Das Leben als Katholik in der Minderheit hat auch Vorteile. Das erklärte der Trondheimer Bischof Erik Varden einer Pilgerreisegruppe aus Deutschland, die mit dem Bonifatiuswerk eine Woche lang in Norwegen unterwegs war. „Sie müssen kein Territorium verteidigen“, sagte Bischof Varden, „und es gibt eine Freiheit des Wortes, des Schöpfens und der Kreativität.“ Vor allem lerne man in der Diaspora, dankbar dafür zu sein, „wie schön es ist, Christ sein zu dürfen“.
Das gilt ganz besonders in der Schönheit der Landschaft Norwegens, mit ihren Fjorden und ihrer weiten, grünen Natur. Die Gruppe von 20 Katholikinnen und Katholiken aus ganz Deutschland war hier unterwegs: „Auf den Spuren des Heiligen Olav“, so der Titel der Pilgerreise des Bonifatiuswerkes in die Region Trondheim. Dort wird jedes Jahr rund um den 29. Juli ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Olav gefeiert, der an diesem Datum im Jahr 1030 in der Schlacht bei Stiklestad getötet wurde. Der Heilige Olav, einst König von Norwegen, wird von Christen verehrt, aber es ist auch ein Volksfest für alle Norweger. Für Katholiken hier ist es wie Weihnachten und Ostern zusammen.
Zum Auftakt der Olav-Feierlichkeiten traf sich die Pilgerreisegruppe des Bonifatiuswerkes zum persönlichen Gespräch mit dem Trondheimer Bischof Erik Varden. Zusammen mit der Gemeinde in Trondheim feierte sie dann die Auftaktmesse zum Olavsfest in der katholischen St.-Olav-Kirche. Unter den Konzelebranten waren der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke und weitere Priester aus der Pilgerreisegruppe des Bonifatiuswerkes. Bischof Varden dankte zum Schluss der Messe den Gästen aus Deutschland für den Besuch, „weil Sie damit auch unsere Verbindung mit dem Bonifatiuswerk zeigen“. In den folgenden Tagen kam die Gruppe noch oft ins Gespräch mit vielen Gemeindemitgliedern aus Trondheim.
Am Tag darauf fuhr die Reisegruppe des Bonifatiuswerkes zusammen mit anderen Pilgern aus der Gemeinde zur Prozession nach Stiklestad. Fünf Reisebusse machten sich von Trondheim aus auf den Weg. Mehr als 300 Pilgerinnen und Pilger von Nah und Fern sammelten sich zur Prozession sowie zur Heiligen Messe in der alten Kirche von Stiklestad, die heute protestantisch ist. Weihbischof Reinhard Hauke und die Priester aus Deutschland konzelebrierten in der feierlichen Messe mit Bischof Erik Varden. Anschließend traf sich die Gemeinde zu Kaffee und Kuchen vor der gegenüber liegenden St.-Olav-Kapelle, die mit Unterstützung des Bonifatiuswerkes erst kürzlich saniert worden ist.
Höhepunkt der Olav-Feierlichkeiten war die Festmesse am Gedenktag 29. Juli im großen Nidarosdom, wieder mit Konzelebranten aus der Gruppe des Bonifatiuswerkes. Rund um den Dom war die Trondheimer Innenstadt an diesem Tag festlich geschmückt, mit mehreren Bühnen, Verkaufständen und Unterhaltungsprogramm.
Am letzten Tag der Pilgerreise ging es zum Marienkloster Tautra auf der Insel Frosta und zum Kloster Munkeby bei Levanger. Die Reisegruppe kam zum Gespräch und zum Gebet zusammen mit den Schwestern und Mönchen und lernte die kontemplative trappistische Lebensweise kennen. Beide Klöster wurden mit Mitteln des Bonifatiuswerkes gebaut, und die Dankbarkeit für die Spenden aus Deutschland ist groß.
Weihbischof Reinhard Hauke, selbst aus einem Diaspora-Bistum stammend, entdeckte auf der Reise manche Parallelen. „Man merkt, dass es frohe Christen sind“, sagte er, „auch wenn sie in Vereinzelung leben.“ Aufgefallen seien ihm die vielen jungen Menschen, die sich in die Gemeinde einbringen. „Dafür kann man einfach nur dankbar sein.“
(THI)







