Die katholische Kirche in Island hat allen Grund zu feiern: Der Kirchenneubau „Heilig Kreuz“ in der 10.000-Einwohner-Stadt Selfoss ist am Samstag feierlich eingeweiht worden. Nach mehr als zweijähriger Bauzeit konnte der jungen katholischen Gemeinde im Süden Islands nun endlich das sehnlich erwartete eigene Gotteshaus übergeben werden. Zur Kirche gehören auch ein Gemeindezentrum und eine Priesterwohnung. Das Bonifatiuswerk und das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe haben das Projekt mit mehr als 1,1 Million Euro gefördert. Die Gesamtbaukosten liegen umgerechnet bei gut vier Millionen Euro.
Mehrere Hundert Gäste aus dem In- und Ausland waren nach Selfoss gekommen – eine überwältigende Resonanz. Die feierliche Weihe wurde von Bischof David Tencer (Reykjavík) vorgenommen. In seiner Predigt sagte er vor mehr als 200 Gästen: „Es war nicht allein unser Ziel, ein Kirchengebäude zu errichten. Unser Ziel ist und wird es immer bleiben, an diesem wunderbaren Ort gemeinsam mit Menschen guten Willens eine lebendige Kirche zur Ehre Gottes aufzubauen.“
Bereits im vergangenen Jahr hatte Bischof Tencer die Heilig-Kreuz-Gemeinde gegründet. Sie ist die neunte katholische Gemeinde in dem nordeuropäischen Inselstaat. Bischof Tencer: „Alle, die etwas zu diesem guten Werk beigetragen haben, sind Teil der Geschichte der katholischen Kirche in Island geworden – und der Geschichte der Heilig-Kreuz-Pfarrei in Selfoss.“ Seinen Dank richtete der Bischof besonders an das Bonifatiuswerk und das Diaspora-Kommissariat.
Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen nimmt die Kirchweihe zum Anlass, auf den Weg von der ersten Idee bis zur Fertigstellung zurückzublicken. „Dieser Kirchenbau erzählt von einem langen Atem und von Menschen, die ihre Hoffnung nicht aufgegeben haben. Seit den ersten Plänen im Jahr 2010 gab es Widerstände und Verzögerungen. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück war nicht einfach. Und manche bürokratische Hürde galt es zu nehmen – und nicht zuletzt hat auch das isländische Wetter seinen Teil zur Verzögerung der Bauarbeiten beigetragen.“ Umso größer sei nun die Freude. „Heilig Kreuz ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Glaube Räume braucht – und dass aus Geduld, Beharrlichkeit und Gottvertrauen etwas Tragendes entstehen kann,“ so Austen.
Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper nahm an der Einweihungszeremonie teil. In seinem Grußwort hob er hervor: Die neue Kirche sei ein Zeichen der Hoffnung, „das weit über Island hinaus leuchtet. Viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern finden hier ein Zuhause“. Diese Vielfalt werde in die Gesellschaft Islands gute Impulse aussenden. „Und auch den Gläubigen in Deutschland macht diese Geschichte Mut“, so Imenkämper. Denn in Deutschland werde über die zukünftige Struktur der Gemeinden diskutiert. Diese Diskussion könne dazu führen, dass Kirchen und Gemeindezentren – und damit liebgewonnene Orte – geschlossen oder zusammengelegt werden. „Aber hier, in der nordischen Diaspora, geschieht oft das Gegenteil. Die Gemeinden werden größer. Sie sind jung und international. So ist Weltkirche – das ist wunderbar“, zeigte sich Ingo Imenkämper begeistert. Er habe große Dankbarkeit für die Unterstützung durch das Bonifatiuswerk und das Diaspora-Kommissariat erlebt, so der Bonifatiuswerk-Geschäftsführer. Mit Blick auf das Gebäude und dessen Architektur geriet er ins Schwärmen: „Die Kirche ist wunderbar geworden. Sie passt sich ganz toll in die Landschaft ein.“
So hat es auch die Paderbornerin Barbara Tigges-Mettenmeier erlebt, für die die Teilnahme an der Weihefeier der krönende Abschluss einer privaten Island-Reise war: „Es ist ein wunderschöner Ort, an dem die Kirche entstanden ist – eine schlichte, wunderbare Kirche.“ Begeistert habe sie die lebendige Gemeinde: „Es war sehr beeindruckend, mit welcher Begeisterung so viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in die Kirche strömten.“ Barbara Tigges-Mettenmeier hat den Neubau mit einer Spende an das Bonifatiuswerk unterstützt – und das aus voller Überzeugung: „Wir haben bei unserer Reise an vielen Stellen die Vereinzelung der Menschen in dieser überwältigenden, aber weiten Natur gesehen. Dass man sich hier in der Kirche treffen und Gemeinschaft und Glaube leben kann, ist sehr wichtig.“
Die 10.000-Einwohner-Stadt Selfoss ist eines der urbanen Zentren im dünn besiedelten Südisland. Die Gemeindemitglieder leben weit verstreut. Sie nehmen lange Autofahrten in Kauf, um am Gottesdienst teilzunehmen. Durch das neue geistliche Zentrum verbessert sich diese Situation für viele Gemeindemitglieder. Bislang musste die Gemeinde ihre Gottesdienste in angemieteten Räumen und einer kleinen Kapelle feiern. Die neue Kirche schafft nun einen festen Ort für Gottesdienste, Begegnung, Katechese und das Gemeindeleben.
Seelsorgerisch betreut werden die Glaubensgeschwister von dem aus den Philippinen stammenden Priester Mercurio Claudio Rivera III. Dank der neuen Priesterwohnung lebt künftig dauerhaft ein Geistlicher vor Ort. Der Bau der Wohnung ist maßgeblich durch Mittel des Diaspora-Kommissariats der deutschen Bischöfe realisiert worden.
Die katholische Kirche in Island ist eine junge und durch Migration international geprägte Diasporakirche. Gut 15.900 Menschen sind dort als Katholikinnen und Katholiken registriert. Der Anteil an der Bevölkerung beträgt 4 Prozent. In der Region rund um Selfoss leben nach Angaben des Bistums mehr als 1.000 Katholiken.
(SAH)









