EIN ORT DER HILFE FÜR KINDER MIT BEHINDERUNG UND IHRE FAMILIEN

Noch ist das Grundstück eine Baustelle, die alten Gebäude werden abgerissen. Schon bald soll hier, mit dem Auto eine Viertelstunde vom Zentrum Rigas entfernt, ein modernes Familien-Tagespflegezentrum für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen entstehen. Mit Unterstützung des Bonifatiuswerkes plant die Caritas Lettland einen Ort der Regeneration und der gezielten Hilfe für Familien, die oft nicht mehr ein und aus wissen. “Zurzeit stehen über 50 Familien in Riga auf der Warteliste für eine Betreuung”, sagt Inese Svekle, die Vorsitzende von Caritas Lettland.”
Lebt ein Kind mit einer Behinderung, ist oft die ganze Familie gefordert. Nicht nur die Eltern, auch Großeltern, Geschwister, Onkel und Tanten sind als Netzwerk umso wichtiger, wenn ein Mitglied der Familie besondere Betreuung braucht. Genau hier setzt das neue Tagespflegezentrum der Caritas an: gezielte Hilfe zur Selbsthilfe für betroffene Kinder und Jugendliche und ihre Familien. “Pro Tag werden wir etwa 15 bis 20 Kinder hier betreuen”, sagt Inese Svekle. “Das wird die Familien auf der Warteliste entlasten.” Schon in diesem Jahr soll das neue Zentrum fertig werden. Damit die Bauarbeiten angegangen werden können, werden noch dringend Spenden benötigt.
Das geplante Zentrum sieht von außen aus wie ein moderner Kindergarten: ein Flachbau aus Holz, mit großen Fenstern, einer Terrasse und einem umzäunten Garten. Dort können Kinder spielen und sind sicher. Innen wird alles auf dem notwendigen Stand der Technik und Therapeutik sein: multifunktionale Räume für Physiotherapie, Ergotherapie und andere Formen der Hilfe, eine ökologische Architektur – natürlich barrierefrei – sowie eine IT-Anlage zur Koordination der Therapien. Viele der betreuten Kinder und Jugendlichen leben mit Down-Syndrom, Autismus- Spektrum-Störungen oder cerebralen Bewegungsbeeinträchtigungen. “In Riga leben etwa 2.000 junge Menschen mit solchen Beeinträchtigungen, in ganz Lettland ungefähr 10.000”, sagt Inese Svekle.



Die intensive Betreuung der Kinder ist für Eltern eine Herausforderung, vor allem für alleinerziehende Mütter. Durch die Tagespflege im neuen Zentrum werden sie für ein paar Stunden entlastet, können arbeiten gehen oder wichtige private Angelegenheiten erledigen. Dank professioneller Beratung und Unterstützung finden hier aber auch die pflegenden Angehörigen Hilfe, um mit der Situation im Alltag besser fertig zu werden.
Dazu gehört auch christliche Seelsorge für Familien, die das wünschen. In der lettischen Diaspora kommen viele Nichtgläubige und Angehörige anderer Konfessionen zu den Angeboten der Caritas. Der Anteil der Katholiken in der Erzdiözese Riga liegt bei 17 Prozent. Als christliche Hilfsorganisation hat die Caritas Lettland bei vielen Familien einen guten Ruf. "Wir versuchen, medizinische, soziale und pastorale Fürsorge zu vereinen", sagt Inese Svekle.
Gerade auf dem Gebiet der Unterstützung für junge Menschen mit Behinderungen ist die Caritas in Lettland mit vielen Projekten etabliert. „Teresas Haus“ in Riga, ein christliches Sozialzentrum für Kinder mit funktionellen Beeinträchtigungen, wurde 2023 ebenfalls vom Bonifatiuswerk gefördert. So kann die Caritas beim neuen Tagespflegezentrum mit einem Netzwerk erfahrener Therapeuten und auch mit seelsorgerischer Begleitung zusammenarbeiten. Jede Spende für den Neubau fließt also in einen künftigen Knotenpunkt – und wirkt so auch langfristig direkt bei den Familien, die Hilfe am dringendsten brauchen.
Die Caritas Lettland wurde 1994 gegründet und ist heute mit 150 festen und ehrenamtlichen Mitarbeitern aktiv. Die Organisation hilft den Ausgegrenzten der Gesellschaft, orientiert an der katholischen Soziallehre. Ein Schwerpunkt der Hilfsarbeit gilt Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Auch ältere Menschen, Obdachlose und Flüchtlinge stehen im Fokus.
Lettland gehört zu den ärmsten Ländern in der EU und hat ein schwaches Sozialsystem. Die baltischen Staaten leiden wirtschaftlich unter den Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Seit 1995 unterstützt das Bonifatiuswerk Katholiken in den Diaspora-Staaten Lettland und Estland.
Die Finanzierung dieser Arbeit ist nur durch Spenden möglich. Schon mehrfach hat das Bonifatiuswerk gemeinsam mit seinen Unterstützerinnen und Unterstützern Projekte in Lettland realisiert – darunter das Kinderdorf Grašu und “Teresas Haus” in Riga. Mit Ihrer Hilfe kann nun auch das neue Tagespflege-Zentrum gebaut werden.