ZWISCHEN HOFFNUNG UND VERZWEIFLUNG

Seelsorge für besonders schutzbedürftige Geflüchtete

Das Bonifatiuswerk unterstützt im Rahmen der Personalstellenförderung für zwei Jahre die Arbeit von Sr. Regina Stallbaumer. (Foto: Markus Nowak)
Das Bonifatiuswerk unterstützt im Rahmen der Personalstellenförderung für zwei Jahre die Arbeit von Sr. Regina Stallbaumer. (Foto: Markus Nowak)

Zwei Mal pro Woche fährt  Sr. Regina Stallbaumer von Berlin nach Eisenhüttenstadt, um die dortige Erstaufnahmeeinrichtung zu besuchen. Dort leben in der Regel zwischen 100 und 700 Geflüchtete, darunter Männer, Frauen und Kinder. Sie warten auf Entscheidungen: Umverteilung in eine andere Einrichtung, Rückführung in ein Land in Europa, durch das sie gereist sind, oder Rückkehr in die Heimat. Was sie erlebt haben und erleben, ist für sie oft sehr belastend und droht sie manchmal fast zu zerreißen. Manche sind verzweifelt, denn in ihren Heimatländern sehen sie ihr Leben bedroht oder können für sich dort einfach keine Lebensperspektive finden. Auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung befindet sich seit Sommer 2019 ein Schutzhaus, in dem Geflüchtete mit besonderer Schutzbedürftigkeit (insbesondere Menschen mit Behinderung, psychisch kranke Menschen, Frauen mit Gewalterfahrung, Opfer von Menschenhandel und Vergewaltigungen, Familien in besonders belastenden Situationen) untergebracht sind. Das Bonifatiuswerk unterstützt die Arbeit von Sr. Regina Stallbaumer im Rahmen der Personalstellenförderung.

Vergewaltigungen und Menschenhandel

Manchmal können schon ein wertschätzender Blick oder ein freundliches Lächeln für die Menschen in ihrer meist sehr belastenden Situation einen Unterschied machen. Sr. Regina Stallbaumer hat ein offenes Ohr für die Hoffnungen und Sorgen der Menschen. „Alle warten darauf, dass sie erfahren, was mit Ihnen geschieht. Die Ungewissheit ist das Schlimmste." Oft tut es den Menschen gut, mit ihren Ängsten, ihrer Trauer und ihren Sehnsüchten nicht alleine zu sein. Wo es möglich ist, vermittelt Sr. Regina Stallbaumer weiterführende Hilfsangebote, stellt Kontakte her, begleitet die Menschen beim nächsten Schritt. Für manche Geflüchtete ist ihr Glaube eine wichtige Kraftquelle in ihrer schwierigen Situation. Es tut ihnen gut, wenn Sr. Regina Stallbaumer mit ihnen betet, über die Bibel mit ihnen ins Gespräch kommt oder ihnen einfach ein kleines Kreuz gibt, an dem sie sich festhalten können. Manchmal werden ihr Zettel mit Fürbitten überreicht, die sie in ein Kloster mitnimmt, wo für sie gebetet wird. Ein Hoffnungsschimmer, der in einem tiefen Glauben an Gott verwurzelt ist, und daran, dass sie diesen Weg nicht alleine gehen müssen.

Sr. Regina Stallbaumer arbeitet als Personalstelle für das Bonifatiuswerk

Hilfe für Flüchtlinge, die über Belarus und Polen kamen

In den letzten Monaten kamen in der Erstaufnahmeeinrichtung vor allem Menschen an, die über Belarus und Polen Deutschland erreichten. "Was sie auf der Flucht erlebt haben, hat manche von ihnen an die Grenze ihrer Kräfte gebracht", weiß Sr. Regina Stallbaumer. Die Seelsorgerin lässt die Geflüchteten mit ihren Erfahrungen nicht alleine. In Gesprächen können die Menschen ein Stück weit aufatmen und Kraft schöpfen für die weiteren Schritte. So mussten kurzfristig die Aufnahmekapazitäten hochgefahren werden und die Geflüchteten mit einem Schlafplatz, Essen, Kleidung und medizinischer Behandlung versorgt werden. Die Geflüchteten brachten sehr belastende Erfahrungen mit. Die Situation, die sie an der Grenze Belarus/Polen erlebt haben, war für viele schrecklich. Auch diese Menschen hat Sr. Regina Stallbaumer begleitet und versucht, ihnen eine andere Erfahrung zu ermöglichen: die Menschen in ihrer Würde zu sehen und Ernst zunehmen.

Manche der Geflüchteten haben wochenlang in einem Waldstück im Grenzgebiet verbracht, konnten weder vor noch zurück, hatten zeitweise nichts zu essen und keinen Schutz vor der Kälte.

Sr. Regina Stallbaumer,
Personalstelle Bonifatiuswerk

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Ein Zeichen der Wertschätzung

Am Nikolaustag im letzten Jahr verteilten Mitarbeiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes innerhalb der Aktion Tat.Ort.Nikolaus des Bonifatiuswerkes 650 Schokonikoläuse an Geflüchtete in der Unterkunft im brandenburgerischen Eisenhüttenstadt. "Die Menschen hier haben viel durchgemacht, der kleine Nikolaus war wenigstens ein kleines Zeichen, das ein Licht in ihren Alltag bringt", sagt Sr. Regina Stallbaumer. Als Seelsorgerin in der Erstaufnahmeeinrichtung schenkt sie den Geflüchteten einen Raum, um über ihre Erfahrungen und Fluchterlebnisse zu sprechen und sie zu entlasten. Angesichts der aufenthaltsrechtlichen Unsicherheit haben viele Angst.

IHRE ANSPRECHPARTNER ZUR GLAUBENSHILFE

Weitere Auskünfte zur Glaubenshilfe erhalten Sie bei Simon Rüffin. Ansprechpartner für die Personalstellenförderung ist Daniel Born.

Simon Rüffin

Leitung Fachbereich Missionarische und diakonische Pastoral
05251 29 96-50
simon.rueffin@bonifatiuswerk.de

Daniel Born

Referent Missionarische und diakonische Pastoral
05251 29 96-26
daniel.born@bonifatiuswerk.de