News //

Heute ist Internationaler Tag des Testaments

Weitergeben, was das eigene Leben geprägt hat

Magdalene Kania im vertrauten Gespräch mit Ulrich Franke, der für sie der direkte Ansprechpartner im Bonifatius Stiftungszentrum ist. Foto: Theresa Meier

Magdalene Kania im vertrauten Gespräch mit Ulrich Franke, der für sie der direkte Ansprechpartner im Bonifatius Stiftungszentrum ist. Foto: Theresa Meier

Was ihr im Leben Halt gibt, möchte Magdalene Kania auch selbst weitergeben: Mit ihrer Unterstützung hilft sie dem Bonifatiuswerk, katholisches Leben in der Diaspora zu stärken.

Zurückblicken, ohne stehenzubleiben

„Ich war nicht gerne Kind.“ Magdalene Kania, die im Westphalenhof in Paderborn lebt, sagt diesen Satz ganz ohne Bitterkeit, eher sachlich, als würde sie eine Tatsache benennen, die zu ihrem Leben gehört. Die 84-Jährige ist in Schlesien geboren, als zweites von fünf Kindern und hat nach dem Krieg in Breslau gelebt. Ihre Kindheit fiel in die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Der Vater war beim Roten Kreuz und im Krieg in Russland, die Mutter musste sich mit mehreren Kindern durch eine Zeit kämpfen, in der es an vielem fehlte. „Die Kindheit war nicht besonders schön“, sagt Kania über diese Jahre. Was ihr geblieben ist, ist die Erinnerung an ihre ältere Schwester: „Wir haben uns sehr gut verstanden. Da bin ich sehr dankbar.“ Vielleicht liegt darin schon etwas von dem, was Magdalene Kania bis heute ausmacht: Sie schaut zurück, aber sie bleibt nicht in der Vergangenheit stehen.

Aufbruch in ein neues Leben

Mit 38 Jahren wagt sie einen Neuanfang. 1980 verlässt sie mit ihrer jüngeren Schwester Polen. Über Friedland und Unna-Massen führt ihr Weg nach Düsseldorf. Dort angekommen müssen die Schwestern sich durch Behörden und Formulare arbeiten. Kania hätte Verwandte in Wuppertal gehabt. Doch Wuppertal kommt für sie nicht infrage. „Ich wollte in die Großstadt und in die Landeshauptstadt.“ Sie findet ihren Weg, besucht eine Sprachschule und beginnt, sich ein neues Leben aufzubauen.

Dabei hilft ihr eine Eigenschaft, die sie selbst als Teil ihres Charakters beschreibt: „Ich bin sehr offen und spreche die Leute an.“ So lernt sie, sich in Düsseldorf zurechtzufinden. Später führt ihr Weg nach Paderborn. Der Grund für den Umzug ist ihr Mann. Die beiden kennen sich bereits aus Polen. Er ist aus Schlesien, lebt inzwischen in Deutschland und findet in Paderborn eine Stelle als Dozent. Kania arbeitet später in der Bibliothek der Universität Paderborn. Gemeinsam bauen sie sich ein Leben auf. Vor sieben Jahren starb ihr Mann. Nach seinem Tod zieht sie in den Westphalenhof – ein Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. 

Sie richtet ihr Leben neu ein. Sie kümmert sich um ihre Blumen und Pflanzen auf dem Balkon. Sie kocht gerne. Und auch heute gehören noch Literatur, Kunst und Musik zu ihrem Leben. Sie liest viel, besucht regelmäßig einen Literaturkreis und interessiert sich für die Malerei. Früher hat sie Klavier und später Keyboard gespielt.

Wo Menschen glauben, entsteht Heimat

Auch der Glaube gehört fest zu ihrem Alltag. Schon in ihrer Kindheit waren Rosenkranzgebete, Andachten, Kreuzwege und kirchliche Traditionen selbstverständlich. Auch heute geht sie regelmäßig zum Gottesdienst, besucht die Sakramentenandacht in der Krypta des Paderborner Doms und sucht immer wieder die Stille eines Kirchenraums. „Die Kirche, die brauche ich. Wo eine Kirche steht, da ist für mich eine Heimat“, sagt sie. Dabei muss für sie nicht immer ein Priester anwesend sein: „Ich kann so mit Gott sprechen.“ 

Das gilt für sie überall auf der Welt. Wenn sie mit ihrem Mann in Italien, Spanien, Frankreich oder den USA unterwegs war, gehörte der Besuch einer Kirche selbstverständlich dazu. Mit den Menschen, denen sie im Kirchenraum begegnete, spürte sie direkt eine Verbindung, die sie bis heute trägt: „Ich bin überzeugt, dass die Leute, die den Weg in eine Kirche gefunden haben, genauso denken und glauben wie ich. Dann sind sie schon meine Freunde und meine Heimat.“

Vielleicht erklärt sich aus diesem Verständnis auch ihre Beziehung zum Bonifatiuswerk. Sie wusste schon lang, dass es das Hilfswerk gibt. Wirklich aufmerksam wurde sie jedoch vor drei Jahren während des Liborifestes bei der traditionellen Andacht für die Menschen in der Diaspora des Bonifatiuswerkes im Paderborner Dom.

Helfen, wo Glaube Unterstützung braucht

Besonders interessiert Magdalene Kania die Situation katholischer Christen in Nordeuropa und im Baltikum. Dort, wo Menschen weite Wege zurücklegen müssen, um einen Gottesdienst zu besuchen, wo Gemeinden klein sind und kirchliches Leben Unterstützung braucht, will sie helfen: „Ich weiß, dass das Geld gebraucht wird“, sagt sie. Wichtig ist ihr nicht nur, dass Kirchen in der Diaspora ausgestattet werden: „Auch die Menschen, die dort leben, sollen Unterstützung erfahren.“

Wie sehr dieses Engagement auch von persönlichem Vertrauen getragen wird, erlebt Ulrich Franke, der direkte Ansprechpartner für Frau Kania und Leiter des Bonifatius Stiftungszentrums, im direkten Kontakt mit der Spenderin: „Die Gespräche und Begegnungen sind von großer Dankbarkeit, Respekt für die Lebensleistung und uneingeschränktem Vertrauen geprägt. So wie mir Frau Kania ihr Vertrauen entgegenbringt, so stehe ich ihr mit all ihren Fragen und Sorgen unterstützend zur Seite.“ Die Verbindung zu den Menschen, die das Bonifatiuswerk unterstützen, empfindet er dabei als „eine große persönliche Bereicherung“.

Über das Leben und den Tod hinaus

Dass sie selbst einmal etwas hinterlassen möchte, beschäftigt Magdalene Kania. Allerdings misstraut sie dem Gedanken an große Unsterblichkeit. Schriftsteller, Musiker und Künstler hätten Werke geschaffen, um nicht vergessen zu werden. „Doch auch berühmte Menschen geraten irgendwann aus dem Blick“, sagt sie mit einem spitzbübischen Lächeln im Gesicht. 

Über den Tod spricht die 84-Jährige erstaunlich gelassen. Seit ihrem Einzug in den Westphalenhof sei er allgegenwärtig. Aus ihrem Fenster sieht sie immer wieder einen Leichenwagen. Und dennoch fürchtet sie ihn nicht: „Der, der das Leben liebt, braucht nicht den Tod zu fürchten.“

Sie erzählt von einer früheren Begegnung in Düsseldorf mit einem außergewöhnlich schönen Mann. Für einen Moment dachte sie: „Das ist der Tod. So schön kann kein Mann sein.“ Er ging an ihr vorbei und streifte sie leicht am Arm. Später sagte sie zu ihrer Schwester: „Renate, die Tage werde ich abgeholt.“ Aber das sollte noch nicht sein. 

Sie lacht, wenn sie davon erzählt. Überhaupt lacht Magdalene Kania viel. Sie spricht offen, stellt Fragen und erzählt Geschichten. Und vielleicht ist genau das ihre besondere Art, Spuren zu hinterlassen: nicht durch den Wunsch, unsterblich zu werden, sondern indem sie etwas weitergibt – in Form einer Spende, einer Begegnung oder einer Kirche, die durch ihre Unterstützung geöffnet bleibt. 

Glaube, Hoffnung und ein bisschen Crémant

Für das Bonifatiuswerk hat sie einen klaren Wunsch: Es möge auch in Zukunft Menschen dabei unterstützen, ihren Glauben zu leben und Gemeinschaft zu ermöglichen, gerade dort, wo Kirche kleiner wird und es schwieriger ist, Menschen zu erreichen. Für diese Aufgabe wünscht sie dem Hilfswerk „weiterhin viel Kraft und Erfolg.“ 

Und wenn sie selbst einmal geht, dann hat sie für diesen Moment bereits ein Bild im Kopf: „Menschen, die ich mag, sitzen um mein Bett herum. Vielleicht gibt es ein bisschen Crémant und Schnittchen – so Gott es will...“, sagt sie in ihrer verschmitzten und herzlichen Art.

(thmei)

Ihre Ansprechpartner

Andreas Kaiser (li.)

05251 29 96-65
andreas.kaiser@bonifatiuswerk.de

Ulrich Franke (Bereichsleiter, re.)

05251 29 96-60
ulrich.franke@bonifatiuswerk.de 

Franziska Oevel

05251 29 96-66
franziska.oevel@bonifatiuswerk.de