GESPRÄCHE ÜBER INTERNATIONALE KONFLIKTE UND DIE KATHOLISCHE KIRCHE
13.05.2026
Seitdem die USA, China und Russland in den vergangenen Monaten verstärkt um Einfluss in der Arktis ringen, sind die nordischen Inselstaaten international in den Fokus gerückt. Das gilt insbesondere für Island. Die Präsidentin Islands, Halla Tómasdóttir, ist nun von Papst Leo XIV. bei einer Audienz empfangen worden.
Nach der Audienz führte die 57-Jährige, die seit knapp zwei Jahren im Amt ist, in Vatikan weitere Gespräche mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Außenminister Paul Gallagher. Wie das vatikanische Presseamt mitteilte, ging es dabei um den "positiven Beitrag der örtlichen katholischen Kirche zum Gemeinwohl". Ferner seien regionale und internationale Fragen erörtert worden. Vor allem sei es um geopolitische Konflikte, um Dialog und um Friedensperspektiven gegangen.
Katholikinnen und Katholiken leben in Island in einer extremen Minderheitensituation. Fast 60 Prozent der Bevölkerung gehören der evangelisch-lutherischen Staatskirche an, die vom Staat unterstützt wird und verfassungsrechtlich geschützt ist. Auf der 103.000 Quadratkilometer großen Insel, deren spektakuläre Landschaft durch Vulkane, Geysire und Thermalquelle geprägt ist, leben etwa 16.000 registrierte Katholikinnen und Katholiken. Das sind knapp vier Prozent der gut 400.000 Einwohner. Einziges Bistum des Landes ist Reykjavik. Die katholische Kirche in Island hat in den vergangenen Jahren allerdings ein bemerkenswertes Wachstum hingelegt. Zum Vergleich: Vor gut 20 Jahren gab es nur etwa 3.400 registrierte Katholikinnen und Katholiken. Das Bonifatiuswerk unterstützt die junge, wachsende und materiell arme Kirche seit 1974.
Eines der aktuellen Schwerpunktprojekte des Bonifatiuswerkes in Island ist der Neubau einer Kirche mit Gemeindezentrum im isländischen Selfoss. Anfang September 2026 wird der pastorale Ort eingeweiht. Die neue Heiligkreuzgemeinde in Selfoss, die 2025 gegründet wurde, umfasst ein Gebiet mit einem Durchmesser von fast 400 Kilometern und zählt etwa 1.000 registrierte Katholiken. Ein weiteres wichtiges Projekt ist der Erweiterungsbau im Karmelkloster in Hafnarfjördur in Island, der ebenfalls mit Mitteln des Bonifatiuswerkes gefördert wird.
Die katholische Kirche in Island ist sehr international geprägt: “Mehr als 170 Nationen gehören ihr hier an”, erläutert Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen. Die Gläubigen setzen sich mehrheitlich aus Migranten, Arbeitsmigranten und Geflüchtete – darunter viele Polen, Kroaten, Filipino, Vietnamesen und Ukrainer – zusammen. Die ökumenische Verbundenheit sei in den Ländern Nordeuropas besonders ausgeprägt, betont der Generalsekretär.
Anders als das benachbarte Grönland ist Island seit 1918 ein souveräner Staat und gehört nicht mehr zu Dänemark. In diesem Jahr entscheiden die Isländer über eine mögliche Mitgliedschaft in der EU. Für den 29. August 2026 ist ein Referendum über die Wiederaufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union geplant.
(bam/kna)