GLAUBE ZWISCHEN FEUER UND EIS

Ein neuer Mittelpunkt des Glaubens in der Diaspora Islands

Komplex mit Kirche und Gemeindezentrum: Der Neubau in Selfoss hat insgesamt 3,6 Millionen Euro gekostet. (Foto: Ivan Sovic)
Komplex mit Kirche und Gemeindezentrum: Der Neubau in Selfoss hat insgesamt 3,6 Millionen Euro gekostet. (Foto: Ivan Sovic)

Schnee, Sturm und Regen haben die Bauarbeiten auf Island immer wieder erschwert. Aber nun ist es bald so weit, gut drei Jahre nach der Grundsteinlegung: Im September 2026 wird die neue katholische Kirche Selfoss eingeweiht. Es ist ein großer Komplex mit Gemeindezentrum und Priesterwohnung. So ist hier, im SüdwestenIslands, etwas entstanden, das für die katholische Kirche auf der Insel weit mehr ist als Beton, Holz und Dämmung: ein neuer geistlicher Mittelpunkt in der Diaspora des hohen Nordens. Ohne die Unterstützung von Priestern aus Deutschland wäre dieser Bau nicht möglich gewesen. „Wir danken allen Unterstützern, weil sie eine große Hilfe sind“, sagt der Bischof von Reykjavík, David Tencer. „Ohne sie könnten wir nichts bauen.“ Der Neubau der Kirche wurde von der Bauhilfe des Bonifatiuswerkes mit einer Summe in Höhe von 587.000 Euro gefördert. Das Diaspora-Kommissariat der deutschen Bischöfe/Diasporahilfe der Priester förderte den Bau mit weiteren 563.000 Euro.

Ein langer Weg mit Hindernissen

Der Weg dahin war lang. Schon 2010 gab es erste Pläne zum Bau einer neuen Kirche. Anfangs gab es Widerstände, Verzögerungen und Komplikationen in der Kommune. So wurde zum Beispiel ein bereits zugesagtes Grundstück wieder zurückgenommen. In den letzten Monaten ging es zügig voran: Das Dach wurde fertiggestellt, die Priesterwohnung wurde errichtet, die Außenisolierung wurde abgeschlossen. Vor der Kirche wurde der Parkplatz gepflastert. Von nah und fern werden die Gläubigen künftig hierherkommen, meist mit dem Auto. Auch der Fußweg von der Straße zur Kirche ist fertig.

Selfoss ist eine 10.000-Einwohner-Stadt, die für die katholische Kirche in Island ein Mittelpunkt des Glaubens geworden ist. Sogar eine neue Gemeinde wurde gegründet. Sie trägt den Namen „Heilig Kreuz“ – ein Name mit Tradition, denn in der Gegend von Kaldaðarnes war das Kreuz einst Ziel von Pilgern und Einheimischen. Zum Verwalter der Gemeinde hat Bischof Tencer den aus den Philippinen stammenden Pfarrer Mercurio Claudio Rivera III ernannt. Damit steigt die Zahl der katholischen Gemeinden im Bistum Reykjavík auf neun. „In Europa“, sagt Bischof Tencer, „werden die alten Kirchengebäude geschlossen. In Island haben wir keine alten Kirchen. Deswegen müssen wir neue Orte für die Gemeinden bauen.“ Für die Gläubigen und die Geistlichen in der Region bedeutet das Projekt vor allem eines: kürzere Wege, mehr Nähe und endlich einen festen Ort für das Gemeindeleben. Bisher saßen Menschen aus den Randgebieten oft stundenlang im Auto, um zur Messe zu kommen. Dank der neuen Priesterwohnung kann künftig ein Priester dauerhaft vor Ort sein.

Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2024

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Kleine Kirche mit großen Aufgaben

Auf Island gehören nur rund 15.000 Menschen der katholischen Kirche an. Das sind 3,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gerade einmal fünf Kirchengemeinden gibt es hier. Jede einzelne von ihnen ist so groß wie ein mittleres deutsches Bistum. 18 Priester kümmern sich vor Ort derzeit aufopferungsvoll um die Seelsorge. So waren die Verhältnisse nicht immer.

Island wurde schon vor rund tausend Jahren christianisiert. In den folgenden Jahrhunderten wuchs die katholische Kirche dort auf zwei Bistümer mit über 200 Pfarreien an. Doch in der Reformation wurde der katholische Glaube Mitte des 16. Jahrhunderts auf Island auf Druck Dänemarks verboten. Erst im Jahre 1874 wurde dort wieder die Religionsfreiheit eingeführt und ein zartes Pflänzchen des katholischen Glaubens wuchs langsam. Die Mehrheit der Katholiken auf Island stammt heute aus dem Ausland. Es ist eine junge Migrantenkirche, die den Glauben auf der Insel in guter ökumenischer Verbundenheit lebt.

Kirchliches Leben im isländischen Selfoss

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