Es ist mehr als Beton, Stahl und Stein: Das Bonifatiuswerk hat am Freitag (9. Oktober 2026) sein Mehrgenerationenhaus am Tegelweg in Paderborn eingeweiht und gesegnet. Nach rund 20 Monaten Bauzeit ist ein neuer Wohn- und Begegnungsort fertiggestellt worden, an dem Menschen unterschiedlichen Alters eine neue Heimat gefunden haben.
Das fünfgeschossige Gebäude beherbergt 18 Wohnungen. 17 sind barrierefrei, eine weitere erfüllt behindertengerechte Standards. Per Aufzug sind sämtliche Etagen rollstuhl- und rollatorgerecht erschlossen. 14 Stellplätze stehen den Mieterinnen und Mietern in der Tiefgarage zur Verfügung. Insgesamt umfasst das Gebäude mehr als 2.300 Quadratmeter Fläche, davon sind knapp 1.430 Quadratmeter Wohnfläche.
„Dieses Haus soll mehr sein als eine Immobilie. Es soll ein Ort sein, an dem Menschen miteinander leben, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen“, sagte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen bei der Segnung des Gebäudes. „Christlicher Glaube zeigt sich auch darin, wie wir miteinander und füreinander da sind – in einer Gesellschaft, die immer anonymer wird, in der Menschen auch vereinsamen.“ Insofern sei das Haus „eine kleine gesellschaftliche und kirchliche Vision“.
Zum Mehrgenerationenhaus gehört das „Haus Emmaus“. Der eingeschossige Solitärbau, der im Garten errichtet wurde, bietet Raum für Begegnung. Dort können die Bewohnerinnen und Bewohner miteinander feiern, speisen, sich zum Gebet treffen oder gemeinsam eine Fußballspiel-Übertragung gucken. „Der Name Emmaus steht für Menschen, die miteinander unterwegs sind, ins Gespräch kommen und Gott begegnen“, erklärte Monsignore Austen, warum der Treffpunkt den Namen „Haus Emmaus“ trägt. „Genau das wünschen wir uns für diesen Ort – dass aus Nachbarschaft Gemeinschaft wird und aus dem Nebeneinander ein Miteinander.“
Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper nahm den Gedanken auf: „Für das Bonifatiuswerk ist dieses Haus weit mehr als eine Wertanlage. Es ist ein Modellprojekt: Wir wollen zeigen, dass Wohnen aus christlichem Geist gelingen kann und dass davon ein Impuls ausgeht, weit über dieses Grundstück am Tegelweg hinaus. Uns war besonders wichtig, dass die Mieten für die Menschen auch bezahlbar sind.“
Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller war zuvor in seiner Begrüßung auf den angespannten Wohnungsmarkt eingegangen. „Es muss Wohnraum geschaffen werden. Das ist auch in Paderborn besonders wichtig. Dazu können wir nun als Bonifatiuswerk einen Beitrag leisten“, sagte Müller, der sich bei den Nachbarn für die Geduld während der Bauphase bedankte. Der Präsident bezeichnete das neue Mehrgenerationenhaus als „besonderes Zeichen“ in einer Zeit der Polarisierung. Müller: „Ein Zeichen, dass wir einen Kontrapunkt setzen gegen Polarisierung, sondern für mehr Gemeinschaft und für das Miteinander hier in diesem Gebäude, der auch auf die Nachbarschaft ausstrahlen soll.“
Generalvikar Thomas Dornseifer nahm Bezug auf das schmuckvolle Fassadenfenster, das den heiligen Bonifatius zeigt und vom Erzbistum Paderborn gestiftet wurde. Er sieht viel Gemeinsames zwischen dem Leben des Bonifatius und der Idee des Mehrgenerationenhauses. „Der heilige Bonifatius sammelte Gefährten um sich, er glaubte und arbeitete im Verbund. Das Miteinander war für ihn keine Nebensache, sondern die Grundlage seines Wirkens. Die Erfahrung der Älteren bereichert die Jüngeren, und die Lebendigkeit der Jüngeren erfreut und ermutigt die Älteren.“ Bürgermeisterin Stefanie Harth sagte: „Paderborn ist eine katholisch geprägte Stadt, zugleich aber auch eine vielfältige Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Weltanschauungen miteinander leben. Projekte wie dieses können dazu beitragen, dass aus einem Nebeneinander ein Miteinander wird.“
Möglich wurde der Neubau vor allem durch den Verkauf einer Immobilie des Bonifatiuswerkes in München. Das Grundstück am Paderborner Tegelweg war dem Hilfswerk vererbt worden. Die beiden darauf stehenden Wohnhäuser wurden vor dem Bau des Mehrgenerationenhauses abgerissen, weil eine Sanierung wirtschaftlich und energetisch nicht sinnvoll gewesen wäre.
Die Baukosten liegen bei etwa 6,7 Millionen Euro und damit innerhalb des vorgesehenen Budgetrahmens. Die Bauzeit betrug rund 20 Monate. Witterungsbedingt hatte sich die Fertigstellung gegenüber der ursprünglichen Planung um gut drei Monate verzögert.
Mit der Planung und Gestaltung waren die RSK Architekten aus Paderborn betraut. Die Wegener Massivhaus GmbH führte den Bau als Generalunternehmer aus.
(SAH)









