Mit einem eindrucksvollen Gottesdienst in der Paderborner Gaukirche wurde an diesem Sonntag der letzte Programmtag des internationalen Netzwerktreffens „Europa im Zeichen des Pfaus“ eröffnet. Junge Menschen aus mehr als einem Dutzend europäischer Länder beteiligten sich an der Gestaltung der Messe und hielten zum Beispiel Fürbitten auf Niederländisch, Finnisch, Bulgarisch, Slowakisch und Litauisch. Ein Ensemble der Musik- und Kunstschule Sliac aus der Slowakei bereicherte den Gottesdienst musikalisch.
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen ging in seiner Predigt darauf ein, wie die junge Generation zurzeit Europa erlebt: „Kriege, Klimakrise, soziale Unsicherheit, Hass im Netz und die Sorge, ob eine gute Zukunft überhaupt möglich ist.“ Da sei der Wunsch verständlich, sich zurückzuziehen und der Politik die Probleme zu überlassen, so Monsignore Austen. „Aber Jesus traut uns mehr zu. Er traut uns zu, Verantwortung zu übernehmen. Nicht allein, nicht perfekt, aber gemeinsam.“ Für Christen stehe dabei vor allem die Würde des Menschen als Ebenbild Gottes im Mittelpunkt: „Die entscheidende Frage ist nicht: Sind wir alle gleich? Sondern: Können wir einander als Menschen mit gleicher Würde begegnen?“ Dann bedeute Verschiedenheit nicht zwangsläufig Trennung. Beim Gottesdienst in der Gaukirche betete die internationale Gemeinde das Vaterunser, jeder in seiner Landessprache, und alle reichten dabei einander die Hände - eine Geste des Miteinanders über Grenzen hinweg.
Das europäische Netzwerktreffen mit etwa 50 Schülerinnen und Schülern, Studierenden sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Bildung und Kultur fand von Freitag bis Sonntag im Paderborner Rathaus statt. Die Begegnung stand dieses Jahr unter dem Motto „Erinnerung, Verantwortung, Solidarität“. Auch Paderborner Schulen waren beteiligt: Schülerinnen und Schüler präsentieren im Rahmen des Treffens ihre Erfahrungen aus dem EU-Austauschprogramm „Erasmus+".
Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützt das Europa-Netzwerktreffen als Kooperationspartner. Das internationale Hilfswerk für die Diaspora, gegründet im Jahr 1849, hat seine Zentrale in Paderborn. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert es Projekte in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum.
Monsignore Austen hatte beim Netzwerktreffen am Samstag auch das bundesweit beliebte „Praktikum im Norden“ vorgestellt, den Freiwilligendienst des Bonifatiuswerkes. Interessierten ab 18 Jahren wird in den Förderländern des Hilfswerks ein Auslandsaufenthalt von mindestens sechs bis elf Monaten ermöglicht. “Die Berichte der Schülerinnen und Schüler aus dem Erasmusprogramm und unser Praktikantenprogramm im Bonifatiuswerk machen deutlich: Manchmal braucht es nur den Schritt in ein anderes Land, in eine andere Lebenswirklichkeit, um den eigenen Blick zu verändern”, sagte er. “Wer sich auf Neues einlässt, entdeckt nicht nur andere Menschen und Kulturen. Er entdeckt oft auch neue Seiten an sich selbst und vielleicht auch im Glauben an Gott.” Monsignore Austen überreichte den Helfern und Organisatoren des Netzwerktreffens das neu erschienene Kochbuch “Taste the North”, in dem Teilnehmer des “Praktikums im Norden” Kochrezepte aus den verschiedenen Ländern vorstellen.
Veranstaltet wurde das Netzwerktreffen vom Westfälischen Forum für Kultur und Bildung e. V. Die Initiatoren des Programms sind Dr. Ulrike Kurth, Vorsitzende des Westfälischen Forums e. V., Michael Dreier, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Paderborn, sowie Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen.
(THI)




