News //

Zwischen Sowjet-Erbe und Aufbruch: Kirche in Lettland gibt den Menschen Hoffnung

Bonifatiuswerk-Delegation kehrt mit vielen Eindrücken und Ideen aus dem Baltikum zurück

Die BONI-Brothers mit dem BONI-Bus auf Lettland-Tour: Monsignore Georg Austen, Wolfgang Gelhard, Mathias Günter, Matthias Schmidt und Dr. Detlef Drüppel (von links, Foto: Hartmut Salzmann)

Die BONI-Brothers mit dem BONI-Bus auf Lettland-Tour: Monsignore Georg Austen, Wolfgang Gelhard, Mathias Günter, Matthias Schmidt und Dr. Detlef Drüppel (von links, Foto: Hartmut Salzmann)

Wer Lettland bereist, erlebt weite Landschaften und eine beeindruckende Natur. Die Menschen sind herzlich, offen und überaus gastfreundlich. Das Land und insbesondere die katholische Kirche haben indes bis heute mit den Folgen der Sowjetdiktatur zu kämpfen. Das kirchenfeindliche Regime hat eine Gesellschaft hinterlassen, die nachhaltig säkular geprägt ist. Gleichzeitig aber sprüht die katholische Kirche in Lettland nur so vor Hoffnung und tiefem Glauben. Genau das erlebte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen auf seiner Projektreise in die lettischen Bistümer Riga und Liepāja.

Begleitet wurde er von seiner langjährigen Doppelkopfrunde, die der Arbeit des Bonifatiuswerkes sehr verbunden ist: Als „BONI-Brothers“ waren Monsignore Austen und seine Freunde, der Musiker Mathias Günter, Wolfgang Gelhard, Hauptgeschäftsführer des Kolpingwerkes Deutschland, Dr. Detlef Drüppel, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Hochsauerland, sowie Matthias Schmidt, Geschäftsführer Caritas Wohnen im Erzbistum Paderborn, auf Tour. Die Reise wurde von ihnen privat finanziert.

Caritas und katholische Schulen im Aufwind

Ob in sozialen und karitativen Einrichtungen, Schulen oder Kirchengemeinden: Überall traf die Reisegruppe auf Menschen, die ihren Glauben mit großem Engagement leben und trotz oft schwieriger Rahmenbedingungen wertvolle Arbeit für andere Menschen leisten. Gespräche mit Bischof Viktors Stulpins (Liepāja), Erzbischof Zbigņevs Stankevičs (Riga) sowie mit Vertretern katholischer Schulen und der Caritas machten zugleich deutlich, vor welchen Herausforderungen die Diasporakirche heute steht. Ein Treffen mit Hanss Martins Jensons, evangelisch-lutherischer Bischof von Liepāja, unterstrich die Bedeutung der Ökumene.

Während der Reise besuchte die Delegation unter anderem die Gemeinschaft Chemin Neuf, eine geistliche Gemeinschaft mit ökumenischer Ausrichtung, den Rehabilitationsbauernhof „Bethlehems Barmherzigkeit“ für suchtkranke Menschen, die Caritas in Riga, die ein Tagespflegezentrum für Kinder mit Behinderung und ihre Familien plant, sowie das Katholische Gymnasium Riga. Dort wurde deutlich, wie vielfältig Kirche in Lettland gesellschaftliche Verantwortung übernimmt und sich auch für die Schwachen in der Gesellschaft einsetzt. Die positive Entwicklung vor allem der Caritas und der katholischen Schulen mache große Hoffnung, betonte Monsignore Austen. „Wir haben ein beeindruckendes Engagement der katholischen Kirche gesehen und ein beeindruckendes Glaubenszeugnis erlebt, das von vielen Menschen abgelegt wird. Überall sind wir als Bonifatiuswerk mit großer Wertschätzung empfangen worden. Unsere Hilfe in dieser Förderregion wäre ohne die Spenderinnen und Spender nicht möglich. Ihnen gilt ein ebenso herzliches Dankeschön.“

Unsicherheit nach Angriffskrieg gegen die Ukraine

Die Reise habe aber auch den harten Alltag in der extremen Diaspora deutlich gemacht. „Wir haben gesehen, mit welchen Schwierigkeiten eine materiell arme Kirche in einer zunehmend säkularen Gesellschaft zu kämpfen hat. Die Nachwirkungen der Sowjetdiktatur sind ebenso spürbar wie die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. All das prägt das Leben der Menschen.“ Umso wichtiger sei es, die persönlichen Beziehungen zu den Glaubensgeschwistern in Lettland zu pflegen und weiter auszubauen. „Sie sind Teil der Weltkirche. Unsere Solidarität ist ihnen gewiss“, sagte Monsignore Austen.

Die Reise hatte auch einen praktischen Hintergrund: Der Schlüssel zu einem neuen BONI-Bus, mit dem die Delegation angereist war, wurde der Herz-Jesu-Gemeinde in Sigulda nach einem Gottesdienst in der Kathedrale St. Joseph in Liepāja symbolisch übergeben und das Fahrzeug durch Monsignore Austen gesegnet. Künftig wird der mobile Glaubenshelfer Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien zu Gottesdiensten und gemeinsamen Veranstaltungen bringen. Das Bonifatiuswerk unterstützt seit Jahrzehnten mit seiner Verkehrshilfe Gemeinden in der Diaspora dabei, mobil zu bleiben und kirchliches Leben zu ermöglichen. Etwa 600 BONI-Busse sind derzeit in Deutschland, Nordeuropa und dem Baltikum im Einsatz.

Der mitreisende Hauptgeschäftsführer des Kolpingwerkes Deutschland, Wolfgang Gelhard, kam mit einer Menge Ideen im Gepäck von der Reise zurück. Er sieht großes Potenzial im Austausch des Kolping-Berufsbildungswerks Brakel (Kreis Höxter) mit verschiedenen Bildungseinrichtungen in Lettland. „Wir planen Begegnungen mit Leitungskräften, aber auch mit Auszubildenden und Jugendlichen. Für sie wäre es eine große Bereicherung, während der Ausbildung eine andere Lebenswirklichkeit kennenzulernen“, erläuterte Wolfgang Gelhard. Es gehe darum, „den Horizont zu erweitern, über den Tellerrand hinauszuschauen“ und mehr Internationalität in der Arbeit des Kolpingwerkes zu etablieren.

Monsignore Austens persönliches Fazit bringt die Tage in Lettland auf den Punkt: „Danke für das ermutigende Glaubenszeugnis, für das gemeinsame Gebet, die herzliche Gastfreundschaft und die vertrauensvolle Zusammenarbeit. ‚Liels paldies‘ – herzlichen Dank! Unser Leitwort ‚Keiner soll alleine glauben‘ hat auf dieser Reise ein lebendiges Gesicht bekommen.“

(SAH)

Eindrücke der Lettland-Reise