News //

DiSo 2026 Nachrichten regulär

„Die Zukunft der Kirche entscheidet sich an ihrer Glaubwürdigkeit und Strahlkraft“

Bonifatiuswerk eröffnet bundesweite Diaspora-Aktion im Fuldaer Dom – 60 Jahre Einsatz für Glauben und Solidarität

Unter dem Leitmotiv „Glauben bezeugen – Hoffnung teilen“ hat Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen heute die 60. Diaspora-Aktion in Fulda eröffnet. Foto: Hartmut Salzmann

Unter dem Leitmotiv „Glauben bezeugen – Hoffnung teilen“ hat Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen heute die 60. Diaspora-Aktion in Fulda eröffnet. Foto: Hartmut Salzmann

Wie kann Kirche in einer Gesellschaft, in der der christliche Glaube für immer weniger Menschen selbstverständlich ist, Hoffnung und Zuversicht vermitteln? Diese Frage stand im Mittelpunkt der bundesweiten Diaspora-Aktion 2026, die das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken am Sonntag (8. November) in Fulda eröffnet hat. Zum 60-jährigen Jubiläum des bundesweiten Diaspora-Sonntags rückte das internationale Hilfswerk die Rolle der Kirche in der heutigen Gesellschaft ebenso in den Mittelpunkt wie die Erfahrungen katholischer Christinnen und Christen in Nordeuropa. Den Auftakt bildete das Pontifikalamt mit dem Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber im Hohen Dom.

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen nutzte das Jubiläum dazu, die Frage aufzuwerfen, was Diaspora heute ist: „Diaspora beginnt dort, wo die Glaubensinhalte nicht mehr selbstverständlich geteilt werden.“ Die religiöse Landschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Kirchliche Bindungen schwänden, religiöse Traditionen würden in vielen Familien oft nicht mehr gelebt und weitergegeben. Die Herausforderungen der Diaspora beträfen damit längst nicht mehr nur die klassischen katholischen Minderheitenregionen in Nord- und Ostdeutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.

Austen warb dafür, diesen Veränderungen mit Offenheit und einer einladenden Haltung zu begegnen. Kirche müsse zunächst verstehen, was Menschen heute bewege, ihre Lebensentwürfe respektieren und Beziehungen aufbauen, die Menschen existenziell berühren. Gerade junge Menschen suchten angesichts weltweiter Krisen und Kriege nach Sicherheit, Orientierung und Hoffnung, was sich auch in der aktuellen europaweiten Protestbewegung zeige. „Die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht allein an ihrer Größe, sondern an ihrer Glaubwürdigkeit und Strahlkraft, dem verbindenden Gebet und selbstredend dem geistlichen Profil“, unterstrich der Generalsekretär. Der christliche Glaube könne gerade in unsicheren Zeiten eine Quelle von Vertrauen und Zuversicht sein. Austen: „Dafür steht unser diesjähriges Leitwort: ,Glauben bezeugen – Hoffnung teilen‘.“

Im Pontifikalamt griff der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber die Lebenswirklichkeit katholischer Christinnen und Christen in Nordeuropa auf. Ausgehend von der Lebensgeschichte des isländischen Jesuiten und Schriftstellers Jón Svensson beschrieb er, wie Menschen trotz Flucht, Entwurzelung und persönlicher Brüche im Glauben Halt und neue Heimat finden können. „Dort, wo wir äußerlich entwurzelt sind, wo wir eine Minderheit sind, dort kann das Netzwerk der Glaubenden uns neu Heimat geben und damit Kraftquelle sein, unseren Alltag zu leben“, sagte Gerber in seiner Predigt. Zugleich würdigte er die Glaubenskraft und Zuversicht, die von katholischen Gemeinden in Nordeuropa ausgingen. Ihr Zeugnis sei auch eine Bereicherung und Ermutigung für die Kirche in Deutschland.

60 Jahre gelebte Solidarität

Beim anschließenden Festakt stand das 60-jährige Bestehen der Diaspora-Aktion im Mittelpunkt. Seit 1966 ruft das Bonifatiuswerk dazu auf, Menschen in solidarischer Verbundenheit zu unterstützen, die ihren Glauben unter schwierigen Bedingungen leben. Dabei geht es nicht allein um finanzielle Hilfe, sondern auch darum, Glaubensgemeinschaft zu ermöglichen, Begegnungsorte zu schaffen und christliches Leben zu stärken.

Armin Schwarz, hessischer Minister für Kultus, Bildung und Chancen, sagte dazu: „Die Idee der Diaspora-Aktion bleibt hochaktuell: Menschen sollen ihren Glauben leben und Gemeinschaft erfahren können, auch wenn sie vor besonderen Herausforderungen stehen. Das Bonifatiuswerk hat gerade in Ostdeutschland über Jahrzehnte hinweg Menschen unterstützt, die ihren Glauben in der Minderheit leben. Dabei ging es um geistige Verbundenheit und um die Gewissheit, nicht vergessen zu sein.“ Das diesjährige Leitwort ‚Glauben bezeugen – Hoffnung teilen‘ treffe einen „Nerv unserer Zeit“. Minister Schwarz weiter: „Es verbindet zwei zentrale Gedanken: Verantwortung für andere übernehmen und Menschen Halt und Zuversicht geben.“

Dass der christliche Glaube auch in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft neue Anziehungskraft entfalten kann, erläuterte der Jesuit Pater Dr. Dominik Terstriep SJ anhand von Erfahrungen aus seiner Pfarrei St. Eugenia im Zentrum von Stockholm. Dort würden in diesem Jahr voraussichtlich 120 Erwachsene durch Taufe oder Konversion in die katholische Kirche aufgenommen – mehr als dreimal so viele wie in den Vorjahren. Etwa zwei Drittel seien zwischen 17 und 30 Jahre alt. Viele hätten zuvor kaum Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben gehabt. Der aus dem Bistum Münster stammende Jesuit warnte allerdings davor, darin vorschnell einen allgemeinen religiösen Aufbruch zu sehen. Zugleich warb er für Zuversicht und forderte mehr Mut: „Die Kirche ist nicht am Ende, sondern befindet sich in einer Metamorphose, die von uns heilige Neugier und Gestaltungswillen fordert. Manchmal bedeutet das, Neues zu wagen. Menschen einzuladen, die wir bisher nicht im Blick hatten.“

Wie wichtig dem Bonifatiuswerk die konkrete Hilfe vor Ort ist, zeigt auch das diesjährige Beispielprojekt der Diaspora-Aktion: die Hospiz- und Trauerarbeit des Malteser Hilfsdienstes in Berlin. Mit vielfältigen Angeboten begleitet sie Menschen in Zeiten von Abschied, Verlust und Trauer. Dazu gehören auch ungewöhnliche Begegnungsformate wie der Tanztreff „Tango bewegt die Seele“ für lebensverkürzend Erkrankte und Trauende. Der Tango ermöglicht es, Nähe, Lebensfreude und Gemeinschaft zu erfahren und auch in Zeiten von Abschied, Verlust und Trauer neue Kraft zu schöpfen.

Höhepunkt der bundesweiten Diaspora-Aktion ist der Diaspora-Sonntag am 15. November. An diesem Tag sammeln katholische Gemeinden in ganz Deutschland Spenden für die Arbeit des Bonifatiuswerkes. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe unterstützt das Hilfswerk Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum. Gefördert werden unter anderem kirchliche Begegnungsorte, Angebote für Kinder und Jugendliche sowie Projekte, die Gemeinschaft, Seelsorge und gelebten Glauben ermöglichen.

(SAH)
 

Die 60. Diaspora-Aktions-Eröffnung in Bildern