04.02.2026
DROHUNGEN GEGEN KIRCHEN IN SACHSEN-ANHALT
04.02.2026
Laut dem Entwurf für das Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt will die AfD bei einer Machtübernahme in dem ostdeutschen Bundesland die Zahlung der Staatskirchenleistungen und die Kirchensteuer abschaffen. Vor den möglichen Folgen warnt der Präsident des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, Manfred Müller: “Die Kirchen betreiben mit dem Geld vom Staat viele Schulen, Kindergärten sowie Jugendhilfeeinrichtungen und Bildungshäuser. Sie erfüllen damit eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe.” Diesen Einrichtungen – und damit auch vielen Spenden-Projekten sowie ehrenamtlichem Engagement – würde nach den AfD-Plänen die finanzielle Grundlage entzogen. Die Leistungen müssten ohne diese Mittel in weiten Teilen vom Staat erbracht werden.
Bislang unterstützt das Bonifatiuswerk als Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität auch viele kirchliche und karitative Projekte in der Diaspora, wo Katholiken in der Minderheit leben – vor allem auch in Ostdeutschland. Mit Spenden aus ganz Deutschland werden unter anderem katholische Kindergärten, die Religiösen Kinderwochen, soziale Einrichtungen und die gelben BONI-Busse finanziert. Zu den geförderten Projekten in Sachsen-Anhalt gehört zum Beispiel das Kinder- und Jugendzentrum Don Bosco in einem Plattenbauviertel in Magdeburg. Für dessen Sanierung hat das Bonifatiuswerk 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Katholische Kitas im Bistum Magdeburg fördert das Bonifatiuswerk jährlich mit mehr als 100.000 Euro.
Die unterstützten Projekte werden von den Diözesen und Gemeinden der Kirchen vor Ort getragen. “In den kirchlichen Einrichtungen werden vielfach auch hohe ehrenamtliche Anteile von engagierten Christinnen und Christen erbracht”, sagte Müller. Die Absichten der AfD schadeten deshalb dem Zusammenhalt in der Gesellschaft und führten zu einer höheren und teureren Staatsquote. In dem Entwurf für das AfD-Wahlprogramm heißt es wörtlich: “Wir werden alles dafür tun, den Kirchen nicht mehr mit absurder Begründung Jahr für Jahr über 40 Millionen Euro in den Rachen zu werfen.” Das Programm soll im April beschlossen werden. Laut Umfragen käme die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte AfD in Sachsen-Anhalt derzeit auf bis zu 40 Prozent der Stimmen. Die Landtagswahl ist am 6. September.
Bonifatiuswerk-Präsident Müller, der von 2004 bis 2020 Landrat für den Kreis Paderborn war, verwies auch auf juristische Hürden: “In einem Rechtsstaat kann man nicht einfach Verträge einseitig aufkündigen. Es handelt sich bei den staatlichen Zahlungen auch nicht um staatliche Förderung der Kirchen, sondern um Zahlungen für ehemalige kirchliche Vermögensrechte.” Diese könnten abgelöst, aber nicht einfach eingestellt werden. Dass in einem Entwurf für ein Wahlprogramm ein Rechtsbruch angekündigt werde, sei in einem Rechtsstaat ein “bemerkenswerter Vorgang”, so Müller. “Der Versuch, die Zahlungen einfach einzustellen, würde sowieso vor den Gerichten sehr schnell scheitern.”
Auch der Magdeburger Bischof Feige hat kürzlich vor den Konsequenzen der AfD-Pläne gewarnt: “Für uns wären die Folgen existenziell”, sagte er dem “Tagesspiegel”. Die Staatsleistungen machten 20 Prozent im Haushalt der Diözese aus. Der umfasse rund 38 Millionen Euro. „Große Rücklagen haben wir nicht“, so Feige. “Sollte es so kommen, könnten wir Pfarreien, Bildungshäuser, soziale Angebote nicht mehr so betreiben.”
Das Bonifatiuswerk mit Sitz in Paderborn ist dem Bistum Magdeburg historisch eng verbunden. Das Hilfswerk wurde 1849 gegründet, als Hilfswerk für Katholiken, die in einer zahlenmäßig extremen Minderheit leben. Bundesweit sammelt es Spenden, um kirchliche Projekte in Diaspora-Regionen in Deutschland sowie im Baltikum und Nordeuropa zu unterstützen. Gerade auch in der DDR-Zeit hat das Bonifatiuswerk die katholische Kirche in Ostdeutschland gestärkt und dabei geholfen, Einrichtungen wie Kitas, Jugendhilfe- und Bildungseinrichtungen zu unterstützen und aufrechtzuerhalten. Zwischen 1949 und 1990 sind aus dem Bonifatiuswerk Hilfen in Höhe von 743 Millionen D-Mark als Unterstützung an die an die katholische Kirche in der DDR geflossen. Nach der Wiedervereinigung 1990 standen in ganz Ostdeutschland große Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen der katholischen Kirche an. Dafür stellte das Bonifatiuswerk unter anderem mit einem sogenannten Feuerwehrfonds mehr als 32 Millionen Euro zur Verfügung.
(thi)