IM GEIST DER GEMEINSCHAFT

Ehemaligentreffen der Bergen-Praktikanten des Bonifatiuswerkes in Klosterneuburg

Großes Wiedersehen in Österreich: Die Ehemaligen des "Praktikums im Norden" mit Mentor Pater Lukas Lorf-Wollesen (vorne 4. von links). (Foto: David Thewes)
Großes Wiedersehen in Österreich: Die Ehemaligen des "Praktikums im Norden" mit Mentor Pater Lukas Lorf-Wollesen (4. von links). (Foto: David Thewes)

12.06.2026

Das Pfingstfest steht von jeher im Zeichen der Begegnung, des Aufbruchs und der Verständigung über Grenzen hinweg. In genau diesem Geist fand am vergangenen Pfingstwochenende ein ganz besonderes Wiedersehen in Klosterneuburg statt: 20 ehemalige Praktikanten, die in den vergangenen Jahren über das Bonifatiuswerk ihren Dienst im norwegischen Bergen absolviert hatten, kamen zu einem Gemeinschaftstreffen zusammen.

Sie alle teilen eine ganz besondere Erfahrung: Sie waren am katholischen St. Paul Gymnasium in Bergen tätig, wo sie tatkräftig die Arbeit von jungen Menschen unterstützten. Ein verbindendes Fundament für alle Jahrgänge war dabei Pater Lukas, der den jungen Menschen während ihrer Zeit in Norwegen als Mentor und geistlicher Begleiter zur Seite stand.


Glauben in der Diaspora

Wer an die katholische Kirche denkt, denkt meist an die eigene Gemeinde und Themen, die die Kirche im deutschsprachigen Raum in unserer Zeit beschäftigen. Doch wie sieht das kirchliche Leben dort aus, wo Christen eine verschwindend kleine Minderheit bilden? Genau hier kommt das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken ins Spiel. Als spendenbasiertes Hilfswerk unterstützt es Gläubige überall dort, wo sie in der sogenannten Diaspora leben – also in einer extremen Minderheitssituation. Gegründet wurde das Werk bereits im Jahr 1849 mit dem Auftrag, Solidarität zu zeigen und den Glauben dort zu stärken, wo die Wege weit und die Gemeinschaften klein sind. 

Ein besonderes Aushängeschild des Bonifatiuswerkes ist das Freiwilligenprogramm "Praktikum im Norden". Jedes Jahr erhalten etwa 25 Jugendliche und junge Erwachsene die Chance, für mehrere Monate tief in die katholische Diaspora Nordeuropas und des Baltikums einzutauchen. Die Reise führt sie in Länder wie Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island, Estland oder Lettland, wo oft weniger als ein Prozent der Bevölkerung katholisch ist.


Vielfältige Einsatzorte, prägende Erfahrungen

Die Einsatzorte vor Ort sind unglaublich vielfältig: Die Freiwilligen arbeiten in Klöstern und Gästehäusern, unterstützen Schulen und Kitas oder engagieren sich in der Pfarreiarbeit und an Bildungseinrichtungen, wie dem Newman-Institut im schwedischen Uppsala. Für die Gemeinden im Norden sind die jungen Helfer aus Deutschland ein echter Segen, während das Praktikum für die Teilnehmenden selbst zu einer prägenden Erfahrung wird. Sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, erproben neue Sprachen und erleben Kirche in einem ganz neuen, internationalen und oft familiäreren Kontext. Das Bonifatiuswerk begleitet die Jugendlichen dabei professionell mit Seminaren und einem festen Ansprechpartner. Das Programm beweist eindrucksvoll: Glaube braucht keine großen Strukturen – manchmal reichen ein paar engagierte Hände und, in diesem Fall ganz konkret, der Mut, gen Norden aufzubrechen.

Festliche Konzertmesse zum Pfingstfest

Der Höhepunkt des Wochenendes führte die Gruppe tief in das spirituelle Herz des Stiftes Klosterneuburg. Gemeinsam nahmen die Ehemaligen an der feierlichen Pfingstmesse in der Stiftskirche Klosterneuburg teil. Die Liturgie wurde als feierliche Konzertmesse gestaltet, deren erstklassige musikalische Darbietung der Feier einen besonders glanzvollen und würdigen Rahmen verlieh.

Die Verbindung von Musik und Liturgie bot der Gruppe nicht nur einen Moment des Innehaltens, sondern auch die perfekte Gelegenheit, den Dank für die prägende Zeit in Bergen und die daraus entstandenen Freundschaften im Gebet vor Gott zu tragen. Es wurde spürbar, dass der Glaube das tragende Netz ist, das die ehemaligen Praktikanten über Jahre und Ländergrenzen hinweg zusammenhält.


Zu Besuch im Stift Heiligenkreuz

Neben den Feierlichkeiten in Klosterneuburg weitete die Gruppe ihren Blick und unternahm einen gemeinsamen Ausflug in den Wienerwald, um das geschichtsträchtige Zisterzienserstift Heiligenkreuz zu besuchen. Novizenmeister Pater Tarsicius führte die Gruppe durchs Stift und gab auch eine kurze musikalische Darbietung auf der Orgel der Stiftskirche. Der Austausch an diesem traditionsreichen Ort klösterlichen Lebens bot eine wunderbare Ergänzung zum Programm. 


Ein lebendiges Netzwerk der Diaspora

Das Treffen hat einmal mehr gezeigt, dass die Erfahrung eines Auslandspraktikums am St. Paul Gymnasium kein kurzes Erlebnis ist, sondern etwas, was Früchte trägt, die weit in die Zukunft reichen. Die Lebendigkeit und der Zusammenhalt dieser Gruppe junger Menschen – über verschiedene Jahrgänge hinweg – sind ein schönes Zeugnis für eine weltumspannende Kirche.

Mit großer Vorfreude und gestärkt durch die gemeinsame Zeit im Wienerwald und in Klosterneuburg blicken alle Beteiligten bereits auf das nächste Wiedersehen. Ein herzliches Vergelt’s Gott gilt allen, die dieses verbindende Wochenende mitorganisiert und möglich gemacht haben, sowie Dom Lukas und dem Bonifatiuswerk für die fortwährende Unterstützung dieser wertvollen Wege der Gemeinschaft.

(David Thewes)