Glaube zwischen Feuer und Eis

Ein neuer Mittelpunkt des Glaubens in der Diaspora Islands

Ein Ort des Glaubens, der Begegnung und der Gemeinschaft: die neue Heilig-Kreuz-Kirche in Selfoss. (Foto: Ivan Sovic)
Ein Ort des Glaubens, der Begegnung und der Gemeinschaft: die neue Heilig-Kreuz-Kirche in Selfoss. (Foto: Ivan Sovic)

Hoffnung und Freude standen an diesem Tag allen ins Gesicht geschrieben: Der Kirchenneubau „Heilig Kreuz“ in Selfoss auf Island ist am 5. September 2026 feierlich eingeweiht worden. Nach mehr als zweijähriger Bauzeit konnte der jungen katholischen Gemeinde das sehnlich erwartete eigene Gotteshaus übergeben werden. Zur Kirche gehören auch ein Gemeindezentrum und eine Priesterwohnung. Die 10.000-Einwohner-Stadt Selfoss ist eines der urbanen Zentren im dünn besiedelten Südisland. Die Gemeindemitglieder leben weit verstreut. Sie nehmen lange Autofahrten in Kauf, um am Gottesdienst teilzunehmen. Die neue Kirche schafft nun einen festen Ort für Gottesdienste, Begegnung, Katechese und das Gemeindeleben.

In seiner Predigt zur Einweihung sagte Bischof David Tencer: „Es war nicht allein unser Ziel, ein Kirchengebäude zu errichten. Unser Ziel ist und wird es immer bleiben, an diesem wunderbaren Ort gemeinsam mit Menschen guten Willens eine lebendige Kirche zur Ehre Gottes aufzubauen.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte Bischof Tencer die Heilig-Kreuz-Gemeinde gegründet. Sie ist die neunte katholische Gemeinde auf Island. Bischof Tencer: „Alle, die etwas zu diesem guten Werk beigetragen haben, sind Teil der Geschichte der katholischen Kirche in Island geworden – und der Geschichte der Heilig-Kreuz-Pfarrei in Selfoss.“ Seinen Dank richtete der Bischof besonders an das Bonifatiuswerk und das Diaspora- Kommissariat. Diese haben das Projekt mit mehr als 1,1 Million Euro gefördert. Die Gesamtbaukosten liegen umgerechnet bei gut vier Millionen Euro.

Wie viel dieser Neubau den Menschen vor Ort bedeutet, beschreibt Organist Ragnar Geir Brynjólfsson: „Für uns in Selfoss ist die neue Heilig-Kreuz-Kirche viel mehr als nur ein neues Gebäude. Jahrelang versammelten wir uns zur Messe in einer sehr kleinen Kapelle, jetzt haben wir endlich ein geistliches Zuhause, in dem unsere Gemeinde gemeinsam beten, feiern und wachsen kann. Bei der Einweihung war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich werde nie vergessen, wie die gesamte Gemeinde kraftvoll bei den Liedern und Antworten mitgesungen hat.“

Ein langer Weg mit Hindernissen

Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen nahm die Kirchweihe zum Anlass, auf den Weg von der ersten Idee bis zur Fertigstellung zurückzublicken. „Dieser Kirchenbau erzählt von einem langen Atem und von Menschen, die ihre Hoffnung nicht aufgegeben haben. Seit den ersten Plänen im Jahr 2010 gab es Widerstände und Verzögerungen. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück war nicht einfach. Und manche bürokratische Hürde galt es zu nehmen – und nicht zuletzt hat auch das isländische Wetter seinen Teil zur Verzögerung der Bauarbeiten beigetragen.“

Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper sagte zur Eröffnung, die neue Kirche sei ein Zeichen der Hoffnung, „das weit über Island hinaus leuchtet. Viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Ländern finden hier ein Zuhause“. Diese Vielfalt sende in die Gesellschaft Islands gute Impulse aus.

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Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2024

Baufortschritt Selfoss, Bonifatiuswerk
Baufortschritt Selfoss

Kleine Kirche mit großen Aufgaben

Auf Island gehören nur rund 15.000 Menschen der katholischen Kirche an. Das sind 3,8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Gerade einmal fünf Kirchengemeinden gibt es hier. Jede einzelne von ihnen ist so groß wie ein mittleres deutsches Bistum. 18 Priester kümmern sich vor Ort derzeit aufopferungsvoll um die Seelsorge. So waren die Verhältnisse nicht immer.

Island wurde schon vor rund tausend Jahren christianisiert. In den folgenden Jahrhunderten wuchs die katholische Kirche dort auf zwei Bistümer mit über 200 Pfarreien an. Doch in der Reformation wurde der katholische Glaube Mitte des 16. Jahrhunderts auf Island auf Druck Dänemarks verboten. Erst im Jahre 1874 wurde dort wieder die Religionsfreiheit eingeführt und ein zartes Pflänzchen des katholischen Glaubens wuchs langsam. Die Mehrheit der Katholiken auf Island stammt heute aus dem Ausland. Es ist eine junge Migrantenkirche, die den Glauben auf der Insel in guter ökumenischer Verbundenheit lebt.

Kirchliches Leben im isländischen Selfoss

Kirchliches Leben im isländischen Selfoss, Bonifatiuswerk
Kirchliches Leben im isländischen Selfoss

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