ZUR PERSON

Generalsekretär Msgr. Georg Austen

Generalsekretär Monsignore Georg Austen (Foto: Hartmut Salzmann)
Generalsekretär Monsignore Georg Austen (Foto: Hartmut Salzmann)

INTERVIEW ZUR ERSTKOMMUNION-AKTION 2026: "Ihr seid meine Freunde!" 

“In der Eucharistie schenkt er sich selbst” 

Was Kinder in der Erstkommunion-Vorbereitung fürs Leben lernen können und warum es die Erstkommunion unbedingt in einer säkularen Gesellschaft braucht, erklärt Monsignore Georg Austen im Interview. Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes hat auch einen Tipp für Erwachsene, was sie sich in puncto Glaubenserfahrung bei Kindern abgucken können. Das Interview führte Hartmut Salzmann.. 


Braucht es in einer zunehmend säkularen Gesellschaft das Sakrament der Erstkommunion?

Monsignore Georg Austen: Mehr denn je! In einer Gesellschaft, in der religiöse Bindungen nicht mehr selbstverständlich sind, brauchen Kinder und Familien Orte, wo ihnen die Inhalte des christlichen Glaubens nahegebracht werden und sie eine konkrete Glaubensgemeinschaft erleben können. Die Erstkommunion ist ein solcher Ankerpunkt. Sie ist eine Einladung an die gesamte Familie, grundlegende Werte und sinnstiftende Rituale des Glaubens zu erfahren und für sich neu zu entdecken. Wir als Bonifatiuswerk wollen helfen, diesen Weg bewusst zu gestalten – nicht als Folklore oder sich alljährlich wiederholendes Event und schon gar nicht als Schlusspunkt des persönlichen Glaubensweges, sondern als Einladung zu einer lebendigen Beziehung zu Christus und zur Kirche.

„Ihr seid meine Freunde“ – so lautet das Leitwort der diesjährigen bundesweiten Erstkommunion-Aktion des Bonifatiuswerkes. Warum wurden ausgerechnet diese Worte aus dem Johannesevangelium ausgewählt?

Monsignore Austen: Wenn Jesus sagt „Ihr seid meine Freunde“, dann sind diese Worte weit mehr als ein einfacher Ausdruck von Zuneigung. Er spricht Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen Würde und Nähe zu. Freundschaft ist etwas sehr Vertrautes: Sie bedeutet Vertrauen, verlässliche Beziehungen, gemeinsam auf dem Weg zu sein – und auch Versöhnung. Für Erstkommunionkinder ist das eine wunderbare Zusage: Jesus ist kein ferner Beobachter, sondern ein Begleiter, der immer an eurer Seite ist. In der Eucharistie, in der er selbst in den Gaben von Brot und Wein mitten unter uns ist, schenkt er sich selbst – das ist der tiefste Ausdruck von Freundschaft und gelebter Beziehung.

Das Bonifatiuswerk erstellt jedes Jahr Materialien für die Erstkommunion-Vorbereitung. Es wird bundesweit an etwa 10.000 katholische Kirchengemeinden verschickt. Warum ist Ihnen diese Unterstützung ein so großes Anliegen.

Monsignore Austen: Die Erstkommunion ist für viele Kinder einer der ersten bewussten Schritte in ein eigenständiges Glaubensleben. Es ist ein Fest der Freude und der Wertschätzung junger Menschen. Deshalb liegt es uns sehr am Herzen, diesen Weg zu begleiten. Wir wollen die Katechetinnen und Katecheten und so auch die Familien darin unterstützen, mit den Kindern einen gemeinsamen Weg zu gehen. Gute Vorbereitung stärkt nicht nur Wissen, sondern Beziehung – die Beziehung zu Gott und zur Gemeinschaft der Kirche. Mit dem Material erreichen wollen wir Kinder in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen erreichen – in Großstädten ebenso wie in ländlichen Regionen, in lebendigen Pfarreien genauso wie in Gemeinden, in denen Christen eine kleine Minderheit sind. Uns geht es darum, überall eine verlässliche Grundlage für die Katechese zu bieten und gleichzeitig neue Impulse zu setzen. Kinder und Erwachsene sollen natürlich auch selbst auskunftsfähig sein über die Inhalte unseres Glaubens.

Was lernen Kinder bei der Erstkommunion-Vorbereitung fürs Leben?

Monsignore Austen: Die Kinder erfahren nicht nur die Bedeutung der Eucharistiefeier, sie lernen auch, wie man Solidarität lebt. Der Empfang der ersten heiligen Kommunion ist eine Entscheidung, die Freundschaft Jesu anzunehmen, ihm zu vertrauen, aus seinen Worten Taten folgen zu lassen, in Nächstenliebe sowie Güte zu leben und zu handeln wie auch mit der Erfahrung von Schuld und Vergebung umzugehen. In der Erstkommunion-Vorbereitung befassen sich Kinder damit, wie sie ganz konkret helfen können: Mit ihren Gaben unterstützen sie Projekte für Kinder und Jugendliche in der Diaspora – etwa für katholische Kindergärten, Jugendeinrichtungen Religiöse Kinderwochen oder Glaubenskurse. So wird die Feier der Gemeinschaft mit Gott zur gelebten Gemeinschaft untereinander. Der Glaube bleibt nicht privat. Die Erstkommunion ist für sie eine Erweiterung des Horizontes, mit Fragen des Glaubens und des persönlichen Lebens umzugehen. Da steckt auch ganz viel von dem Leitsatz drin, dem sich das Bonifatiuswerk verschrieben hat: Keiner soll alleine glauben.

Was können Erwachsene von Erstkommunionkindern lernen?

Monsignore Austen: Kinder zeigen uns, was es heißt, unvoreingenommen zu sein. Kinder stellen Fragen, die uns manchmal herausfordern – und uns zugleich helfen, den Kern des Glaubens neu zu entdecken. Wenn ein Kind fragt: „Wie kann Jesus in diesem kleinen Stück Brot sein?“, dann steckt darin echtes – wenn auch kindliches – theologisches Interesse. Diese Offenheit tut auch uns Erwachsenen gut. Kinder können staunen, haben aber auch Fragen zu Leben und Tod, zu Krieg und Krankheit, zur Schöpfung. Und sie kommen manchmal auch mit eigenen gebrochenen Lebenserfahrungen – etwa dann, wenn die eigene Familie zerrüttet und zerbrochen ist. 

Wie kann das Leitwort „Ihr seid meine Freunde“ im Alltag von Kindern konkret Gestalt annehmen?

Monsignore Austen: Indem Kinder erfahren: Ich bin nicht allein. Freundschaft mit Jesus bedeutet, sich ihm anzuvertrauen – im Gebet, im Gottesdienst, in schwierigen Situationen. Und diese Freundschaft drückt sich im Umgang miteinander aus: in Hilfsbereitschaft, im Teilen, im Einstehen füreinander. Aber auch wenn Kinder erleben: Meine Eltern, Paten oder Großeltern stehen verlässlich meiner Seite. Hier können sich manchmal Ängste in Vertrauen wandeln. Gerade die Spendenaktion zur Erstkommunion macht das sichtbar.

Und was wünschen Sie den Gemeinden und den zahlreichen Engagierten, die die Erstkommunion vorbereiten?

Monsignore Austen: Vor allem spüre ich erst einmal Dankbarkeit für das Glaubenszeugnis und das Engagement, das Tausende von Menschen zur Vorbereitung der Erstkommunion an den Tag legen. Ich wünsche allen Beteiligten, dass sie dieses Ereignis nicht nur als Termin, sondern vielmehr auch als Chance für sich sehen. Ich wünsche den Kindern, dass sie auch zukünftig den Platz in der Glaubensgemeinschaft und in Gottesdiensten finden. Unser Leitwort lädt dazu ein, über Freundschaft im Glauben nachzudenken – zwischen Kindern, Familien, Gemeinden und Gott. Wenn diese Verbundenheit spürbar wird, dann wirkt die Aktion weit über den Festtag hinaus und trägt zur lebendigen Gemeinschaft unserer Weltkirche bei.

Wenn Sie die Erstkommunion in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde er lauten?

Monsignore Austen: Jesus lädt dich an seinen Tisch ein – nicht als Gast, sondern als Freund. Aber: Gäste sind ein Segen, um selbst zum Segen zu werden *.

 

weitere Interviews:

Interview zur Diaspora-Aktion 2025

Interview zur FIRMAKTION 2025

Interview zur Erstkommunion 2025

 

Portrait von EWTN über Monsignore Georg Austen

ZUR VITA

Werdegang von Msgr. Georg Austen

Download Langversion (PDF)           Download Kurzversion (PDF)


Georg Austen wuchs in Brenken, einem Ortsteil der ostwestfälischen Stadt Büren, auf. Nach seinem Abitur im Jahr 1978 am Mauritius Gymnasium in Büren studierte er Katholische Theologie in Paderborn und München. Anschließend absolvierte er in den Jahren 1985 und 1986 sein Diakonat in der Gemeinde St. Johannes Baptist und in der Justizvollzugsanstalt in Herford. Am 16. Mai 1986 empfing er in Paderborn das Sakrament der Priesterweihe. Anschließend war er als Vikar in der Pfarrei St. Marien in Fröndenberg, als Pfarradministrator in der Kirchengemeinde St. Johannes Baptist in Siddinghausen und in der Kirchengemeinde St. Michael in Weine eingesetzt.

Zudem war er Diözesanpräses der Katholischen Landjugendbewegung und von 1996 bis 2002 Diözesanseelsorger des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum Paderborn sowie Studentenpfarrer und Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde in Paderborn.

Als Sekretär des XX. Weltjugendtages der Deutschen Bischofskonferenz in Köln war Austen in den Jahren 2002 bis Juli 2006 maßgeblich an der Vorbereitung des katholischen Großereignisses im Jahr 2005 beteiligt. Er verantwortete die pastorale Vor- und Nachbereitung des Weltjugendtages, die Tage der Begegnung mit dem Tag des sozialen Engagements in allen deutschen (Erz-)Bistümern, das Kultur- und Jugendfestival beim Weltjugendtag in Köln sowie den Pilgerweg des Weltjugendtagskreuzes durch Europa und Deutschland.

Im Anschluss an den XX. Weltjugendtag verbrachte Austen für persönliche Fortbildungen einige Monate in New York City und in Schweden. Nach seiner Rückkehr wurde er im selben Jahr Geschäftsführer der Steuerungsgruppe "Perspektive 2014" im Erzbistum Paderborn.

Seit März 2008 ist Georg Austen Generalsekretär und Hauptgeschäftsführer des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken sowie Geschäftsführer des Diaspora-Kommissariates der deutschen Bischöfe/Diasporahilfe der Priester. Seine zweite Amtszeit begann am 1. März 2014, seine dritte Amtszeit am 1. März 2020. Im Jahr 2025 wurde Monsignore Austen nochmals im Amt bestätigt. Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz stimmte dem Votum des Bonifatiusrates mit der Festsetzung der üblichen Altersgrenze zu, die in der Regel bei 70 Jahren liegt.

Im Mai 2008 ernannte Papst Papst Benedikt XVI. Austen zum päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) und berief ihn im Dezember 2011 ins Konsultoren-Kollegium des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung. Austen ist Berater in der Unterkommission für Missionsfragen der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Mitglied in der Konferenz Weltkirche sowie im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Austen engagiert sich für den Dialog und die solidarische Zusammenarbeit in der Weltkirche sowie für Randgruppen, beispielsweise in der Gefängnisarbeit, und setzt sich für junge Menschen ein. Hierfür gründete er 2011 die „Georg Austen Stiftung Solidarität“ mit der Zielsetzung Werte zu vermitteln, den Glauben zu entdecken und die Persönlichkeit zu fördern. Durch entsprechende Projektförderung soll Kindern und Jugendlichen geholfen werden, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken, Lebenskrisen zu überwinden, den Sinn für solidarisches Handeln zu fördern und nicht zuletzt, eine Orientierung und Zuversicht aus dem christlichen Glauben zu erfahren.

Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit ernannte Papst Franziskus am 10. Februar 2016 Austen zum "Missionar der Barmherzigkeit".

Monsignore Austen ist Beirat der PassionStory.Media gGmbH, die zur Unterstützung und Durchführung der deutschen TV-Produktion DIE PASSION gegründet wurde.

Austen ist es ein wichtiges Anliegen – in Kooperation mit nationalen und internationalen Künstlern und Veranstaltern von Großereignissen – Berührungspunkte mit Themen der Kunst, der Kultur und der Kirche zu schaffen, um so auch einen Dialog mit Andersdenkenden und -glaubenden anzuregen. So konnten bereits bundesweite Konzertreihen, Benefizveranstaltungen, Buchprojekte und Kunstausstellungen organisiert werden. Die Erlöse kommen sozial-caritativen Projekten zugute. In den Jahren 2017 und 2018 konnten zwei Kunstausstellungen unter dem Titel "Udos 10 Gebote" mit Bildern des Sängers Udo Lindenberg in der Gaukirche in Paderborn und in der Überwasserkirche in Münster realisiert werden. In Kooperation mit Michael Patrick Kelly kam es zu zwei Konzertreihen ("Agape-Tour" im Jahr 2012 und "Ruah-Tour" im Jahr 2016) durch mehrere Kirchen und Dome im deutschsprachigen Raum. Außerdem gab es im Jahr 2022 eine gemeinsame Ausstellung vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken und Michael Patrick Kelly in der Paderborner Gaukirche. Gezeigt wurden die Friedensglocke #Peacebell, die Kelly aus Kriegsschrott geschmiedet hat sowie Fotografien und gemalte Bilder. Im Zuge der Nikolausaktion des Bonifatiuswerkes unter dem Titel "Weihnachtsmannfreien Zone" gibt es seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit der Sängerin Maite Kelly. Zu weiteren Kooperationen kam es unter anderem mit der Sängerin Kathy Kelly, dem Tenor Juan del Bosco und der Gospelsängerin Carla A. Harris aus New York, der Sängerin Judy Bailey, der Straßenmusikerin Simone Oberstein und der Rügener Künstlerin Sylvia Vandermeer.

Im April 2023 berief ihn Papst Franziskus als Konsultor (Berater) in das neugegründete Dikasterium für die Evangelisierung in der römischen Kurie, wo Georg Austen in der Abteilung für Grundfragen der Evangelisierung in der Welt tätig werden soll.

 

 

KURZ NACHGEFRAGT

bei Monsignore Georg Austen

Als Generalsekretär des Bonifatiuswerkes ist es mein Anliegen …

… gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu beizutragen, Gott in der Welt einen Ort zu sichern und dem Glauben an ihn Räume zu öffnen. Denn: Keiner soll alleine glauben.
 

Unter "Diaspora" verstehe ich …

… eine Kirche von innen für draußen, eine Kirche die alle Christinnen und Christen – egal wo – in den Blick nimmt, damit sie auskunfts- und dialogfähig gegenüber Andersdenkenden und –glaubenden sind.
 

Missionare des 21. Jahrhunderts – das sind für mich …

… Menschen, die aus dem christlichen Geist heraus heraus die Welt aktiv mitgestalten und für ihre Überzeugungen einstehen, aber auch Grenzgänger und Wegbereiter sind.
 

Wenn ich an die Kirche von morgen denke, dann …

… hoffe ich, dass bei allen Veränderungen und Strukturfragen immer die Pastoral und die Sorge um die Menschen im Vordergrund stehen und damit die Botschaft Jesu als „Frohe Botschaft“ erfahren wird. Eine Kirche die als Weltkirche denkt und sich für die Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Menschenwürde wie für den Frieden einsetzt.
 

Meine liebste Bibelstelle lautet…
 

… „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“ (2 Kor 3,17).
 

Eigenschaften, die ich besonders schätze, sind…
 

…Verlässlichkeit und Ehrlichkeit.
 

Sprachlos machen mich…

… Kleingläubigkeit, Unflexibilität und Situationen, die erdrückend und belastend für Menschen sind und die auf den ersten Blick nicht verändert werden können.
 

Ich könnte nicht leben ohne…

… Beziehungen zu lieben Menschen und ohne eine Orientierung aus dem Glauben für mein Leben.