ÜBERWÄLTIGENDER HÖHEPUNKT DES KATHOLIKENTAGES

1.400 Menschen beim Bonifatiuswerk-Gottesdienst im Würzburger Dom

Gestalteten den Gottesdienst im Würzburger Dom mit: Pfarrer Anontius Sohler, Schwester Elsa und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann
Gestalteten den Gottesdienst im Würzburger Dom mit: Pfarrer Anontius Sohler, Schwester Elsa und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

16.05.2026

Wie viele Menschen zum Gottesdienst in den Würzburger Dom kommen werden, wusste keiner. Das Bonifatiuswerk, die Malteser und die Ansgar-Werke hatten für den heutigen Katholikentag-Samstag zur Messe geladen. Hauptzelebrant Bischof Heinrich Timmerewers gestand bei der Eröffnung ein, man habe Sorge gehabt, dass viele Plätze leer blieben: „Werden wir den Dom füllen können?“ Ja, konnten sie! Mehr als 1.400 Menschen strömten in den St.-Kilians-Dom und ließen jeden Zweifel verpuffen.

Unter den Gästen waren Irme Stetter-Karp (Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ZdK), der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und Reiner Haseloff (Ministerpräsident a.D. Sachsen-Anhalt). Der feierliche Gottesdienst stand unter dem Motto „Sei mutig und stark“. Bischof Timmerevers (Dresden-Meißen) nahm das Leitwort auf und berichtete von Mut machenden Signalen aus den ostdeutschen Bistümern. So hätten sich in jüngster Vergangenheit in seiner Diözese 52 Erwachsene taufen lassen, in Magdeburg waren es 40 und im Erzbistum Berlin sogar 183.

Er dankte dem Bonifatiuswerk für die Unterstützung der Glaubensgeschwister in den ostdeutschen Diaspora-Regionen. Kaum eine Kirche oder kirchliche Einrichtung, die nicht vom Hilfswerk für den Glauben gefördert werde. Bischof Timmerewers richtete sich an die Gottesdienstfeiernden: „Ohne Sie, liebe Katholikinnen und Katholiken, wäre die Unterstützung nicht möglich.“ Als Konzelebranten wirkten Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Paderborn), Erzbischof Herwig Gössl (Bamberg), Bischof Dr. Dominicus Meier OSB (Osnabrück) sowie Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen mit. Judy Bailey und ihre Band begeisterten mit souliger geistlicher Musik.

Konsequent führte das Bonifatiuswerk am Vormittag eines seiner Kernthemen beim Katholikentag fort: Wie geht die Kirche auf Menschen zu, die die Kirche verlassen haben oder kein Vertrauen mehr haben? Der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen ließen die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer an ihren Gedanken teilhaben. 

Erzbischof Bentz sagte, hinter jedem Austritt stehe eine persönliche Biografie. Oft gehe es um Enttäuschung, Distanz und Konflikte. „Aber es bleiben auch Berührungspunkte.“ Es sei wichtig, dass die Kirche „nicht moralisch urteilt. Die Kirche soll Austritte nicht zuerst bewerten, sondern zuhören“. Einfache Lösungen oder Patentrezepte  gebe es dabei nicht. Man müsse mit Ausgetretenen in Beziehung bleiben.

Das Dialogformat drehte sich um die vom Bonifatiuswerk herausgegebene Arbeitshilfe „drinnen, draußen, (n)irgendwo“, die konkrete Ideen für eine sensible Austrittspastoral bietet. Statt theoretischer Abhandlungen setzt die Publikation bewusst auf praktische Anregungen, Gesprächsimpulse und pastorale Hilfen für den Umgang mit Menschen, die das Vertrauen in die Kirche verloren haben.

An dieser Arbeitshilfe war auch Dr. Nils Petrat beteiligt. Der Pfarrer aus Herne brachte im Gespräch mit Julian Heese (Bereichsleiter Missionarische und diakonische Pastoral beim Bonifatiuswerk) bewusst unkonventionelle Ideen ein, wie Kirche neue Formen der Bindung und Wertschätzung entwickeln könnte. „Ich wünsche mir mehr Mitgliederpflege und eine bessere Dankes- und Wertschätzungskultur“, sagte Dr. Petrat. „Man kann darüber nachdenken, Menschen, die 40 Jahre Kirchensteuer bezahlt haben, einen Platz in einer guten Altenpflegeeinrichtung zu garantieren.“ Ein gemeinsames Dinner, bei dem Kirche den Gemeindemitgliedern einfach einmal „Dankeschön“ sagt, nannte er als weiteres Beispiel für eine einfache, aber wirksame Form der Anerkennung.

Nach dem Gottesdienst lud das Bonifatiuswerk gemeinsam mit den Maltesern Projektpartner und Freunde zum Austausch und Netzwerken ins Burkardushaus Würzburg ein. Dort klang der Katholikentag-Samstag in persönlicher Atmosphäre aus.

(sah)