PRESSEMITTEILUNG VOM 19.08.2026:
Philipp Amthor: „Gefährlicher Angriff auf unsere Kirchen“
Prominenter CDU-Politiker spricht im „bonifatiusblatt“-Interview über seine späte Taufe, die AfD und Selbstironie
Philipp Amthor (Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehungen im Bundeskanzleramt) hat sich als junger Erwachsener taufen lassen. Was den 33-jährigen Christdemokraten dazu bewegt hat, erklärt er im Interview mit dem „bonifatiusblatt“ – Mitgliedermagazin des Bonifatiuswerkes. Das Gespräch führte Hartmut Salzmann.
Herr Amthor, Sie sind bekennender Katholik. „Liebe Deine Feinde“ heißt es in der Bergpredigt. Ist das eine Haltung, die Ihnen hilft, manche von persönlichen Angriffen geprägte Reden zu verdauen?
In der Politik sollte es generell nicht auf Lautstärke und Häme von Angriffen, sondern auf Argumente ankommen. Aber nicht nur diese politische Grundüberzeugung, sondern tatsächlich auch der christliche Gedanke der Bergpredigt kann – übrigens nicht nur für mich persönlich, sondern auch für unsere Gesellschaft insgesamt – innere Distanz zu persönlichen Angriffen schaffen und verhindern, dass wir uns davon bestimmen lassen. Die Aufforderung zur Feindesliebe ist für mich insoweit auch politisch gewinnend. Sie sollte aber nicht als falsche Passivität gegenüber Unrecht missverstanden werden. Wenn Kritik – die ihrerseits natürlich Wesensmerkmal der Demokratie ist – in Ressentiments und Hass umschlägt, geraten grundlegende Werte unseres Zusammenlebens in Gefahr. Das dürfen wir nicht tolerieren.
Sie sind als junger Erwachsener getauft worden. Was hat Sie so bewegt, dass Sie gesagt haben: Jetzt ist der Moment für dieses Ja?
Das war nicht Ergebnis eines einzelnen Moments, sondern vielmehr das Ergebnis eines längeren Reifeprozesses. Dabei haben mich insbesondere Freunde ermuntert und unterstützt, die selbst fest im Glauben stehen. In meiner Familie und im gesellschaftlichen Umfeld meiner Jugend in Vorpommern spielte der christliche Glaube zunächst kaum eine Rolle – weshalb mir lange gar nicht klar war, welche große Kraft mir entgangen ist. Dafür, dass ich im Laufe der Jahre meinen eigenen Zugang zum Glauben finden konnte, bin ich sehr dankbar und schöpfe daraus heute viel Kraft.
Hat sich nach der Taufe Ihr Blick auf Verantwortung – politisch wie persönlich – verändert?
Er hat durch den Glauben an Tiefe gewonnen. Für mich ist – nicht nur als Christdemokrat, sondern auch als gläubiger Katholik – klar: Das christliche Menschenbild ist nicht nur politischer Kompass als zentrales Wertefundament unserer Verfassungsordnung, sondern zugleich auch persönlicher Auftrag. Verantwortung bedeutet für mich immer auch anzuerkennen, dass alle Menschen in ihrer Würde unantastbar, unverfügbar und frei sind. Aus Freiheit erwächst dabei Verantwortung für die Gemeinschaft, Solidarität und Nächstenliebe. Diese Werte tragen unsere Ordnung und sichern gesellschaftlichen Zusammenhalt – und sind mir auch als Christ fortwährender Auftrag.
Das Bonifatiuswerk hat die Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt, die Zahlung von Staatskirchenleistungen und die Kirchensteuer abzuschaffen, deutlich kritisiert. Sie lesen der Rechtsausleger-Partei im Bundestag regelmäßig und wortgewaltig die Leviten. Ihr Kommentar zu den AfD-Plänen?
Diese Vorschläge sind ein gefährlicher Angriff auf unsere Kirchen und entlarven die AfD erneut: als unchristliche Schein-Konservative. Die Pläne der AfD zu einer faktisch ersatzlosen Abschaffung der Staatsleistungen an unsere Kirchen habe ich bereits 2021 im Deutschen Bundestag sehr kritisch eingeordnet. Solche Vorschläge einer einseitigen und verfassungsrechtlich hochproblematischen Schlechterstellung der Kirchen lehne ich ab. Eine perspektivische Ablösung der historisch geschuldeten Staatsleistungen muss aus meiner Sicht auf verlässlicher und rechtssicherer Grundlage diskutiert werden – und unter Berücksichtigung differenzierter regionaler Entwicklungen, etwa in Ostdeutschland. Und auch hinsichtlich der Kirchensteuer bin ich sehr klar: Sie ist ein tragendes Element der Kirchenfinanzierung in Deutschland und hat sich über Jahrzehnte bewährt. Ein undifferenziertes Hinwegfegen dieses Systems gefährdet die vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben unserer Kirchen – von Seelsorge über die Bildung bis zu sozialem Engagement.
Schon früh waren Sie als Jungpolitiker Ziel von Satire. Sie gehören inzwischen fast zum festen Inventar deutscher Comedy-Sendungen. Sie haben das mit bewundernswerter Gelassenheit weggesteckt, so scheint es. Was ist Ihr Rezept? Hilft Ihnen vielleicht Ihr Glaube?
Politik ist ein ernstes Geschäft – aber gerade deshalb ist Humor unverzichtbar. Satire und Zuspitzung gehören zur demokratischen Öffentlichkeit. Ich sehe darin immer auch eine Einladung zu gesunder Selbstironie. Wer über sich selbst lachen kann, bleibt zugänglich und auf Augenhöhe. Mein Glaube hilft mir dabei, solche Einordnungen in den richtigen Proportionen zu sehen und mich nicht allein über eine oftmals kontingente öffentliche Wahrnehmung zu definieren. Insofern trägt er dazu bei, Maß und Mitte zu halten – auch im Umgang mit sich selbst.
Sie sind Jurist, Politiker und Christ. Gestatten Sie uns einen Einblick in Ihr Inneres: Streiten diese drei Amthor-Persönlichkeiten miteinander?
Das ist eine gute Frage. Ich würde den etwaigen Widerstreit dabei aber weniger als ein Gegeneinander beschreiben, sondern eher als positives Miteinander unterschiedlicher Perspektiven, die sich gegenseitig ergänzen und herausfordern. Und das halte ich übrigens auch für sehr gut so. Denn es erscheint mir nicht als Last, sondern als fortwährende Aufgabe, immer wieder aus verschiedenen Perspektiven abzuwägen, um am Ende verantwortungsvolle Entscheidungen treffen zu können.
Sprechen Sie regelmäßig mit Gott? Wenn ja: in welcher Form und an welchen Orten?
Die Heilige Messe ist mir persönlich wichtig und fester Ankerpunkt in hektischen Zeiten. Gleichwohl ist der Glaube für mich keine Frage fester Orte oder Zeiten, sondern eine Haltung, die den Alltag begleitet. Neben klassischen Formen wie regelmäßigem Gottesdienst und anlassbezogenem Gebet geht es mir dabei vor allem um Orientierung und Demut. Gerade in Zeiten politischer Schnelllebigkeit ist innere Verankerung besonders wertvoll.
Stellen Sie sich vor, Jesus würde heute in Menschengestalt für einen Tag im Bundestag auf der Besuchertribüne sitzen. Bei welcher Debatte sollte er besonders aufmerksam zuhören?
Bei allen Debatten. Denn die Verletzlichkeit von Menschenwürde, Freiheit und gegenseitigem Respekt zeigt sich nicht nur in den vermeintlichen „Sternstunden des Parlaments“, sondern im Alltag unseres politischen Umgangs, dessen Fundamente durch spalterische und populistische Zuspitzung immer unverhohlener in Frage gestellt werden.
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