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Kleine Gemeinde, große Wirkung

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen erlebt auf den Färöer-Inseln eine lebendige Diaspora-Gemeinde und blickt auf ihre Zukunft

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Msgr. Georg Austen während der Messe in der katholischen Gemeinde St. Marien in Tórshavn. Foto: Pfr. Martin Geistbeck

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Msgr. Georg Austen während der Messe in der katholischen Gemeinde St. Marien in Tórshavn. Foto: Pfr. Martin Geistbeck

Zum Abschluss seines zweiwöchigen Aufenthalts auf den Färöer-Inseln zieht Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen ein positives Fazit. Für zwei Wochen hatte er die Vertretung und den Dienst als katholischer Pfarrer  auf dem Inselarchipel übernommen und dabei die einzige katholische Gemeinde St. Marien in Tórshavn kennengelernt. Begleitet wurde er von Pfarrer Martin Geistbeck aus Ingolstadt, dem Vorsitzenden des diözesanen Bonifatiuswerkes Eichstätt. 

"Eine kleine, aber wachsende Diaspora-Gemeinde"

Rund 300 Katholiken sind auf den Färöer-Inseln registriert. Ihr Gemeindeleben wird weitgehend ehrenamtlich getragen – vom Diakon und Pfarrgemeinderat ebenso wie von engagierten Gemeindemitgliedern. „Was mir dort begegnet ist, ist eine junge, internationale und kleine Diaspora-Gemeinde sowie auch eine wachsende Kirche. Das ist angesichts der fehlenden hauptberuflichen pastoralen Kräfte schon bemerkenswert“, sagt Monsignore Austen. Auch Katechese, Erstkommunion- und Firmvorbereitung werden unter anderem ehrenamtlich übernommen. Gleichzeitig wird täglich Gottesdienst gefeiert, es gibt Anbetung und Beichtmöglichkeiten.

Besonders deutlich wird das lebendige Gemeindeleben nach den Gottesdiensten. Zum Kirchenkaffee kommen Menschen von den Philippinen, aus Indien, Afrika und vielen weiteren Ländern im Gemeindesaal zusammen. Für manche ist die Gemeinde zu einem wichtigen Stück Heimat geworden. „Eine Frau hat mir erzählt, wie wichtig es für sie war, hier Anknüpfungspunkte zu finden. Die Kirche ist für sie wie eine zweite Familie“, berichtet der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes.

Gemeindesaal ist mehr als ein Ort der Begegnung

Der Gemeindesaal spielt deshalb eine zentrale Rolle, auch für die Zukunft der Gemeinde. Monsignore Austen bezeichnet ihn als eine Art „Familienzimmer“, in dem, neben den pastoralen Begegnungen, auch gemeinsam gekocht, gegessen und das Leben geteilt wird. Zugleich wächst die Gemeinde. Damit steigen auch die Anforderungen an die Räumlichkeiten. Ein barrierefreier Zugang, notwendige Brandschutzmaßnahmen und ein zusätzlicher Fluchtweg sollen künftig eine bessere Nutzung ermöglichen. Dabei soll das Bonifatiuswerk mit seiner Bauhilfe unterstützend zur Seite stehen. 

Für Monsignore Austen geht es dabei um weit mehr als um bauliche Veränderungen: „Es ist wesentlich für das Leben einer Gemeinde und für die Beziehungen, die dort entstehen.“ Ein entsprechend gestalteter Gemeindesaal könnte zudem noch stärker für Menschen außerhalb der katholischen Gemeinde geöffnet werden – etwa für Konzerte, Bildungsveranstaltungen oder andere Begegnungen.

Gerade für Tórshavn, Hauptstadt der Färöer-Inseln, wo die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung nicht katholisch ist, liegt darin eine besondere Chance: „Die katholische Kirche könnte noch stärker zu einem offenen Ort mitten in der Stadt werden und mit konkreten Angeboten direkt in die Gesellschaft hineinwirken. Das wird hier bereits sichtbar“, sagt Monsignore Austen. 

Ehrenamtliches Engagement braucht Rückenstärkung

Die Zukunft der Gemeinde hängt dabei auch davon ab, wie der ehrenamtliche Diakon, der Pfarrgemeinderat und die vielen Engagierten das Gemeindeleben weitertragen können. Für Monsignore Austen ist die Gemeinde auf den Färöer-Inseln deshalb ein Beispiel dafür, wie Kirche auch unter schwierigen Bedingungen lebendig bleiben kann: „Mit wenig materiellen Möglichkeiten und ohne hauptberufliches pastorales Personal gelingt es den Menschen hier, eine offene und einladende Gemeinde zu gestalten. Das ist für mich trotz aller Schwierigkeiten vorbildlich und macht Mut. Es braucht aber auch für die ehrenamtlichen Multiplikatoren eine personelle Rückenstärkung.“

(thmei)

Eindrücke von den Färöer-Inseln (Fotos: Pfarrer Martin Geistbeck)