DRITTER PREISTRÄGER

"Radiokinderkirche"

Die dritten Preisträger, gemeinsam mit ZDF Moderator Tim Niedernolte (2.v.l.), BDKJ Bundesvorsitzende Lena Bloemacher (links), Bonifatiuswerk-Präsident Heinz Paus (rechts) Bonifatiuswerk Geschäftsführer Ingo Imenkämper (Mitte hinten), Bischof Dr. Wiesemann (3.v.r.) und Katharina Binz Stellv. Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz (2.v.r.) (Foto: Marius Thöne)

An das Mikrofon, fertig und los: Was da entsteht ist ein Hörspiel nach einer biblischen Geschichte, aufbereitet aus einer kindlichen Perspektive mit einem amüsanten Prolog und dem treuen Begleiter "Lammi". Das Kirchenlamm kann mühelos durch die Jahrhunderte springen. Auch Bibelreporter oder zeitreisende Kinder gehören dazu. "Das Hörspiel soll spannend, unterhaltsam und nicht zu kompliziert sein", sagt die katholische Gemeindereferentin Laura Gaburro. Das Format der Radiokinderkirche (Rakiki) bringt die Kinderkirche in die eigenen vier Wände, sie lädt zum Mitsingen ein und schafft im persönlichen Umfeld einen Raum, in dem Eltern mit ihren Kindern Gottesdienst feiern können. Dieses Angebot gewinnt beim "Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln in Deutschland" des Bonifatiuswerkes den dritten Platz.
"Die üblichen Fernseh- und Radio-Gottesdienste richten sich nur an ein erwachsenes Publikum", erklärt Pastor Martin Gregor von der evangelischen Luthergemeinde Kiel, aus dessen Feder die ersten Sendungen und das Konzept stammen.
 

Im Corona-Lockdown entstanden

Als im März 2020 der erste Corona-Lockdown viele Gottesdienste unmöglich machte, war die Radiokinderkirche der katholischen Pfarrei Franz von Assisi Kiel und der evangelischen Luthergemeinde Kiel geboren. Ursprünglich war ein ökumenischer Kindergottesdienst auf der Bühne des Offenen Kanals auf der Kieler Woche geplant. Durch die coronabedingte Absage wurde die geplante Aktion ins Radio verlegt. "In diesen schwierigen und gerade Kinder belastenden Zeiten sind spezielle Angebote für viele Kinder und Familien hilfreich. Statt wieder nur vor dem Bildschirm zu sitzen, gibt es bei uns Kopfkino: Die guten Mutmach-Geschichten neu erzählt! Dazu Lieder, die zur Bewegung animieren und schließlich Gebete - die fügen stellvertretend in Worte, was Kinderseelen diffus belastet, sie machen Mut und geben Beispiele für eigenes Beten", ergänzt Pastor Martin Gregor.

Neben dem Team der Autorinnen und Autoren, der Technik, der Organisation, Kommunikation und des Controllings wirken mittlerweile unzählige Ehrenamtliche im Alter von 0 bis über 80 Jahren an dem Format der Radiokinderkirche mit. Sie kommen nicht nur aus Kiel, sondern zum Beispiel auch aus Jerusalem. "Da die Aufnahmen auch von zu Hause mit dem Smartphone getätigt werden können, gibt es immer wieder Personen, die für einzelne Folgen gewonnen werden können", erklärt Mit-Initiator und katholischer Familienvater Tobias Raschke.
 

Eine neue Folge kommt alle sechs Wochen

Die eigenen Aufnahmen schicken die Mitwirkenden an Michaela Dresselhaus. Sie arbeitet für den Offenen Kanal Schleswig-Holstein (OKSH) und ist ehrenamtlich für die Technik und den Schnitt der Rakiki-Sendungen zuständig. Ihre Aufgabe besteht auch darin, für das Hörspiel Geräusche zu liefern. Eine Reihe von ihnen sind kostenlos im Internet erhältlich, doch andere produziert sie selbst. "Manchmal muss ich auch kreativ werden. Bei der Geschichte, in der Jesus die Händler aus dem Tempel vertreibt, mussten Holztische fallen. Dafür habe ich auf dem Hof des OKSHs mit Europaletten geworfen und das dann aufgenommen. Die Erzählung von Jona und dem Fisch haben wir aus Sicht einer Möwe erzählt - und es kam darin ein Möwenschiss vor. Um den zu erstellen, habe ich mir eine Tube Remoulade genommen und bin auf eine Leiter gestiegen. Von oben habe ich die Tube ausgedrückt und unten habe ich ein Aufnahmegerät hingestellt, das den Aufprall des Inhaltes auf einer Holzplatte aufgenommen hat", beschreibt Dresslauer ihre ehrenamtliche Tätigkeit.

Mittlerweile schöpfen die Macher aus einem Pool von über 70 Sendungen. Alle sechs Wochen kommt durchschnittlich eine neue Folge hinzu. "Wir möchten so lange weitersenden, wie es uns mit den begrenzten Ressourcen möglich ist", erklärt Raschke und ergänzt: "Das Projekt lebt von der Vernetzung von Personen, denen es ein Anliegen ist, den christlichen Glauben an die nächste Generation auf eine niedrigschwellige zielgruppenorientierte Art und Weise weiterzutragen. Die Zukunft der Kinderpastoral nicht nur in der heutigen Diaspora lohnt sich, wie bei der Radiokinderkirche, ökumenisch zu denken."

Die Radiokinderkirche sendet sonntags regional im Offenen Kanal Lübeck, Kiel und der Westküste, im Hamburger Lokalradio und ist im Livestream und der Audiothek bei TIDE.radio und über den Livestream der einzelnen Sender weltweit erreichbar: www.radiokinderkirche.de.

(met)