ST. JOSEPH EMLICHHEIM GESTALTET ZUKUNFT UNTER EINEM DACH
04.06.2026
Das Bonifatiuswerk fördert innovative Bauprojekte in der Diaspora, die kirchliches Leben auch unter veränderten Bedingungen ermöglichen. Dazu zählt ein zukunftsweisendes Vorhaben in der Pfarrei Emlichheim im Bistum Osnabrück an der niederländischen Grenze: Dort wurde das Gemeindehaus in den Kirchenraum integriert – ein bewusstes Zeichen für Aufbruch und neue Wege. Jetzt wurde dort der erste Gottesdienst gefeiert. 90.000 Euro hat das Bonifatiuswerk für das Projekt aus seinem Bauhilfe-Etat zur Verfügung gestellt. Die offizielle Wiedereröffnung ist für den 21. Juni mit Bischof Dr. Dominicus Meier geplant.
Die Kirche St. Joseph wurde 1976 mit Unterstützung des Bonifatiuswerkes errichtet. Heute steht sie wie viele Kirchen in der Diaspora vor neuen Herausforderungen: Von den 340 Sitzplätzen bleiben viele leer, besuchen in der Regel nur etwa 60 bis 100 Gläubige die Sonntagsgottesdienste. Gleichzeitig sind das benachbarte Pfarrhaus und das gegenüberliegende Gemeindehaus aus den 1970er Jahren zu groß geworden und sanierungsbedürftig.
Aus dieser Situation entstand eine konsequente Idee: Die bisherigen Gebäude in dem Gemeindeverbund sollten aufgegeben und die Gemeinderäume künftig direkt in die Kirche St. Joseph integriert werden. Möglich wurde das durch ein „Gebäude im Gebäude“-Konzept. Kern ist ein neu geschaffener Gemeindesaal, der an den Kirchenraum angebunden ist. Bewegliche Wände erlauben es, den Raum flexibel zu nutzen: Im Alltag entsteht ein kompakter Kirchenraum. Zu Hochfesten kann der Gemeindesaal geöffnet und in den Kirchenraum einbezogen werden. So passt sich die Fläche künftig den tatsächlichen Bedürfnissen der Gemeinde an.
Mit dem Umbau verfolgte die Pfarrei klare Ziele: Kirche und Gemeindeleben sollen räumlich zusammengeführt werden. Begegnung, Austausch und gemeinsames Feiern finden künftig unter einem Dach statt – ohne Trennung zwischen liturgischem Raum und Gemeindeleben. Die Vorteile liegen auf der Hand: Gottesdienste in kleiner Runde können in den Wintermonaten in beheizbaren Nebenräumen stattfinden. Begegnungen nach dem Gottesdienst werden einfacher, da angrenzende Räume direkt erreichbar sind. Zudem entwickelt sich die Kirche zum zentralen Versammlungsort für alle Bereiche des Gemeindelebens.
Die Umgestaltung in Emlichheim ist ein Beispiel dafür, wie auf Leerstand und hohe Unterhaltungskosten reagiert werden kann – nämlich mit einem flexiblen Raumkonzept, das Liturgie und Gemeinschaft enger verbindet. Das Vorhaben steht damit beispielhaft für den Transformationsprozess, den das Bistum Osnabrück unter das Leitwort „verändert bleiben“ gestellt hat.
(Andreas Peters)