HOSPIZ- UND TRAUERARBEIT DER MALTESER BERLIN
Wie geht Trauer, wenn Worte fehlen? Die Hospiz- und Trauerarbeit der Malteser in Berlin zeigt einen besonderen Weg: Beim Projekt “Tango bewegt die Seele” wird Verlust nicht besprochen, sondern gespürt – in Bewegung, Musik und Begegnung. Im Tanzsaal des “Nou” im Berliner Bezirk Mitte erfüllt melancholischer Tango Argentino den Raum. Rund 20 Trauernde kommen hier jede Woche zusammen. Sie haben Partner, Eltern, Freunde oder Lebensperspektiven verloren. Was sie verbindet: Viele finden keinen Zugang zu klassischen Gesprächsangeboten. Der Tango bietet ihnen eine Alternative. Ohne Erklärungen, ohne Druck, Gefühle in Worte zu fassen. Stattdessen entstehen Verbindung und Ausdruck über Bewegung – Schritt für Schritt.
Die Idee zu dem Projekt “Tango bewegt die Seele” hatte Antje Rüger-Hochheim, Leiterin der Hospiz- und Trauerarbeit in Berlin. Sie suchte nach einem Angebot für Menschen, die keinen Zugang zu klassischen Gesprächsformaten finden – und fand ihn im Tango. Der Treff im Berliner Bezirk Mitte richtet sich in erster Linie an Menschen, die einen Angehörigen oder Freund verloren haben, aber auch an Menschen mit lebensverkürzenden Krankheiten. Antje Rüger-Hochheim: „Es gibt nicht die eine Form von Trauer. Aber Trauernde finden oft keine Worte dafür, was sie belastet. Hier muss keiner etwas erklären. Erst recht nicht die Dinge, für die man selber gar keine Worte hat“, sagt die Familientherapeutin.
Damit diese wichtige Arbeit weitergeführt und ausgebaut werden kann, sind die Malteser auf Unterstützung angewiesen. Angebote wie “Tango bewegt die Seele” leben vom Engagement qualifizierter Fachkräfte und Ehrenamtlicher, von geeigneten Räumen und von einer kontinuierlichen Begleitung der Teilnehmenden. Gleichzeitig wächst der Bedarf an solchen niedrigschwelligen Angeboten stetig.
Immer mehr Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre Trauer zu bewältigen, ohne sich dabei überfordert oder allein zu fühlen. Gerade Projekte, die alternative Zugänge wie Bewegung oder Kreativität eröffnen, erreichen Menschen, die sonst oft keine Hilfe in Anspruch nehmen. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, dass dieser Raum erhalten bleibt und weiter wachsen kann. Sie helfen, Menschen in schweren Zeiten aufzufangen und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. Aus Einsamkeit wird Begegnung – mit Ihrer Unterstützung. Jede Spende zählt: helfen Sie, dieses Angebot zu erhalten.
Annettes Mann starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs – nachdem sie ihn lange gepflegt hatte. Kurz darauf wurde auch bei ihr Krebs diagnostiziert. “Ein Wettlauf, wer zuerst stirbt”, nennt sie diese Zeit. Sie hat überlebt. Ihr Mann nicht. Der Tango gibt ihr Halt und Orientierung. Isas Vater lag nach einem Unfall monatelang im Wachkoma. Isa pflegte ihn rund um die Uhr – bis er starb. Zurück in Berlin fand er keine Hilfe, keinen Therapieplatz. Erst im Tango spürt er wieder Halt. “Wie können die Menschen lachen, wenn ich in mir weine?”, sagt er. Hier findet er eine Atmosphäre, die zu seiner Trauer passt.
Auch Markus trägt einen Verlust mit sich: Sein bester Freund starb bei einer Operation. Ein Abschied war ihm nicht möglich, ein Grab gibt es für ihn nicht. Beim Tanz wirkt er konzentriert und in Balance. Die Haltung ist gerade, fast stolz. Auch wenn ihre Kinder noch leben – Johanna hat sie verloren. An ihren Ex-Mann, der, wie sie sagt, die beiden Mädchen so beeinflusst habe, dass sie bei ihm und der neuen Partnerin leben wollen. Zwar besteht Kontakt, der Verlust hat Johanna aber depressiv werden lassen. Wenn sie tanzt, scheint die Schwere kurz von ihr abzufallen. Das nimmt sie gerne an. Denn: “Wenn jemand gestorben ist, dann ist er nicht mehr da. Meine Trauer hat keinen Abschluss. Ich sehe meiner Kinder immer wieder.”
Antje Rüger-Hochheim steht voll hinter dem Konzept: “Bewegung kann einen Prozess in Fluss bringen. Wenn ich mich bewege, Ja, ich komm raus aus der Erstarrung und kann in der Bewegung den Umgang mit der Trauer finden.” Oft denkt sie an eine junge Teilnehmerin, die wegen einer Chemotherapie viele Haare verloren hatte. Nur einzelne Strähnen waren geblieben, die die Frau mit einem Kopftuch verdeckte. “Das hat sie dann hier abgemacht und gesagt: ,Hier fühle ich mich sicher. Hier kann ich mich so zeigen, wie ich bin‘.”
Die Malteser arbeiten bei dem Projekt eng mit Thomas Rieser zusammen. Er ist Inhaber des “Nou”. “Ins Tango-Tanzen bin ich so reingewachsen” sagt Thomas Riese, der nicht nur Tanzlehrer, sondern auch Medizinwissenschaftler ist. In seiner Promotion an der Charité ging er Frage nach, wie sich Tangotanzen auf den Verlauf von Brustkrebserkrankungen auswirkt. Ein Ergebnis: Das Level der “Fatigue” – ein chronisches Erschöpfungssyndrom, das mit Krebserkrankungen einher gehen kann – sinkt durch den Tanz signifikant. “Wir arbeiten viel über das Spüren.” Für Trauer braucht es den Tod nicht.
“Tango bewegt die Seele” ist eingebettet in die umfassende Hospiz- und Trauerarbeit der Malteser in Berlin. Diese richtet sich an Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen und bietet vielfältige Wege der Unterstützung an. Die Malteser bieten in und um Berlin zahlreiche weitere Angebot für Trauernde. Es gibt unter anderem „Trauer & Klöße“ – ein gemeinsames Kochen für junge Menschen in Trauer. Der „Oase-Gottesdienst“ zeigt Impulse für den weiteren Trauerweg. Beim Trauercafé in Bohnsdorf geht es ums Reden, Zuhören und Weinen.
“Lassen Sie Trauernde nicht allein. Mit Ihrer Spende schaffen Sie Orte, die tragen, wenn das Leben aus dem Gleichgewicht gerät.”

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Petra Ernst-Gutierrez
Bereichsleiterin
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