BERATUNGSSTELLE DER CARITAS FÜR JUGENDLICHE IN KRISEN

[U25] Online-Suizidprävention

Christina Obermüller (r.) im Gespräch mit der Ehrenamtlichen Paula (l.), per Zoom ist Flo zugeschaltet. (Foto: M. Nowak)
Christina Obermüller (r.) im Gespräch mit der Ehrenamtlichen Paula (l.), per Zoom ist Flo zugeschaltet. (Foto: M. Nowak)

Online Beratungsstelle für Jugendliche in Krisen

"Es lässt mich nicht kalt", sagt Paula, wenn sie über ihr Ehrenamt spricht. "Aber", fügt sie nachdenklich hinzu, "ich habe gelernt gut mit dem Gelesenen umzugehen und für mich zu sorgen". Die 23-jährige Psychologie-Studentin ist eine von 50 Freiwilligen im Caritas-Projekt [U25], einer Online-Beratungsstelle für Jugendliche in Krisensituationen. Die Beratung bzw. Begleitung wird dabei von ehrenamtlich beratenden Peers (16-25 Jahre), also gleichaltrigen Freiwilligen, übernommen, die in einer viermonatigen Ausbildung auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Der Austausch findet online und anonym statt. Angeleitet werden die Ehrenamtlichen durch ein Team aus drei Sozialarbeiterinnen. Sie stehen ihnen beim Schreiben der Antwortmails zur Seite und leiten auch die auch Supervisionssitzungen, die alle 14 Tage stattfinden.

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Anoymität ist eines der Erfolgsrezepte der Online-Jugendberatung

Jugendliche gehen nicht in die Beratungsstellen. In Freiburg wurde daraufhin 2002 das erste Online-Beratungsbüro gegründet. Schnell wuchs das Projekt auf elf Beratungsstellen bundesweit. Das Berliner [U25]-Büro eröffnete 2013. Interessierte melden sich dort über ein Kontaktformular und bleiben mit einem oder einer der "Peers" im schriftlichen Austausch. Oft über Monate. Rund 150 Ratsuchende sind es jährlich, die allein vom Berliner Projekt begleitet werden. "Da warten dringend junge Menschen auf unsere Unterstützung, und wir müssen aus Kapazitätsgründen unsere Tür schließen", beklagt Anna Ferrario, Leiterin des [U 25] Projektes.

Ich bin beeindruckt, wie viele junge Menschen sich für dieses Ehrenamt begeistern.

Anna Ferrario,
Leiterin der Berliner [U25]- Stelle

Junge Menschen suchen nach einem Ort, an dem sie sich anvertrauen können

"Manchmal habe ich das Gefühl, das hier ist der einzige Ort, an dem mir zugehört wird, ohne verurteilt zu werden. Wo ich schreiben kann, egal was ist, und ich glaube, das hat mich in manchen Momenten tatsächlich schon gerettet", zitiert beispielhaft Sozialarbeiterin Obermüller die Worte anonymisierter Ratsuchender. Das ist berührend, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Obermüller begleitet mit den Caritas-Hauptamtlichen den stets anonymen Schriftverkehr, zudem gibt es regelmäßig Supervisionen für die 40 ehrenamtlichen Online-Berater, denn gerade auch sie kommen in belastende Situationen. Von Suizidgedanken zu hören, sei eine große Herausforderung, gesteht Obermüller. Suzid ist in Deutschland unter Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache, rechnet sie vor. Allein 2020 starben nach den Angaben des Statistischen Bundesamts durch Suizid 9.206 Menschen, darunter 508 Personen unter 25 Jahren. 2019 waren es "nur" 471.

BEWEGTE EINDRÜCKE INS PROJEKT

Suizid bleibt ein Tabu-Thema auch unter Jugendlichen

Es mache Angst und es existierten Mythen, dass man nicht darüber sprechen dürfe, um nicht andere Menschen auf diese Ideen zu bringen, beschreibt Obermüller einen Teil der gesellschaftlichen Debatte. "Doch gerade wenn wir darüber reden, signalisieren wir, dass es hier auch Hilfsangebote gibt". Die Arbeit von [U25] geht weit über das Beratungsangebot hinaus. In verschiedenen Kampagnen versucht das Projekt, Suizid vom Tabu zum Thema zu machen und darüber zu sprechen. Denn: Ein Gespräch kann Leben retten.

 

IHRE ANSPRECHPARTNERINNEN ZU DEN PROJEKTEN

Haben Sie Fragen, wie Sie einzelne Projekte unterstützen können? Nicole Dürdoth (links) und Katrin Sijbom sind Ihnen gerne behilflich.

Nicole Dürdoth

Referentin Kommunikation
05251 29 96-45
nicole.duerdoth@bonifatiuswerk.de

Katrin Sijbom

Leiterin Fundraising
05251 29 96-33
katrin.sijbom@bonifatiuswerk.de