Wie kann Kirche dort lebendig bleiben, wo nur wenige Menschen katholisch sind? Was können Ortskirchen in unterschiedlichen Ländern voneinander lernen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Bischöfe der Nordischen Bischofskonferenz (NBK) bei ihrer Herbstvollversammlung in dieser Woche (21. bis 25. September) in Paderborn. Auf Einladung des Erzbistums Paderborn und des Bonifatiuswerkes beraten sie über die Zukunft kirchlichen Lebens in einer zunehmend säkularen Gesellschaft und die besonderen Herausforderungen in der Diaspora.
Begegnung in Herne: Kirche nah bei den Menschen
Einen besonderen Akzent setzte die Begegnung im westlichen Teil des Erzbistums Paderborn, wo Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in dieser Woche zu seinem Dialog- und Begegnungsformat „Amtssitzwechsel“ unterwegs ist. In der Pfarrei St. Dionysius in Herne feierten sie gemeinsam mit der Gemeinde Gottesdienst und kamen mit Verantwortlichen aus Pastoral und Ehrenamt über das Thema „Kirche in säkularer Gesellschaft“ ins Gespräch. Dabei ging es um die Frage, wie Kirche nah bei den Menschen bleiben und Räume schaffen kann, in denen Menschen mit ihren Fragen und ihrer Sehnsucht vorkommen und die Nähe Gottes erfahren können.
Voneinander lernen und Solidarität stärken
Als Schirmherr des Bonifatiuswerkes ist Erzbischof Bentz und auch das Erzbistum Paderborn mit den nordischen Bischöfen und der Arbeit des Hilfswerkes eng verbunden. „Wir begegnen einander, kennen uns, vertiefen unsere Beziehung und wollen vor allen Dingen Solidarität miteinander lernen“, sagte Erzbischof Bentz. Zugleich sei die Begegnung eine Gelegenheit, voneinander zu lernen: „Ich habe viel gehört, was es heißt, eine Kirche in der Minderheit zu sein und dennoch relevant und wirksam sein zu können. Ich habe viel gelernt, was es heißt, eine Kirche zu sein, in der viele Nationen zusammenkommen, eine Kirche der Immigration. Und auch das ist ein Thema hier im Ruhrgebiet für unsere Kirche.“ Deutlich wurde zudem, dass die Relevanz der Kirche auch von einem klaren Profil und einer fundierten Verankerung der Christusbeziehung abhängt.
Bischof Erik Varden, Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz, hob die Bedeutung der Begegnung hervor: „Die letzten Tage waren für uns sehr wertvoll. Es ist gut, dass wir in einen guten, vertraulichen, freundschaftlichen und geschwisterlichen Austausch kommen können.“ Die Zusammenarbeit mit dem Bonifatiuswerk sei wichtig: „Wir haben schon gemeinsam sehr viel getan und dazu beigetragen, die Kirche aufzubauen.“ Die Zukunft der Kirche in der Diaspora sehe er mit Hoffnung.
Kirche in der Diaspora: Partnerschaft über Grenzen hinweg
Die langjährige Verbindung der nordischen Ortskirchen mit dem Bonifatiuswerk bildet einen weiteren Schwerpunkt in diesen Tagen. Seit 1974 gehören Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden zu den Förderregionen des Hilfswerkes. Unterstützt werden unter anderem Bau- und Renovierungsmaßnahmen, Katechese und pastorale Projekte. Auch das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe engagiert sich seit mehr als 50 Jahren für die Unterstützung von Priestern in den nordischen Ländern.
„Das Bonifatiuswerk versteht sich von Anfang an als Hilfe zur Selbsthilfe, partnerschaftlich die Ortskirchen zu stärken“, betonte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen. Angesichts unterschiedlicher finanzieller Situationen in den nordischen Ländern sei es wichtig, „unsere Solidarität aus Deutschland auch mit der Solidarität in den Ländern untereinander zu koppeln“. Die Unterstützung durch das Hilfswerk als auch durch das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe müsse sich an den jeweiligen Bedingungen vor Ort orientieren – bei Gemeinden und Gottesdienstorten ebenso wie bei Klöstern, pastoralen Mitarbeitenden und notwendiger Infrastruktur. „In allen Umbrüchen geht es darum: Wie können wir eine lebendige Kirche in diesen unterschiedlichen Situationen, unter diesen Bedingungen, gestalten und wie können wir auch etwas voneinander lernen?”, sagte Austen. Es gehe auch um Fragen und Anfragen von vielen jungen Erwachsenen, die auf der Suche seien, die nach der Relevanz von Kirche, von Glauben fragten. Und dabei sei es wichtig, diese Menschen zu begleiten und ihnen eine geistliche Beheimatung sowie das Erleben einer lebendigen Glaubensgemeinschaft zu geben.
Dankbar für Unterstützung durch das Bonifatiuswerk
Erzbischof Julio Murat, Apostolischer Nuntius in den skandinavischen Ländern, der die nordischen Bischöfe begleitet, hob die Bedeutung der Unterstützung hervor. „Ich bin hierhergekommen, um auch dem Bonifatiuswerk dafür zu danken, was es für unsere fünf Länder tut – geistlich durch seine Gebete und auch wirtschaftlich, indem es ihnen hilft, ihre Arbeit zu verrichten und die Evangelisierung voranzutreiben. Die Priester brauchen natürlich Hilfe, um in den großen Flächen der Gemeinden seelsorglich reisen zu können, um die Sakramente zu spenden, um die Frohe Botschaft zu verkünden.“ Gerade die Laien bräuchten auch Informationen und Unterstützung, um ihren eigenen Glauben besser kennenzulernen und ihn an Menschen weiterzugeben, die mehr über Jesus Christus erfahren möchten.
Während ihres Aufenthalts in Paderborn besuchten die nordischen Bischöfe die Theologische Fakultät Paderborn und begegneten zudem den Mentorinnen und Mentoren des Freiwilligendienstes „Praktikum im Norden“, den das Bonifatiuswerk seit 2011 ermöglicht.
(thmei)
















