JEDER WEG ZÄHLT
Es ist früher Morgen in Burgstädt bei Chemnitz. Der Duft von frischen Brötchen zieht durch den Raum, draußen ist es noch still. Drinnen aber beginnt der Tag mit gekonnten Handgriffen, guter Laune und jungen Menschen, die ihren Weg und ihre berufliche Bestimmung suchen. Dieser Weg, der oft kein gerader ist, wird durch die Einrichtung DON BOSCO SACHSEN getragen und begleitet. Das ist eine überregionale Einrichtung der Jugendhilfe, Jugend- und Schulsozialarbeit sowie der beruflichen Rehabilitation junger Menschen.
Der 21-jährige Florian steht in der Backstube. Konzentriert und routiniert formt er Teig für die Brötchen. Dass er einmal hier stehen würde, war nicht selbstverständlich. „Ich dachte früher, ich schaffe das nicht. Ich kam von der Förderschule und hatte eine Lese- und Rechtschreibschwäche“, sagt er. Heute ist er im dritten Lehrjahr und stolz darauf, drangeblieben zu sein. „Wenn man will, schafft man das.“ Dabei haben ihn auch seine Familie und seine Freundin unterstützt. Seinen besten Freund Alexander hat er in der Bäckerei kennengelernt. Was ihm dort am meisten Spaß macht? „Die Abwechslung.“ Für seine Zukunft plant er, in dem Fachbereich zu bleiben und sich bei einer Bäckerei zu bewerben.

Solche Geschichten gibt es hier viele. 307 junge Menschen werden aktuell ausgebildet, in mehr als 40 Berufen an den Standorten Burgstädt und Hartmannsdorf. Rund 60 Prozent schaffen anschließend den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt. Hinter dieser Zahl stehen Mut, Geduld und Menschen, die nicht aufgeben. Denn hier geht es um mehr als Ausbildung. Es geht um echtes Ankommen und angenommen werden. "Inklusion bedeutet, jeden so anzunehmen, wie er ist und jedem das zur Seite zu stellen, um in der Gesellschaft einfach mitmachen zu können“, sagt Gesamtleiter Sebastian Schmidt. Es gehe nicht nur darum, Barrieren abzubauen, sondern Möglichkeiten für unterschiedliche Lebenswege, Identitäten und Hintergründe zu schaffen.
Im kleinen Don-Bosco-Eckladen in Hartmannsdorf wird das sichtbar. Der 17-jährige Maurice hatte zuvor keinen Ausbildungsplatz gefunden. Heute steht er hinter der Kasse, berät Kunden, plant seine Zukunft im Verkauf. „Man kann hier vieles machen – mit den Kunden reden und ihnen Hilfe anbieten“, erklärt Maurice, der gerade eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme absolviert. Und das merken die Kunden. Inge Steinbach ist 94 Jahre alt und kommt mehrmals pro Woche zum Einkaufen. “Die jungen Leute sind alle sehr hilfsbereit“, erzählt sie. „Sie tragen mir die Taschen nach Hause, holen mir sogar Blumen aus der Don-Bosco-Gärtnerei. Und wenn ich hier in den Laden komme, fragen sie, ob sie mir helfen können. Ich kann nur Gutes über sie sagen.”
Diese Grundeinstellung hat einen Namen: “Mama Margareta“ – benannt nach der Mutter von Don Bosco. Sie steht für Glaube, Geborgenheit, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Genau das soll auch ein neuer Gebäudekomplex in Hartmannsdorf verkörpern: ein Ort, der Ausbildung, Verkauf, Begegnung und Begleitung unter einem Dach vereint. “Es geht darum, Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, unterschiedlicher Weltanschauungen, Fähigkeiten und Bedarfe zusammenzuführen”, erklärt Sebastian Schmidt und ergänzt: ”Oftmals stehen junge Menschen an Kreuzungen, an denen sie Entscheidungen treffen müssen." Genau an diesen Punkten biete DON BOSCO SACHSEN Begleitung an – offen, ohne Zwang, getragen von einem christlichen Menschenbild und im christlichen Geist. Der Glaube zeige sich hier auch im Zuhören und im Vertrauen darauf, dass jeder Mensch seinen Weg finden kann.

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Petra Ernst-Gutierrez
Bereichsleiterin
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