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Von Grönland bis Estland: Diaspora wird beim Liborifest lebendig

Internationale Begegnungen am Infostand des Bonifatiuswerkes

Im Austausch zur Situation der katholischen Minderheit in Grönland: Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen, Nicador G. Diaz, Lara May C. Diaz (beide aus Nuuk/Grönland) und Generalvikar Niels Engelbrecht (Kopenhagen, v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Im Austausch zur Situation der katholischen Minderheit in Grönland: Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen, Nicador G. Diaz, Lara May C. Diaz (beide aus Nuuk/Grönland) und Generalvikar Niels Engelbrecht (Kopenhagen, v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Das Liborifest macht Weltkirche mitten in Paderborn sichtbar: Am Infostand des Bonifatiuswerkes begrüßte Generalsekretär Monsignore Georg Austen internationale Gäste aus der Diaspora. Auf Einladung des Erzbistums Paderborn stand eine Delegation aus Grönland mit Generalvikar Niels Engelbrecht aus dem Bistum Kopenhagen sowie dem Ehepaar Lara May C. und Nicanor G. Diaz im Mittelpunkt. Sie berichteten von der Situation der katholischen Kirche in Grönland und davon, welche Bedeutung die Gemeinde den Menschen gerade in Zeiten großer gesellschaftlicher und geopolitischer Verunsicherung gibt.

"Grönland gehört den Grönländern"

"Libori zeigt, was Weltkirche bedeutet: Auch Menschen aus der Diaspora kommen hier zusammen und erleben Solidarität über Ländergrenzen hinweg. Es freut mich sehr, dass wir zusammen mit unserem Erzbischof Dr. Bentz und unseren Gästen aus Grönland ein sichtbares Zeichen dieser Verbundenheit setzen können. Die katholische Kirche ist dort für viele Menschen zu einer neuen Heimat geworden und gibt ihnen auch eine geistliche Beheimatung. Gerade in Zeiten der Verunsicherung durch die schon häufig lautgewordenen Machtansprüche ist es wichtig, deutlich zu machen: Frieden entsteht nur im Dialog und nicht durch Machtansprüche. Grönland gehört den Grönländern. Sie alleine haben zu entscheiden, wie die Zukunft dort aussehen wird. Ihnen gilt nach wie vor unsere Solidarität und unser Gebet", sagte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen mit Blick auf die Ansprüche von US-Präsident Trump, die Insel übernehmen zu wollen. 

Seit mehr als 50 Jahren unterstützt das Bonifatiuswerk die katholische Kirche in Grönland. Etwa 500 Katholiken gehören der einzigen katholischen Pfarrei des Landes an. Die Sanierung der Christ-König-Kirche in Nuuk konnte mit Unterstützung des Bonifatiuswerkes und des Diaspora-Kommissariats der deutschen Bischöfe mit 500.000 Euro und durch das Erzbistum Paderborn mit 350.000 Euro im Jahr 2018 saniert werden. Für viele Gläubige, insbesondere für Zugewanderte, ist sie weit mehr als ein Gotteshaus: Sie ist ein Ort des Glaubens, der Gemeinschaft und der Beheimatung. 

Generalvikar Niels Engelbrecht schilderte die besonderen Herausforderungen der Seelsorge im größten Pfarrgebiet der Welt. Die katholischen Gemeinden in Skandinavien seien vor allem von Migranten geprägt. Gerade deshalb sei die Kirche ein wichtiger Ort der Gemeinschaft und des Ankommens. Die weiten Entfernungen und die schwierigen klimatischen Bedingungen erschwerten jedoch die pastorale Arbeit erheblich. Umso wichtiger sei es, die Menschen vor Ort verlässlich zu begleiten. 

Katholische Gemeinde wird zur zweiten Familie

Auch Lara May C. Diaz, die mit ihrer Familie seit mehreren Jahren in Grönland lebt und ursprünglich von den Philippinen stammt, schilderte eindrücklich, wie sehr die politische Unsicherheit die Menschen beschäftigt. Als Mutter von fünf Kindern habe sie zeitweise kaum schlafen können, weil sie sich um die Zukunft ihrer Familie sorgte. Umso wichtiger sei die katholische Gemeinde geworden. Sie sei eine zweite Familie, in der Menschen füreinander da seien, gemeinsam beteten und Hoffnung schöpften. Der Glaube gebe ihr die Zuversicht, dass Frieden möglich sei und Gott die Menschen nicht allein lasse. 

Bereits beim Eröffnungsgottesdienstes des Liborifestes hatte der Paderborner Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz die Gäste aus Grönland herzlich willkommen geheißen. Er habe betont, dass Grönland zum Bistum Kopenhagen, zu Dänemark und damit zu Europa gehöre und dies auch künftig so bleiben solle. Der herzliche Empfang und der langanhaltende Applaus im Paderborner Dom seien sichtbare Zeichen der Verbundenheit mit den Menschen im Norden Europas gewesen. 

Gäste aus Estland berichten von einer wachsenden Kirche

Auch Bischof Jean-Philippe Jourdan aus dem Bistum Tallinn und Marge-Marie Paas, die in der Diözese tätig ist, besuchten den Infostand des Bonifatiuswerkes. Das Erzbistum Paderborn hatte sie zum diesjährigen Liborifest eingeladen. Jourdan berichtete von der Situation der katholischen Kirche in Estland, die trotz ihrer geringen Größe wachse. Immer mehr Menschen suchten, auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, nach Orientierung und ließen sich zum Beispiel taufen. 

Gleichzeitig seien die Auswirkungen des Krieges in Estland täglich spürbar. Die Nähe zur russischen Grenze, die Sorge um die Sicherheit des Landes sowie aktuelle Debatten über Religionsfreiheit und den Schutz des Staates beschäftigten die Menschen. Umso wichtiger sei die enge ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Kirchen, die sich gemeinsam für Frieden, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Religionsfreiheit einsetzten. Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei auch die katholischen Schulen, die das Bonifatiuswerk seit vielen Jahren fördert und die für viele Menschen das Gesicht der katholischen Kirche in Estland seien. 

Marge-Marie Paas, deren Arbeit das Bonifatiuswerk mit einer Personalstelle gefördert hat, erinnerte an die Seligsprechung des deutschstämmigen Jesuiten Eduard Profittlich im vergangenen Jahr. Diesen Prozess hatte sie über viele Jahre maßgeblich begleitet. Die Seligsprechung sei ein historischer Moment gewesen – nicht nur für die katholische Kirche, sondern für ganz Estland. Menschen unterschiedlicher Konfessionen, Vertreter aus Politik und Gesellschaft sowie der Präsident des Landes hätten gemeinsam dieses Ereignis gefeiert. Der erste Selige Estlands schenke der kleinen katholischen Kirche neue Hoffnung und sei zugleich ein wichtiger geistlicher Fürsprecher für das Land. 

(thmei)

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (li.) tauschte sich mit den Gästen aus Grönland aus. Mit im Bild: Generalvikar Niels Engelbrecht, Monsignore Georg Austen, Lara May C. und Nicador G. Diaz (v.l.). Foto: Matthias Micheel

Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (l.) tauschte sich mit den Gästen aus Grönland aus. Mit im Bild: Generalvikar Niels Engelbrecht, Monsignore Georg Austen, Lara May C. und Nicador G. Diaz (v.l.). Foto: Matthias Micheel

Generalvikar Niels Engelbrecht, Lara May C. und Nicador G. Diaz sowie Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Generalvikar Niels Engelbrecht, Lara May C. und Nicador G. Diaz sowie Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Generalvikar Niels Engelbrecht (Kopenhagen). Foto: Hartmut Salzmann

Generalvikar Niels Engelbrecht (Kopenhagen). Foto: Hartmut Salzmann

Bischof Jean-Philippe Jourdan und Marge-Marie Paas (Bistum Tallinn) mit Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Bischof Jean-Philippe Jourdan und Marge-Marie Paas (Bistum Tallinn) mit Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen (v.l.). Foto: Hartmut Salzmann

Lara May C. Diaz berichtet von der Situation der katholischen Kirche in Grönland. Foto: Hartmut Salzmann

Lara May C. Diaz berichtet von der Situation der katholischen Kirche in Grönland. Foto: Hartmut Salzmann

Bischof Jean-Philippe Jourdan (Bistum Tallinn) spricht über die Lage der katholischen Kirche in Estland. Foto: Hartmut Salzmann

Bischof Jean-Philippe Jourdan (Bistum Tallinn) spricht über die Lage der katholischen Kirche in Estland. Foto: Hartmut Salzmann