„Ich freue mich darauf, andere Ausdrucksweisen des Glaubens kennenzulernen.“ „Ich glaube, dass wir gemeinsam etwas Wichtiges entstehen lassen können – nicht, indem wir einfach Konzepte kopieren, sondern indem wir uns gegenseitig inspirieren.“ Mit diesen Erwartungen blicken Teilnehmende auf SPIRIT EXPO|SURE, das internationale Austauschprogramm des Bonifatiuswerkes. Insgesamt 28 pastorale Mitarbeitende und engagierte Ehrenamtliche aus Deutschland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Island, Lettland und Estland machen sich ab November auf den Weg, um neue Perspektiven auf den Glauben und das kirchliche Leben in der Diaspora zu gewinnen. Andere möchten erfahren, warum die Kirche in manchen Regionen Nordeuropas wächst, während sie in Deutschland zahlenmäßig kleiner wird, neue Impulse für ihre pastorale Arbeit sammeln oder den eigenen Glauben vertiefen.
Beim digitalen Auftakttreffen an diesem Montag lernten sich die Teilnehmenden erstmals kennen und erhielten weitere Einblicke in die Ziele und den Ablauf des Programms. Dabei wurde deutlich: SPIRIT EXPO|SURE lädt dazu ein, sich mit offenen Fragen, unterschiedlichen Erfahrungen und der Bereitschaft, vertraute Perspektiven zu verlassen, auf ein Abenteuer einzulassen.
Als Kundschafter unterwegs sein
Für Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen steht die Haltung der Kundschafter im Mittelpunkt des Programms: „Das biblische Motiv der Kundschafter und Traubenträger beschreibt Menschen, die ausgesandt werden, um ein Land und seine Bewohner kennenzulernen, die Früchte ihres Lebens zu entdecken und davon zu berichten. Auf SPIRIT EXPO|SURE übertragen bedeutet das: Die Teilnehmenden sollen erkunden, wie Menschen in unterschiedlichen Regionen ihren Glauben leben, was ihre Gemeinden trägt und vor welchen Herausforderungen sie stehen.“ Dabei gehe es nicht darum, vorschnell zu urteilen oder fertige Lösungen zu übertragen, sondern aufmerksam hinzusehen, zuzuhören und Fragen zu stellen. „Wir wollen Menschen aussenden, die mit offenen Augen und Ohren entdecken, was Kirche und Glaube in unterschiedlichen Ländern prägt. Es geht nicht darum, kirchliche Modelle miteinander zu vergleichen, sondern die Lebenswirklichkeiten vor Ort kennenzulernen und ihre besonderen Erfahrungen wahrzunehmen“, erklärt Austen.
Impulse für die Kirche von morgen
Zugleich sei es eine Chance, sich auf neue Begegnungen und ungewohnte Erfahrungen einzulassen. „Unser Glaube lebt von Menschen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen. Wenn wir uns auf andere Lebenswirklichkeiten einlassen, können wir entdecken, was uns als Weltkirche verbindet und welche Perspektiven sich daraus für die Zukunft der Kirche ergeben“, verdeutlicht Austen.
SPIRIT EXPO|SURE versteht sich dabei nicht als klassisches Studienprogramm, sondern als spiritueller Lernweg, der von persönlicher Begegnung, Respekt und Dialog geprägt ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gottes Gegenwart dort erfahrbar wird, wo Kirche klein, vielfältig oder für viele Menschen kaum noch vertraut ist und was das für Christinnen und Christen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft bedeutet.
14 Tandems besuchen sich gegenseitig
Die 28 Teilnehmenden bilden 14 Tandems, die sich gegenseitig besuchen und unmittelbare Einblicke in das kirchliche Leben ihrer jeweiligen Regionen erhalten. Von November 2026 bis Februar 2027 empfangen die deutschen Teilnehmenden ihre Partner aus dem Ausland. Zwischen März und Oktober 2027 reisen sie anschließend in deren Heimatregionen nach Nordeuropa oder in das Baltikum. Die gegenseitigen Besuche dauern jeweils bis zu zehn Tage.
Zum Programm gehören Hospitationen in pastoralen Einrichtungen, Gespräche mit Haupt- und Ehrenamtlichen sowie Begegnungen mit kirchlichen Verantwortungsträgern. Die Tandems lernen unter anderem die Familien-, Jugend- und Sozialpastoral kennen, besuchen Gottesdienste und geistliche Angebote und tauschen sich über die Chancen und Herausforderungen des kirchlichen Lebens in der Diaspora aus.
"Einheit der Weltkirche stärken"
Die Teilnehmenden sollen ihre Erfahrungen in Gemeinden und Diözesen weitertragen. „Wir wollen daraus Impulse für das kirchliche Leben, für eine lebensnahe Pastoral und den gesellschaftlichen Dialog gewinnen und zugleich unsere Einheit als Weltkirche stärken“, sagt David Gorny als verantwortlicher Projektreferent. Die Ergebnisse des Programms sollen beim 105. Deutschen Katholikentag 2028 in Paderborn vorgestellt und diskutiert werden.
Zum Abschluss des digitalen Auftakttreffens gab Monsignore Austen den Teilnehmenden das Gebet „Unterwegs nach Emmaus“ mit auf den Weg. Es erinnert daran, dass Menschen unterwegs Weggefährten und Freunde finden, sich mutig auf Unbekanntes einlassen und nicht allein bleiben. Auch das gemeinsame Teilen von Brot und Wein steht für die verbindende Kraft des Glaubens.
(thmei)


