VON FREUNDSCHAFT, CHORGESANG UND KLOSTERLEBEN

Paderborner hat mit dem Bonifatiuswerk ein Praktikum in Lettland absolviert

Leonard Stiegemann aus Paderborn hat fünf Monate katholische Einrichtungen in Riga unterstützt. (Foto: David Gorny)
Leonard Stiegemann aus Paderborn hat fünf Monate katholische Einrichtungen in Riga unterstützt. (Foto: David Gorny)

25.04.2020

Bei Kaffee und Kuchen erzählten sie ihm über die junge Geschichte ihres Landes und wie die Zeit des Kalten Krieges bis heute noch in das gesellschaftliche Leben der Letten nachwirkt. Er, das ist Leonard Stiegemann, Paderborner, 23 Jahre alt. Mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken hat er Lettland mit all seinen Facetten für fünf Monate kennengelernt. Sie, das sind die wissbegierigen Senioren, die zweimal die Woche in das Familienhaus in Riga kommen, um Deutsch zu lernen. Die letzten Monate wurden sie von dem jungen Paderborner unterrichtet, zur Freude aller Beteiligten, die über den normalen Unterricht hinausging.


Ein ganz besonderer Namenstag

"Ich hatte meinen eigenen Namenstag vergessen, kam in das Familienhaus und wurde von einem gedeckten Tisch, Gesang und strahlenden Gesichtern empfangen. Meine Überraschung war groß und führte zur allgemeinen Heiterkeit unter den Senioren", beschreibt Leonard Stiegemann einen ganz besonderen Moment in seiner Praktikumszeit, den er nicht so schnell vergessen wird.

Eindrücke aus Lettland

Soziale Einrichtungen unterstützt

Nicht nur als Deutschlehrer war der Student in Riga gefragt. Bei der Ordensgemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe unterstützte er die Suppenküche im russischen Viertel von Riga. Dort bekommen Wohnungslose und Bedürftige ein warmes Getränk und eine heiße Suppe serviert. In einem Tageszentrum für junge Menschen mit Mehrfachbehinderung half Leonard Stiegemann bei den alltäglichen Mahlzeiten oder bei der Arbeit in der Kerzenwerkstatt. "Dabei habe ich gelernt, den Menschen mit Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit zu begegnen und ihre Stärken zu sehen, gleichzeitig konnte ich an meiner eigenen Selbstwahrnehmung arbeiten."


Wenn Glaube lebendig wird

Seine Wahrnehmung der katholischen Diaspora-Kirche in Lettland hat ihn positiv überrascht. Es sei beeindruckend, wie die jungen Menschen ihren Glauben lebten, wie offen und engagiert die Gemeinden seien. Besonders berührt habe ihn das Singen im Kirchenchor, zu dem er von der Gemeinde in Riga herzlich eingeladen war.

So intensiv der Chorgesang auch heute noch in seinen Erinnerungen nachhallt, so lebendig hat Leonard Stiegemann den Glauben bei den Dominikanerinnen von Bethanien, einer Ordensgemeinschaft, die mit vier Schwestern in Riga lebt, erfahren. Als Praktikant hat er bei den Nonnen gelebt und der Klostergemeinde in alltäglichen Aufgaben geholfen, wie der Arbeit im Garten oder dem Renovieren und Streichen der Kleiderkammer für Hilfsbedürftige. "Besonders geprägt haben mich die Sonntage, wenn wir die heilige Messe gefeiert, gemeinsam zu Mittag gegessen und die Taizégottedienste vorbereitet haben", berichtet der Paderborner.

     

Das Praktikum im Norden" kann mittlerweile auf gut 100 ehemalige Praktikanten zurückblicken – jährlich machen sich rund 20 Praktikanten auf den Weg.

ZUR WEBSITE "PRAKTIKUM IM NORDEN"

Besonderer Mehrwert des Programms

"Für uns als Bonifatiuswerk ist es immer wieder schön zu sehen, dass die Praktikanten in ihren jeweiligen Einsatzstellen den direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort haben. Sie erfahren, was es heißt, den Glauben unter besonderen, oft schwierigen Umständen leben zu können und erhalten ein Bild von unserer Kirche, das ein junges, internationales und gastfreundliches Gesicht zeichnet", sagt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen.

(thmei)