat-Kampagne, öffentliche Aktionen und beispielsweise Vorträge des Theologen und früheren Leiters der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, zu Themen wie: "Warum ich gern mit AfD-Wählern rede" sowie zu den klar kirchenfeindlichen Positionen im AfD-Landtagswahlprogramm geplant. Zudem gibt es neben Info-Broschüren auch Schulungsangebote zum Umgang mit Rechtsextremismus etwa in der Jugendarbeit und zu juristischen Tools gegen autoritäre und rechte Angriffe sowie Argumentationstrainings gegen Stammtisch-Parolen.
Bischof Feige hob hervor, wenn den Kirchen im Land – wie im AfD-Landtagswahlprogramm angekündigt – Gelder gestrichen würden, "dann schadet das nicht den kirchlichen Institutionen, sondern Menschen". Und zwar all jenen, die etwa von den vielfältigen Hilfsangeboten der Caritas profitierten oder den kirchlichen Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen. Diese stünden allen Menschen offen. Aus Sicht des Bonifatiuswerkes wird gerade in der Diaspora des Bistums Magdeburg sichtbar, wofür Kirche steht: „Für die Würde jedes Menschen, für Hoffnung statt Resignation und für ein menschliches Miteinander. Mit der Unterstützung der Initiative wollen wir dazu beitragen, kirchliche Räume als Orte der Verständigung und Gewissensbildung zu profilieren“, sagte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen.
Träger des Bündnisses sind neben dem Bistum weitere katholische Organisationen und Initiativen, zum Beispiel die Caritas, die Edith-Stein-Schulstiftung und die katholische Erwachsenenbildung. Die Initiative ist darüber hinaus Teil des zivilgesellschaftlichen Bündnisses SACHSEN-ANHALT WELTOFFEN. Die ökumenischen Partner – Evangelische Kirche in Mitteldeutschland EKM, die Evangelische Landeskirche Anhalts und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) – unterstützen die Initiative ebenso wie auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK). Mit 68.000 Mitgliedern ist das Bistum Magdeburg das zweitkleinste deutsche Bistum. Knapp drei Prozent der Sachsen-Anhalter sind katholisch.
(kna/bam)