Bischof Fredrik Hansen PSS von Oslo hat angekündigt, ein Seligsprechungsverfahren für die norwegische Autorin und Nobelpreisträgerin Sigrid Undset einzuleiten. Wie EWTN News berichtet, erläuterte Bischof Hansen dies gestern während einer Messe auf der Insel Selja vor der Westküste Norwegens, als sich Pilger auf Selja versammelten, um das Fest der heiligen Sunniva zu feiern. Sigrid Undset hatte die Insel selbst vor 100 Jahren zum ersten Mal besucht.
Bischof Hansen erklärte, die Autorin sei nicht nur Nobelpreisträgerin und eine der größten Schriftstellerinnen Norwegens, sondern eine katholische Konvertitin, deren Leben von Glauben, Leid, intellektueller Tiefe und moralischer Ernsthaftigkeit geprägt gewesen sei. Auch in einem säkularen Zeitalter richte sie eine starke Botschaft an die Kirche und die Menschen, betonte der Bischof. „Für uns ist sie ein Vorbild des christlichen Glaubens, eines tugendhaften Lebens und des Strebens nach Heiligkeit“, sagte Hansen, der betonte, dass Heiligkeit die Berufung eines jeden Christen sei. Heiligkeit sei nicht nur einigen Auserwählten vorbehalten. Mit Undset habe die katholische Kirche in Norwegen ein konkretes Beispiel für diese Berufung, die im öffentlichen Leben, im Leiden, in der Mutterschaft und in der Bekehrung gelebt wurde.
Widerstand gegen Nationalsozialismus und Einsatz für die Freiheit
Bischof Hansen hob mehrere Aspekte ihres Zeugnisses hervor, darunter ihre Verteidigung des katholischen Glaubens, ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus und ihren Einsatz für die Freiheit Norwegens während des Zweiten Weltkriegs sowie ihre „beständige und praktische Sorge um die Armen“. Er betonte darüber hinaus ihre Fürsorge für ihre behinderte Tochter, die er als Teil ihres „Engagements für das Leben und die Heiligkeit des Lebens“ beschrieb. Undsets Bücher hätten Generationen von Gläubigen geprägt, sie dazu inspiriert, in Christus zu leben, und das Zeugnis der mittelalterlichen Heiligen Norwegens am Leben erhalten.
Undset wurde 1882 in Dänemark geboren und wuchs in Norwegen auf. Mit 16 Jahren begann sie als Sekretärin bei der norwegischen Niederlassung der deutschen AEG in Oslo zu arbeiten, nachdem ihr Vater gestorben und die Familie in finanzielle Not geraten war. In diesen Jahren begann sie zu schreiben. Sie selbst empfand sich als „Bürosklavin“ und lebte in den nächsten zehn Jahren ein zweigeteiltes Leben: Tagsüber arbeitete sie im Büro; abends las und schrieb sie bis spät in die Nacht. Ihre intensive Beschäftigung mit norwegischer und europäischer Geschichte und Literatur führte dazu, dass sie später zu den führenden Intellektuellen Norwegens gehörte.
Ihr Erstlingswerk, ein Roman, der im Mittelalter spielte und den sie im Alter von 22 Jahren abschloss, wurde von den Verlagen mit dem Hinweis abgelehnt, sie möge etwas Moderneres schreiben. „Verrückt vor Wut“, wie sie selbst schrieb, begann sie an „Frau Marta Oulie“ zu schreiben. Der 1907 veröffentlichte, achtzig Seiten starke Roman beginnt mit den Worten: „Ich habe meinen Mann betrogen.“ Dieser Satz schockierte damals Norwegen, rückte die Autorin aber zugleich ins Rampenlicht. Der literarische Durchbruch gelang Undset 1911 mit ihrer Erzählung Jenny. Während eines Aufenthalts in Rom begann sie eine Beziehung mit dem Maler Anders Castus Svarstad, der zu dieser Zeit noch verheiratet war, und heiratete ihn später. Zusammen hatten sie drei Kinder, von denen eines behindert war, und Undset half zudem dabei, Svarstads Kinder aus erster Ehe großzuziehen.
1924 trat sie in die katholische Kirche ein
1924, im Alter von 42 Jahren, trat Undset in die katholische Kirche ein – eine Entscheidung, die im überwiegend lutherischen Norwegen umstritten war. Doch sie bekannte sich öffentlich zu ihrem Glauben und wurde später Dominikanerin. Einige norwegische Kritiker taten ihre späteren Werke als „katholische Propaganda“ ab, was das Unbehagen widerspiegelte, dass eine der prominentesten Schriftstellerinnen des Landes zum Katholizismus übergetreten war.
Vornehmlich für ihre kraftvollen Schilderungen des nordischen Lebens im Mittelalter“, so die Begründung des Nobelpreiskomitees, erhielt sie 1928 den Nobelpreis für Literatur. Sie war bekannt für „Kristin Lavransdatter“, die historische Trilogie, die ihr internationalen Ruhm sicherte. Die Romane waren geprägt vom mittelalterlichen Christentum und Themen wie Sünde, Gnade, Leid und Reue – Themen, die zunehmend ihren eigenen spirituellen Weg widerspiegelten.
Undset nutzte ihr schriftstellerisches Schaffen und ihren Ruf als eine der prominentesten katholischen Stimmen Skandinaviens, um den christlichen Glauben zu verteidigen und die ideologischen Strömungen herauszufordern, die Europa neu prägten. 1930 verwendete sie einen Teil des Nobelpreisgeldes für den Bau einer Kapelle in Stiklestad. Für die Kirche in Norwegen hat dieser Ort eine besondere Bedeutung: Der heilige Olav fand dort am 29. Juli 1030 in der Schlacht von Stiklestad den Tod. Die Kapelle wird 2030 bei der 1000-Jahr-Feier zum Tod des Heiligen Olav eine wichtige Rolle spielen. Von 2022 bis Anfang 2026 wurde sie mit finanzieller Unterstützung des Bonifatiuswerkes in Höhe von 100.000 Euro umfangreich saniert.
Als frühe Kritikerin Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus floh Sigrid Undset während des Zweiten Weltkriegs aus dem von den Nazis besetzten Norwegen und gelangte schließlich in die Vereinigten Staaten, wo sie sich gegen Totalitarismus einsetzte und für ihr Heimatland eintrat. Nach Kriegsende kehrte sie nach Norwegen zurück und starb 1949 nach schwerer Krankheit.
"Leben und Werk für Weltkirche viel zu bieten"
Das Seligsprechungsverfahren ist für Norwegens kleine katholische Minderheit von großer Bedeutung. Bischof Hansens Entscheidung, den Seligsprechungsprozess einzuleiten, fällt in eine Zeit, in der die katholische Kirche in Norwegen durch Zuwanderung und Konversionen von Erwachsenen weiter wächst, während sie gleichzeitig nach tieferen Wurzeln in der eigenen Geschichte des Landes sucht. Die sogenannte diözesane Phase von Undsets Seligsprechungsprozess könnte womöglich bereits in diesem Herbst offiziell eröffnet werden – ein Schritt, der laut Hansen von seiner Überzeugung getragen ist, dass ihr Zeugnis weit über die Literaturgeschichte Norwegens hinausreicht. Bischof Hansen: „Ich glaube, dass Sigrid Undsets Leben und Werk sowohl der Kirche in Norwegen als auch der Weltkirche viel zu bieten haben.“
EWTN News/bam

